Chorgemeinschaft Kekeli „Wir hatten das Gefühl, wir kommen zu Freunden“

Yawa Schwingel ist Mitglied im Pennigbütteler Chor Kekeli. Ihre Heimat ist das Dorf Hiheatro in Togo. Der Chor sammelt Geld, um dort Projekte zu unterstützten. Nun traten die Frauen ein Reise nach Afrika an.
Lesedauer: 4 Min
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Von Monika Fricke

Osterholz-Scharmbeck. „Wir haben noch nie Menschen so strahlend und voller Freude gesehen, wie wir es bei unserer Ankunft in Togo, im kleinen Dorf Hiheatro auf dem Plateau an der Grenze zu Ghana, erlebt haben.“ Diese Erfahrung haben 14 Frauen des Chores „Kekeli“ gemacht, die kürzlich von einem Besuch im westafrikanischen Staat Togo zurückgekehrt sind.

„Ich bekomme immer noch Gänsehaut, wenn ich daran denke, dass bei unserer Ankunft das ganze Dorf gekommen war, die Kirchenglocken läuteten und ein Posaunenchor spielte“, erzählt Inge Teßmann. Die Dorfbewohner jubelten, sangen und tanzten für die europäischen Gäste. Die überschäumende Freude und Herzlichkeit der Menschen, die in überwiegend ärmlichen Verhältnissen leben, sei beispiellos gewesen, fanden die Chorsängerinnen.

Kekeli bedeutet Licht

Voller Dankbarkeit hatten die Menschen in Hiheatro, einem Ort mit rund 6000 Einwohnern, den Kekeli-Chor empfangen. Es ist der Heimatort von Chormitglied Yawa Schwingel. Die Afrikanerin kam vor über 20 Jahren nach Deutschland.

„Wir hatten das Gefühl, wir kommen zu Freunden“, erzählt Chorleiterin Maike Klein. So herzlich sei der Empfang gewesen. „Wir wurden in Ehrentücher gekleidet, das waren bunte Wickelröcke und alle erhielten traditionelle Halsketten.“ Tanzend begleiteten die Afrikaner ihre Gäste zum Dorfplatz. „Dort hörten wir Lieder, die wir schon kannten“, sagt Klein. Gemeinsam hätten sie dann mit ihren Gastgebern gesungen. In ihren Koffern hatten sie Geschenke für die Kinder. Spielsachen und Schulmaterialien.

„Kekeli“ bedeutet „Licht“ in der afrikanischen Nationalsprache „Ewe“. Und Licht brachte der Chor symbolisch in die afrikanische Gemeinde. Denn mit seinen Chorkonzerten sammelt Kekeli Spenden für Kinder in Togo. Das Repertoire des Chores besteht dabei ausschließlich aus geistlichen, afrikanischen Liedern in der jeweiligen Landessprache.

Über die Norddeutsche Mission, ein internationales ökumenisches Missionswerk, entstanden Kontakte zum westafrikanischen Land. Diese christliche Organisation vermittelt Hilfsprojekte und unterhält Gästehäuser in Togo. Noch immer sind die Chorfrauen überwältigt von den Eindrücken ihrer Togo-Reise. In ihren neuen, bunten Röcken, die sie von ihrer Reise mitbrachten (Stoffe kauften sie dort ein und ließen sie von afrikanischen Frauen nähen) erschienen die Sängerinnen zum Termin mit der Redaktion.

„Die gleichen Röcke haben wir für 16 afrikanische Chorfrauen vor Ort anfertigen lassen“, bemerkt die Chorleiterin. „Bei einem gemeinsamen Gottesdienst wurde es eine tolle Überraschung für die afrikanischen Frauen, dass wir die gleichen Röcke wie sie trugen“.

„Schön war es, dass wir in Lomé, Hiheatro und Kpalime verschiedene Chöre getroffen und gemeinsam mit ihnen gesungen haben; das war einfach überwältigend“, schwärmt Maike Klein. „Die Krönung war ein gemeinsames Konzert mit fünf weiteren Chören in Kpalime.“ Dass die Gäste aus Deutschland mit ihnen in ihrer Landessprache „Ewe“ sangen, beeindruckte die Gastgeber.

„Kekeli“ veranstaltet seit 2006 Benefizkonzerte für Hilfsprojekte in Togo, dem Heimatort von Yawa Schwingel. Dank ihrer Verbindungen zu den Menschen in Hiheatro kommen die Spendengelder eins zu eins dort an, versichern die Chormitglieder mit.

Während in den vergangenen Jahren Gelder für ein Frischwasserprojekt und den Bau einer Krankenstation in Hiheatro gesammelt wurden, konzentriert sich der Chor inzwischen auf Bildungsprojekte. 90 Schulbänke, Unterrichtsmaterial und Schulgeld für bedürftige Familien konnten die Sängerinnen auf diese Weise finanzieren. Musikinstrumente und Notenständer erhielt außerdem die Gemeinde in Kará.

Die Schulbänke bauten örtliche Tischler und 135 Schuluniformen ließen die Spender von den Afrikanerinnen nähen. Bücher, Rucksäcke und Schulgeld konnten durch Konzerteinnahmen finanziert werden. Seit diesem Jahr werden jährlich zehn Schulkinder, jeweils für vier Jahre gefördert, damit sie ihren Realschulabschluss machen können.

Stolz ist Kekeli auf das Kindergartenprojekt für 65 kleine Kinder, das 2016 entstanden ist: ein Kindergarten mit zwei Erzieherinnen. Große Dankbarkeit bekundeten die Mütter den Spendern aus dem Landkreis Osterholz. „Die Betreuungsstätte sei eine große Erleichterung für die Frauen“, bemerkt Inge Eicke. „Die Kinder müssten sonst mit aufs Feld oder zur Arbeit an anderen Orten“, fügt Klein hinzu.

Begeistert von den Speisen

Vor sechs Jahren reiste Kekeli zum ersten Mal nach Togo. Inzwischen hat sich viel verändert, haben die Frauen erfahren. Die Infrastruktur sei noch sehr schwach, das Straßennetz wenig ausgebaut und die Stromversorgung noch nicht überall angekommen. Stromausfälle seien an der Tagesordnung gewesen. Gekocht wird auf einer einzelnen Feuerstelle im Freien. Aber: „Das Essen war superlecker“, schwärmen die Frauen. Sie loben die aromatischen Früchte und Gemüsearten.

„Wir sahen, wie einfach und schlicht die Afrikaner leben, wie wenig sie zum Leben haben und trotzdem große Lebensfreude ausstrahlen“, sagt Christa Siemers. Manches habe sie erschüttert und demütig gemacht, angesichts des Überflusses in West-Europa. Die Chorsängerinnen hatten den Eindruck, dass die Afrikanerinnen durch das Singen und Tanzen zufrieden und glücklich seien. „Es bewegt sich was in Togo“, sagt Yawa Schwingel. „Ich bin zu Tränen gerührt, wenn ich sehe, was der Chor für mein Land alles tut.“

Chorleiterin Maike Klein (Telefon 0421/ 63 95 447) würde sich freuen, wenn weitere Frauen zum Chor dazu stießen. Jeweils mittwochs um 20.00 Uhr trifft sich der Chor „Kekeli“ im Gemeindehaus der Emmaus-Kirchengemeinde, Willehadus-Weg 15 in Pennigbüttel.

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