Niedersachsen Geheimsache Wolf

Nach dem Abschuss eines sogenannten Problemwolfes bei Herzlake gibt es Kritik an der rechtlichen Grundlage.
14.02.2021, 22:12
Lesedauer: 2 Min
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Von Reimar Paul

Hannover. In Niedersachsen ist erstmals mit offizieller Genehmigung ein Wolf getötet worden, weil er Nutztiere gerissen haben soll. Jäger erschossen die Fähe aus dem Rudel Herzlake im Westen Niedersachsens nach Angaben des Landesumweltministeriums in der Nacht zu Donnerstag. Wo und durch wen der Abschuss erfolgte, wurde nicht mitgeteilt.

Dem Ministerium zufolge wurden im Territorium des Rudels seit Ende 2018 rund 500 Schafe von Wölfen getötet. Dabei hätten Wölfe des Rudels mehrfach „zumutbaren Herdenschutz“ überwunden, etwa 1,20 Meter hohe Zäune. Durch die Angriffe sei allein einem Schäfer ein Schaden von etwa 50.000 Euro entstanden. Der Freundeskreis freilebender Wölfe spricht nur von 200 Schafen.

Niedersachsen hatte vor einem Jahr eine Ausnahmegenehmigung zur Tötung der Fähe erteilt, die Genehmigung war bis zum 15. April befristet und galt für genau definierte Gebiete in drei Landkreisen. Eine weitere Abschussgenehmigung für einen Rüden desselben Rudels wurde im September ausgesprochen.

Ob diese beiden Wölfe selbst Schafe gerissen haben, ließ das Ministerium offen. Da die Identifizierung eines Wolfs im Gelände nicht zweifelsfrei möglich sei, könne sie nur „über den räumlich-zeitlichen Zusammenhang in Anknüpfung an die Schadensereignisse“ erfolgen, hieß es. Die Tötung der Fähe sei von der geltenden Rechtslage nach dem Bundesnaturschutzgesetz „gedeckt“. In Niedersachsen sind noch weitere Wölfe zum Abschuss freigegeben. Wie viele genau, erklärt die Landesregierung aus Sorge vor Aktionen von Tierschützern zur Geheimsache.

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Der Grünen-Landtagsabgeordnete Christian Meyer bemängelt, eben wegen der „Geheimniskrämerei“ des Umweltministeriums habe nicht vorher gerichtlich überprüft werden können, ob die strengen Voraussetzungen für die Tötung der vermeintlichen Problemwölfin tatsächlich vorlagen. Es sei daher unklar, ob der oder die Schützen legal gehandelt hätten. Umweltminister Olaf Lies (SPD) bringe die möglichen Schützen in rechtliche Schwierigkeiten.

Die Umweltverbände WWF und Nabu kritisieren, derzeit wisse niemand, wie viele und welche Wölfe auf „geheimen Abschusslisten“ der Landesregierung stünden. Informationen über sogenannte „Ausnahmegenehmigungen vom strengen Schutz“ würden nur unvollständig herausgegeben, Auskunft über die betroffenen Landkreise und Wolfsindividuen werde verweigert.

Der WWF kündigte eine juristische Prüfung an, inwieweit das Land Niedersachsen zu mehr Transparenz gezwungen werden könne. Der Abschuss der Fähe ist die zweite legale Tötung eines Wolfes in Niedersachsen. Ein von seinen Fans „Kurti“ genannter Jungwolf war im April 2016 getötet worden, nachdem er sich mehrmals Menschen genähert hatte. Gleichzeitig markiert der jetzt erfolgte Abschuss einen Höhepunkt im Streit um die niedersächsische Wolfspolitik. In dem Bundesland leben nach Angaben der Jägerschaft bereits 35 Rudel und zwei Wolfspaare in freier Wildbahn. Erhöht hat sich auch die Anzahl der Wölfen zugeschriebenen Risse von Nutztieren: Von 85 im Monitoring-Jahr 2016/17 stieg die Zahl auf 242 im Zähljahr 2019/20.

Weidetierhalter und Bauernverbände fordern vor diesem Hintergrund schon länger mehr Abschüsse und eine „Obergrenze“ für Wölfe. Naturschützer sehen hingegen den optimalen Erhaltungszustand der Wolfspopulation für Niedersachsen noch längst nicht erreicht.

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