Unterrichtsversorgung an Achimer Schulen

"Wir sind sehr gut bedient worden"

Achim. Die Unterrichtsversorgung läge landesweit bei etwas mehr als 100 Prozent, alle frei gewordenen Lehrerstellen seien neu besetzt worden, kurzum: 'Niedersachsens Schulen sind gut auf die Herausforderungen des neuen Schuljahres vorbereitet', verkündet Bernd Althusmann.
12.08.2010, 16:51
Lesedauer: 3 Min
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Von Ralf Michel
"Wir sind sehr gut bedient worden"

Petra Lichtenberg, Vorsitzende des Personalrats Schulen, beklagt die zunehmende Belastung der Lehrer durch größere Kurse

Frank Thomas Koch

Achim. Die Unterrichtsversorgung läge landesweit bei etwas mehr als 100 Prozent, alle frei gewordenen Lehrerstellen seien neu besetzt worden, kurzum: 'Niedersachsens Schulen sind gut auf die Herausforderungen des neuen Schuljahres vorbereitet', verkündet Bernd Althusmann. Eine Umfrage an Achims Schulen bestätigt die Aussagen des niedersächsischen Kultusministers. Fast alle Schulleiterinnen und Schulleiter in Achim starten zufrieden ins neue Schuljahr. Manche sogar fast euphorisch.

'Perfekt, wir sind voll versorgt', freut sich Ralph Gronki über den Personalstand im Gymnasium am Markt. In einer Blitzaktion habe es zum Schuljahresbeginn sogar noch eine Versetzung aus Verden gegeben, womit die letzten vier Stunden abgesichert wurden, die man sonst hätte überbrücken müssen. 'Ich kann es nicht anders sagen: Wir sind richtig glücklich.'

Alles in allem zufrieden ist auch Stefan Krolle, Leiter des Cato-Bontjes-van-Beek-Gymnasiums. 'Das Entscheidende ist, dass wir die ausgeschriebenen Stellen besetzen konnten.' Schwierigkeiten bereite mangels Lehrern allein noch das Fach Religion. Aus dem Doppeljahrgang der Oberstufe wiederhole eine große Zahl von Schülern das Jahr oder habe auf eine andere Schule gewechselt, dadurch mussten einige Kurse zusammengelegt werden, nennt Krolle ein weiteres organisatorisches Problem, um dann auf den dicksten Wermutstropfen zu sprechen zu kommen: 'Die Klassengröße bleibt schwierig.' Fünf 5. Klassen wurden am Cato eingeschult. 'Zwei davon mit 34 Schülern!'

Durchweg zufrieden mit der Unterrichtsversorgung zeigen sich die Leiter/innen der Achimer Grundschulen. 'Wir sind gut versorgt', berichtet Anke Reinhold aus Bierden. 'Wir haben noch eine Lehrerin dazu bekommen, weil wir eine neue Klasse haben. Wir sind jetzt zweizügig.' Außerdem seien alle zuletzt abgeordneten Lehrkräfte wieder an Bord.

Eine Lehrkraft verloren, eine neue hinzubekommen, die 100 Prozent erreicht - 'wir sind zufrieden', vermeldet auch Ulrich Hennies von der Grundschule am Paulsberg. 'Wir sind zu 100 Prozent versorgt, man hat uns sehr gut behandelt', sagt Agnes Gerken-Lüllmann, Leiterin der Grundschule Baden. 'Wenn es so bleibt, sind wir zufrieden.' Gleiches gelte für die Grundschule in Uesen, deren kommissarische Leiterin ebenfalls Agnes Gerken-Lüllmann ist. 'Hier hatten wir sogar einige Stunden zu viel und mussten abordnen.'

Auch Katharina Matthes ist kommissarische Schulleiterin - an der Astrid-Lindgren-Grundschule. Und genau dies ist der negative Punkt in ihrer Bilanz zum Schuljahresbeginn. Denn sie leitet die Grundschule bereits seit gut eineinhalb Jahren kommissarisch. 'Dass die Leiterstelle nach so langer Zeit immer noch unbesetzt ist, ist sehr unbefriedigend.'

Ansonsten sei der Personalstand an ihrer Schule in Ordnung. 'Bei uns wurde die Vorgabe eingelöst. Wir liegen ziemlich genau bei 100 Prozent.' Womit der Pflichtunterricht abgedeckt ist. Hinzu kamen an der Astrid-Lindgren-Grundschule seit Schuljahresbeginn 15 weitere Lehrerstunden für den Ganztagsbereich, was exakt dem von Hannover vorgegebenem Verteilungsschlüssel entspricht.

'Wir sind sehr gut bedient worden, wir können uns nicht beklagen', zieht auch Bärbel Haverkamp (Grundschule Uphusen) ein positives Fazit. 'Wir haben das Personal, dass wir brauchen.' Besonders dankbar sei man darüber, dass man mit Blick auf den erwarteten Zuwachs bereits eine dritte 1. Klasse aufmachen durfte.

'Klassengröße bleibt schwierig'

Eben dieses Thema bereitet an der Hauptschule Bauchschmerzen. Leiterin Susanne Nakip durfte im 5. Jahrgang nicht teilen, sondern musste mit nur einer fünften Klasse an den Start gehen. In der sitzen 23 Schüler - sehr viel für eine Hauptschulklasse.

Dabei sei zum Ende des Schuljahres oder sogar schon zum Halbjahreswechsel mit weiteren Schülern zu rechnen, die es trotz Hauptschulempfehlung zunächst an der Realschule versuchen würden. Aktuelle Zahlen bekräftigen diese Erwartung: 'Zu diesem Schuljahr haben wir über 40 Schüler von der Realschule bekommen, so dass wir im 7. und 8. Jahrgang neue Klassen aufmachen mussten.'

Statistisch gesehen habe man die 100-prozentige Unterrichtsversorgung auch an der Hauptschule erreicht. 'Gefühlt aber nicht', betont Susanne Nakip. Ausfälle müssten aus Bordmitteln abgedeckt werden, zum Beispiel über Förderstunden. '100 Prozent klingt gut, aber da ist dann doch nichts über.'

'Alles ein bisschen mühsam'

Im Moment noch unter 100 Prozent liegt bei der Unterrichtsversorgung die Realschule. Eine weitere Lehrkraft soll noch hinzukommen. 'Wir hoffen spätestens nach den Herbstferien', berichtet Schulleiterin Christa Watermann, die zu Schuljahresbeginn mit den üblichen Unwägbarkeiten kämpft: Wie viele Schüler beschert der freie Elternwillen der Schule tatsächlich? Kommt die Kollegin wie geplant aus dem Mutterschaftsurlaub zurück? Gibt es noch Lehrerabordnungen? 'Alles ein bisschen mühsam', urteilt Watermann und setzt auf die Zeit nach den Herbstferien. 'Dann müssten wir dichte dran sein an den 100 Prozent.'

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