Schutz für Kirchweyhes Zentrum Wohnen verdrängt Handel

Wohnungen sind derzeit gefragt, Geschäftsräume hingegen weniger. Die Gemeinde möchte aber verhindern, dass im Zentrum von Kirchweyhe die Versorgungsfunktion verloren geht – mit formellen Instrumenten.
11.09.2018, 18:06
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Wohnen verdrängt Handel
Von Sebastian Kelm

Weyhe-Kirchweyhe. Die Ausgangslage lässt sich leicht zusammenfassen: Investoren bekommen derzeit in Weyhe gar nicht so viele Wohnungen gebaut, wie sie loswerden könnten, Mieter für Einzelhandelsflächen zu finden, ist da wiederum schon schwieriger. Klar, auf was die Vorhabenträger dann setzen. Diese Entwicklung will die Gemeinde Weyhe nun aber stoppen – zumindest im Herzen Kirchweyhes. „Die Zentrumsfunktion dort wird ausgehöhlt“, beschreibt Steffen Nadrowski, Leiter des Fachbereichs Gemeindeentwicklung und Umwelt, das gegenwärtige Problem.

Um die verschiedenen Nutzungen besser steuern zu können, wird die Verwaltung der Politik in Kürze eine Änderung des Bebauungsplans „Bahnhofstraße“ vorschlagen. Der Geltungsbereich liegt südlich des Namen gebenden Verkehrswegs sowie westlich der Lahauser Straße und nördlich der Hauptstraße (L 335). Kompliziert wird die Situation durch die Ausweisung als Mischgebiet. Die ermöglicht laut Nadrowski eine „Gemengelage“, bei der eine Einflussnahme, was wohin kommt, kaum gegeben ist. „Eine solche Festsetzung würden wir heute so nicht mehr treffen“, bemängelt er die fehlende Klarheit in besagten Mischgebieten. Es seien vom Gesetzgeber neue Instrumente wie die Kategorie „Urbanes Gebiet“ geschaffen worden, die hier für mehr Trennschärfe sorgen könnten, was wo erlaubt ist und was nicht.

Ein Ansatz der überarbeiteten Planung für den Kirchweyher Ortskern ist, den Fortbestand der Nahversorger entlang der Lahauser Straße zu sichern. Aldi und Rewe seien in der Vergangenheit schon öfter mit dem Wunsch nach Erweiterungen, wie sie sonst nur in Kern- oder Sondergebieten zulässig wären, an die Gemeinde herangetreten, so Nadrowski. Die formellen Voraussetzungen dafür könnten nun geschaffen werden, damit die Einzelhandelsbetriebe Planungssicherheit haben.

Vornehmlich geht es aber darum, zu verhindern, dass Wohnen durch die derzeit enorme Nachfrage dafür den örtlichen Handel verdrängt. „Wir brauchen natürlich Wohnungen im Zentrum“, betont Nadrowski, der andererseits klarstellt: „Aber wir brauchen eben auch die Geschäfte im Erdgeschoss. Es geht uns um ein verträgliches Miteinander.“ Vor der Herausforderung, dieses zu fördern, stehe die Gemeinde auch in Leeste, gegenwärtig aber insbesondere in Kirchweyhe. Der zentrale Versorgungsbereich dort dürfe nicht weiter geschwächt werden. Ein neu gefasster Bebauungsplan könne die formellen Grundlagen schaffen, um „bei Bedarf“ die Zurückstellung von Baugesuchen oder den Beschluss einer Veränderungssperre veranlassen zu können.

Nicht mehr gewünscht ist überdies eine allzu enge Nachbarschaft von reinen Wohnkomplexen mit Gewerbe, führt der zuständige Fachbereichsleiter weiter aus. Ein Beispiel wäre das, was demnächst anstelle des leer stehenden Postverteilerzentrums in Kirchweyhe entstehen soll. Das Unternehmen Baucom will dort nach dem Abriss ab Anfang 2019 das „Wohndomizil Am Marktplatz“ mit 15 Einheiten errichten. Und das direkt neben dem Baumarkt und Baustoffhandel Koch. Die Nähe wird manchem bedenklich erscheinen – zumal das Firmengelände praktisch rund um die Uhr beleuchtet ist, der Lieferverkehr oft schon früh morgens beginnt.

Anke Niemann von Baucom rechnet dennoch nicht mit Beschwerden der künftigen Bewohner: „Jeder, der da einzieht, guckt sich das ja vorher an. Und wir kommunizieren das ganz offen.“ Die zentrale Lage habe eben manchmal nicht nur Vorteile, das müsse allen klar sein. Man werde überdies selbstverständlich für entsprechenden Schallschutz sorgen. Ärger mit den Nachbarn vom Baumarkt Koch erwarte sie auch nicht: „Seit Beginn der Planungen stimmen wir uns mit denen ab.“

Dennoch: Dieses Vorhaben könnte das letzte seiner Art werden im Zentrum Kirchweyhes. Zumindest dann, wenn Schluss ist mit Mischgebiet.

Die erste Änderung des Bebauungsplans „Bahnhofstraße“ steht auf der Tagesordnung der öffentlichen Sitzung des Weyher Ausschusses für Bau, Planung und Umwelt am kommenden Dienstag, 18. September, ab 18.30 Uhr im Weyher Rathaus. Weitere Themen sind die wohnungspolitische Gesamtstrategie der Gemeinde Weyhe, der Bebauungsplan „Südlich Henry-Wetjen-Platz“ sowie die Vorstellung eines Modernisierungskonzeptes für den Betrieb der Straßenbeleuchtung.

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