Millionenprojekt in Bremen-Vegesack

„Wir haben hier Potenzial“

Handel, Polizei, ein Drei-Sterne-Hotel und eine Pflegeeinrichtung - gegenüber der Grohner Düne soll ein neues, urbanes Quartier mit rund 240 Wohnungen entstehen. Der Investor sagt, wie weit seine Pläne sind.
09.01.2019, 17:44
Lesedauer: 4 Min
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„Wir haben hier Potenzial“
Von Patricia Brandt
„Wir haben hier Potenzial“

Der Entwurf zeigt, wie sich die Investoren die Neuordnung des Haven-Höövt-Geländes am Hafen vorstellen. Max Zeitz hofft, dass die Pläne noch vor der Wahl in die Deputation gehen.

Grafik: Haven Höövt Projektentwicklungsgesellschaft mbH

Herr Zeitz, gerade hatte Spiele-Maxx seinen letzten Tag im Haven Höövt. Sie werben in den leeren Geschäften mit Plakaten, die ein ganz neues Quartier zeigen. Hätten Sie vor zwei Jahren damit gerechnet, dass die ursprünglich geplante Revitalisierung des Einkaufszentrums solche Dimensionen annimmt?

Max Zeitz: Ich wusste, dass wir hier Potenzial haben. Dass die Gestaltung so an Geschwindigkeit gewinnt, das überrascht mich nicht, das freut mich. Herr Koch und ich haben alle anderen Neuprojekte zurückgefahren. Wir wollen uns nicht ablenken lassen, sondern unseren Fokus auf die Herausforderung in Bremen-Nord legen. 2019 ist das Jahr der sichtbaren Veränderungen. Wir reden heute nicht mehr nur über einen Handelsteil, sondern über das, was auf der anderen Seite passiert: Wohnungsbau, aber auch ein Polizeigebäude, ein Drei-Sterne-Hotel und eine Pflegeeinrichtung.

Braucht Vegesack noch ein Hotel?

Vegesack braucht Menschen, die uns hier besuchen. Und ja, wir haben dazu eine Analyse gemacht, und auch der Betreiber selbst analysiert gerade das Umfeld. Unsere Gespräche mit ihm sind sehr weit gediehen. Für ein weiteres Gebäude sprechen wir zurzeit auch mit dem Betreiber eines Angebots im Bereich Service-Wohnen für Pflegebedürftige in Ergänzung zu den Vier Deichgrafen, die später direkt am Hafen mit dem Partner oder allein in Zwei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen leben können. Diese Appartements sind direkt mit Blick auf den Hafen und die Weser geplant.

Sie verhandeln auch seit Langem mit der Stadt darüber, ob auch die Polizei ins Haven-Höövt-Quartier zieht. Wie weit sind die Pläne gediehen?

Die Pläne für das Polizeikommissariat Nord-West, wie es jetzt heißen wird, sind sehr weit gediehen. Wir haben bis vor Weihnachten im Rahmen wöchentlicher Jourfixe mit Ralf Töllner, Leiter der Inspektion, sowie seinen zuständigen Kollegen die einzelnen Geschosse durchgeplant. Die Polizei soll ein fünfgeschossiges Gebäude beziehen, das vis-à-vis der Grohner Düne entsteht. Die Beamten werden ungefähr 3000 Quadratmeter zur vom Bahnhofsplatz aus sichtbaren Seite bekommen. Auf der hinteren Seite dieses Gebäudekomplexes sollen Ärzte und Dienstleister untergebracht werden. Mit Immobilien Bremen als Mietvertragspartner für alle öffentlichen Anmietungen laufen – parallel zur Planung - die Verhandlungsgespräche zur Anmietung.

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Sie hatten angekündigt, bis zu 200 Wohnungen bauen zu lassen…

Wir haben die Zahl der geplanten Wohnungen von zunächst 250 aktuell auf circa 180 Wohnungen reduziert. Insgesamt kommen wir mit Hotel, Dienstleistern, Polizei, Kleingewerbe und Pflegeeinrichtung auf ein Bauvolumen von 31 000 Bruttogeschossfläche, verteilt über sechs Baufelder. Die Wohnungen werden entlang des Hafens und in Form eines siebengeschossigen Gebäudes auf dem früheren Bauteil C – das früher für ein Kino geplant war – entstehen. Zu den 180 Wohnungen kommen noch rund 40 geförderte Wohnungen in einem Gebäude unmittelbar gegenüber dem "Alten Speicher“ hinzu. Wir haben immer gesagt, wir wollen keinen Luxuswohnungsbau, sondern bezahlbaren Wohnraum. Wir haben unheimlich viele Anfragen, ob die Wohnungen zu mieten oder auch zu kaufen seien. So viel ist nun sicher: Es wird auch Eigentumswohnungen geben, qualitativen Wohnungsbau mit entsprechender Ausstattung entlang des Museumshavens – gegebenenfalls auch in den anderen geplanten Wohngebäuden. Wir können hinter all dem ein Haken machen.

