Wanderer aus Weyhe-Ahausen Wolfgang Pankalla hat es bis Budapest geschafft

Weyhe. Nur knapp 70 Wanderer haben bisher den Internationalen Bergwanderweg der Freundschaft Eisenach - Budapest hinter sich gebracht. Kein Wunder, schließlich ist er 2678 Kilometer lang. Wolfgang Pankalla aus Weyhe-Ahausen hat es geschafft.
19.02.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Wolfgang Pankalla hat es bis Budapest geschafft
Von Justus Randt

Weyhe. Rot ist das Logo. Auf weißem Grund, unter der gezackten Linie einer stilisierten Gipfelkette stehen die Buchstaben E und B: Der Internationale Bergwanderweg der Freundschaft von Eisenach - Budapest ist 1983 eröffnet worden. Bis heute, heißt es, gebe es nur knapp 70 Wanderer, die den Weg auf kompletter Länge von 2678 Kilometern hinter sich gebracht haben. Einer von ihnen ist Wolfgang Pankalla aus Weyhe-Ahausen.

Der Internationale Bergwanderweg der Freundschaft führt von der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (DDR) durch Tschechien, Polen und die Slowakei nach Ungarn - oder umgekehrt. Die fünf ehedem sozialistischen Bruderländer boten Wanderern und Radtouristen die Möglichkeit, ganz schön weit herumzukommen in den Ferien: Allein der deutsche Abschnitt des einzigen internationalen Fernwanderwegs, den es damals hinter dem sogenannten eisernen Vorhang gab, ist mehr als 700 Kilometer lang: vom Rennsteig im Thüringer Wald durch das Vogtland, das Erzgebirge und die Sächsische Schweiz gen Osten.

Insgesamt führen verschlungene Pfade auf 2678 Kilometern von Eisenach bis Budapest. Bis heute, behaupten diejenigen, die den Weg von E bis B gegangen sind, ihr Kreis zähle kaum 70 Bezwinger, wie sie sich nennen. Überwiegend gehören Wanderer aus den neuen Bundesländern zu dem Zirkel, aber auch ein Nordrhein-Westfale und zwei Niedersachsen. Einer der beiden ist Wolfgang Pankalla aus Weyhe-Ahausen, der seit 1954 Mitglied der Naturfreunde ist, deren Sektion Hachetal aus der Taufe hob und inzwischen mit der goldenen Vereinsnadel ausgezeichnet wurde.

Das lag nicht nur daran, dass sich Pankalla als braver Wanderreferent der Naturfreunde, beim Nistkastenbau und in der Arbeitsgemeinschaft Wanderstorch einen Namen ("Panki") gemacht hat. Der von ihm initiierte Norddeutsche Wettbewerb für Bartträger ist eines der Beispiele für seinen Einfallsreichtum. Ein anderes, später, in den 90er-Jahren, war die erste deutsche Meisterschaft der Outdoor-Köche.

Der Wettbewerb wurde damals am einflammigen Campingkocher ausgetragen - unter den Wildnisbedingungen des Sudweyher Ellernbruchs. Bevor die Kandidaten daran gingen, Beeren zu waschen und Pilze zu putzen, hatten sie zur Einstimmung den halben Tag gepaddelt, waren 60 Kilometer auf dem Rad unterwegs gewesen oder hatten 20 Kilometer zu Fuß zurückgelegt - mit einem halben Zentner Gepäck auf dem Rücken.

15 Kilo abgenommen

Das schwere Gepäck wurde mehr und mehr zum Problem für Pankalla auf seinen Wander- und Radtouren: Der Vollbartträger war ein durchaus rundlicher Typ, bis die Knie nicht mehr recht mitspielten und er sich 15 Kilogramm im Fitnessstudio herunterstrampelte. "Wenn die Uhr abläuft, dass ich noch einen dicken Rucksack samt Proviant und Zelt tragen kann, warte ich nicht noch drei, vier Jahre, bis bis ich losgehe, sondern mache das gleich", erzählt er. "Außerdem fallen die Fahrtkosten dann auch nur einmal an." Gute Gründe also, die gesamte Strecke Eisenach-Bremen ohne Unterbrechung zu gehen. Das war vor sechs Jahren. "Das ging natürlich nur, weil ich schon Rentner war", sagt er, "ich habe knapp drei Monate dafür gebraucht."

Seitdem gehört Wolfgang Pankalla, der fast 73 ist, zum Club der selbsternannten Bezwinger des EB, die einmal im Jahr zusammen feiern. Der Ahauser ist einer der Wenigen, die eine E-Mail-Adresse (pankipankalla@web.de) haben, und nur wenige sind jünger als er. Bis vor Kurzem gab es noch mehr Unterschiede: "Viele von denen trugen weiß-rote Wollmützen mit dem EB-Logo bei den Treffen. So eine wollte ich auch", sagt Pankalla. "Aber ich kriegte sie nicht. Die bekommt nur, wer einmal das Jahrestreffen ausrichtet, wurde mir erklärt." Die wollenen Ehrenzeichen sind handgestrickt von Helga Engemann aus dem sächsischen Ziegra-Knobelsdorf

Sein Entschluss, die Feier für die EB-Wanderer zu organisieren, habe sofort festgestanden - allein: die Warteliste war lang. Außerdem stellte sich heraus, dass die Treffen stets am internationalen Weg der Freundschaft verabredet werden. Pech für den Nordwestdeutschen, der bereits beschlossen hatte, alle zum Grünkohlessen nach Ahausen einzuladen. "Wenn ihr nicht kommt, bringe ich Kohl und Pinkel eben zu euch", sagte Pankalla.

Diesen Winter war es soweit, in Gehlberg im Thüringer Wald, 60 Kilometer von Erfurt entfernt, wurde getafelt. "Der Wirt kommt aus dem Westen und kennt zum Glück Grünkohlessen", sagt Pankalla. "Der hat sich Pinkel schicken lassen. Ich hab halb Thüringen damit rebellisch gemacht." Das Fernsehen kam, und am Ende stand in der Lokalzeitung, es habe gekochten Grünkohl mit Kartoffeln und eine "Wurstplatte" gegeben. Macht nichts, als Kulturbotschafter nahm Pankalla das gelassen. Hauptsache, die rot-weißen EB-Bezwinger haben dank Panki Pankalla Kohl und Pinkel kennengelernt. Und das Presseecho auf seine Aktionen zu archivieren, ist ohnehin etwas für "später, wenn ich alt bin".

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+