Bürgermeisterin spricht von Katastrophe

Wiesenhof will Standort in Wietzen-Holte schließen

Der Wiesenhof-Hähnchenbetrieb in Wietzen-Holte soll schließen. Die Produktion soll auf andere Standorte verlagert werden. Rund 300 Mitarbeiter sind von dieser Entscheidung betroffen.
20.01.2019, 21:22
Lesedauer: 3 Min
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Wiesenhof will Standort in Wietzen-Holte schließen
Von Michael Lambek

Gerüchte hatte es zwar immer mal wieder gegeben, aber nun hat die harte Nachricht doch alle überrascht. Die PHW-Gruppe will den Wiesenhof-Hähnchenbetrieb in Wietzen-Holte schließen. Das erfuhren Beschäftigte und Betriebsrat vor Kurzem während einer eigens dafür einberufenen Betriebsversammlung.

Das Wiesenhof-Management plant, die Produktion vom Wietzener Ortsteil Holte auf andere Produktionsstandorte zu verlagern. In Holte könne das Geschäft nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden, so die Begründung für diesen Schritt, von dem man wisse, „wie schmerzhaft er für alle unsere beschäftigten Mitarbeiter ist“. In ihrer Erklärung lässt die PHW-Gruppe, zu der Wiesenhof gehört, keinen Zweifel daran, dass der Produktionsstandort Holte nicht zu halten ist.

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Hier werden nach Auskunft der Geschäftsführung täglich zwischen 65 000 und 70 000 Tiere im Einschicht-Betrieb geschlachtet – zu wenig, um unter dem herrschenden Konkurrenz- und Kostendruck zu bestehen, heißt es. Bis Ende April will man die Verlagerung der Produktion in Holte auf die anderen Standorte der Firmengruppe geschafft haben.

Rund 300 Mitarbeiter betroffen

211 Mitarbeiter sowie rund 100 Leiharbeiter und Werksvertragsbeschäftigte sind von dieser Unternehmensentscheidung betroffen. Arbeitsplatzverluste dieser Größenordnung sind von der nicht gerade strukturstarken ­Region um die Samtgemeinde Marklohe nicht leicht zu verkraften. Das weiß man auch bei PHW und verspricht deshalb, sich „in intensiven Gesprächen zeitnah“ für die betroffenen Mitarbeiter bei verschiedenen Unternehmen der Nienburger Region stark zu machen.

„Wir gehen davon aus, dass der allergrößte Teil unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nahtlos eine neue Beschäftigung in der Nienburger Region finden wird“, erklärt PHW-Chef Peter Wesjohann. Darüber hinaus gilt für alle Mitarbeiter das Angebot, am nächst gelegenen PHW-Standort in Lohne weiterhin beschäftigt zu werden. Dort herrschen ganz andere Größenordnungen. Nach Unternehmensangaben werden in Lohne 230 000 Tiere pro Tag geschlachtet. Allerdings liegt der Schlachthof rund 70 Kilometer von Holte entfernt.

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Bei der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) in Hannover will man den Ball erst einmal flach halten. Jedenfalls sieht dort niemand einen Anlass zu übereilten Aktionen. „Vor allem anderen ist der Arbeitgeber verpflichtet, den Betriebsrat im Vorfeld solcher Entscheidungen zu informieren“, sagt Lena Melcher, die zuständige Gewerkschaftssekretärin. Und genau das sei in diesem Fall nicht geschehen. „Wir wissen eigentlich gar nichts“, sagt sie, „weder über die näheren Gründe der Entscheidung oder das damit verbundene Einsparpotenzial, noch über die relevanten wirtschaftlichen Kennzahlen oder welcher Art und wie viele Ersatzarbeitsplätze in Lohne tatsächlich zur Verfügung stehen.

Betriebsrat wird Verhandlungen führen

Erst wenn man in diesen Punkten klarer sehe, werde der Betriebsrat über dann anstehende Fragen in Verhandlungen eintreten. Bei manchen Mitarbeitern mit einer langen Betriebszugehörigkeit gehe es dabei vielleicht um Übergangshilfen in die Rente, in anderen Fällen um Kostenzuschüsse für einen längeren Anfahrtsweg zum neuen Arbeitsplatz in Lohne. „In keinem Fall werden wir uns dabei unter den Zeitdruck setzen lassen, der schon jetzt von der Unternehmensführung aufgebaut wird“, so die NGG-Sekretärin.

Für die Samtgemeinde Marklohe bedeutet das Aus für den Wiesenhofstandort in Holste „eine Katastrophe“, sagt Bürgermeisterin Inge Bast-Kemmerer. Sie hat kaum Hoffnung dass die Schließung irgendwie noch abgewendet werden kann. Im Rathaus werde mit ­Hochdruck daran gearbeitet, den Leuten zu helfen, die demnächst vielleicht ohne Job dastehen.

Bast-Kemmerer: „Wir arbeiten eng mit der Agentur für Arbeit zusammen, und auch die regionale und lokale Wirtschaft zieht mit: Es gibt schon etliche Hinweise auf offene Stellen – auch wenn sie teils nur befristet sind.“

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