Wissen Sie schon, was die Eigentumswohnungen kosten werden?

Nein, da muss man dann sehen, was der Markt zum Zeitpunkt der Entstehung vorgibt.

Wie sehen Ihre zeitlichen Pläne aus?

Entscheidend ist für uns der Bebauungs- und Flächennutzungsplan. Der Entwurf wurde jetzt im Bauamt final besprochen und geht hoffentlich diese Woche an die Träger öffentlicher Belange.

Wann wollen Sie mit dem Bau beginnen?

Wir würden uns wünschen, dass der Plan vor der Wahl im Mai in der Deputation landet. Dann würden wir im dritten Quartal zur Planreife kommen können. Und wenn alles gut geht, könnten wir im vierten Quartal anfangen zu bauen. Vorausgesetzt, wir haben bereits Teile des jetzigen Gebäudes entlang des Hafens abgerissen. Sollten wir den Zeitplan bezüglich der Deputation und der weiteren Meilensteine nicht einhalten können und damit die Planreife erst später eintreten, wird sich an der Umsetzung des Stadtquartiers nur im Kalender etwas ändern – nicht aber an unserer Aufgabenstellung.

Wo liegen die Schwierigkeiten? Die Glasbrücke haben Sie doch schon abgerissen…

Wir sind schon dabei, abzureißen und umzubauen. Wir gestalten das Bestandsgebäude, in dem früher Marktkauf war, zurzeit um. Im Mai und Juni wollen wir den Handelsteil mit Kaufland, Deichmann, NKD, der Apotheke, einem Optiker und einem Elektronikmarkt eröffnen – auf Wunsch der Ankermieter gegebenenfalls auch nach den Bremer Sommerferien. Wir haben insgesamt circa 18 Verkaufs- und Dienstleistungsflächen, drei davon sind noch in der Akquise. Darüber hinaus werden wir im zweiten Obergeschoss eine circa 2000 Quadratmeter große Fläche für einen bundesweiten Fitness-Anbieter realisieren, hier mit vielen Sportangeboten, Wellness und Saunen. Wenn die bisherigen Mieter im vorderen Handelsgebäude auch ins neue „Kontor“ rübergezogen sind, beginnt der äußere Abriss. Das dauert voraussichtlich fünf Monate. Es gibt aber die Möglichkeit, Abriss und Bau parallel zu machen – an dem Masterplan arbeiten wir gerade.

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Ihre Firma Wesbau hat 2017 als Projektentwickler angekündigt, 70 Millionen Euro in die Umstrukturierung des Haven Höövts investieren zu wollen. Ist das Vorhaben schon teurer geworden?

Die Investitionssumme beläuft sich jetzt auf 110 bis 120 Millionen Euro. Es gibt nicht viele Vorhaben in Deutschland, wo sie die Möglichkeit haben, in der Innenstadt 31 000 Bruttogeschossfläche zu erbauen. Als Projektentwickler ist das eine tolle Aufgabe. Gerade in Bremen-Nord. Wir sehen hier das geschlossene Miteinander, wir diskutieren viel mit dem Bauamt, auch wegen der Verkehrsplanung, wir müssen uns über jeden einzelnen Stellplatz unterhalten, aber am Ende des Tages wollen alle.

Das Interview führte Patricia Brandt.

Info

Zur Person

Max Zeitz ist mit seinem Partner Willy Koch als Projektentwickler für das Haven-Höövt-Areal zuständig. Der Vater von Zwillingen lebt in Zürich und Stuttgart.

Info

Zur Sache

Plan wird vorgestellt

Die für die Umstrukturierung des Haven Höövts notwendigen Änderungen des Bebauungsplanes 1218 (Quartier am Alten Speicher) und des Flächennutzungsplanes (Haven-Höövt) werden am Donnerstag, 17. Januar, Thema im Beirat Vegesack sein. Die Sitzung beginnt ab 18.30 Uhr im
Sitzungssaal des Ortsamtes Vegesack, 1. Etage,
Gerhard-Rohlfs-Straße 62.

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