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Bremer Tatort: Abschied von Lürsen und Stedefreund

Kim Torster 20.04.2019 0 Kommentare

Manchmal trinken Oliver Mommsen und Sabine Postel am Cateringwagen einen Kaffee.
Das Ermittler-Duo macht Pause: Oliver Mommsen und Sabine Postel trinken am Cateringwagen einen Kaffee. (Shirin Abedi)

Sabine Postel traut dem Fahrstuhl nicht. Schon das ein oder andere Mal habe er sich als unzuverlässig erwiesen, sagt die Schauspielerin. Gesteuert wird er deshalb von einem Crew-Mitglied, das den Fahrstuhl von außen bedient. Ein Funkgerät verbindet die Fahrstuhlfahrenden mit ihm. Mit blecherner Stimme verkündet er: „Los geht’s!“, summt eine Fahrstuhlmusik oder ahmt eine Radiowerbung für ein fiktives Produkt nach. Postel schmunzelt. Die Fahrt in den vierzehnten Stock dauert Minuten.

Oft wird Sabine Postel diesen Fahrstuhl nicht mehr betreten. Der Tatort-Dreh für die Bremer Ausgabe „Wo ist nur mein Schatz geblieben“ ist in den letzten Szenen. Dann ist die Zeit für gleich beide Bremer Kommissare vorbei: Inga Lürsen (Sabine Postel) und Nils Stedefreund (Oliver Mommsen) hören auf.

Ja, die Stimmung sei dieses Mal etwas anders als sonst, sagt Annette Strelow. Sie ist die Redakteurin der Bremer Tatorte. „Alle sind ein bisschen sentimental.“ Auch das Wetter scheint sich dem zu fügen. Es ist kalt an diesem 24. Oktober 2018. Die meiste Zeit regnet es. Wohnwagen und einige Vans parken vor dem ehemaligen Bundeswehr-Hochhaus in der Falkenstraße. Das Hochhaus dient dem Bremer Tatort-Team schon seit einigen Jahren als Drehort. Auch dann noch, als dort zwischenzeitlich einige Flüchtlinge untergebracht wurden, sagt Strelow.

Viele hier am Set sind schon lange dabei. Man kennt sich, duzt sich. Als Oliver Mommsen etwas früher an diesem Tag, gegen 10.30 Uhr, am Set eintrifft, schwingt er sich vom Klapprad, reicht neuen Leuten die Hand und sagt: „Hi, ich bin Olli!“ Das Klapprad habe er immer dabei, sagt Strelow.

Fotostrecke: Alle Bremer Tatort-Folgen im Überblick

Ein mobiles Catering kümmert sich um die Verpflegung der Crew

Auch das Mittagessen findet gemeinsam statt. Zwei Freunde, die sich mit einem mobilen Catering-Unternehmen selbstständig gemacht haben, kümmern sich um die Verpflegung der Crew: Frühstück, Mittag, Abendessen, Kaffee. In ihrem Foodtruck bereiten sie gerade die nächste Mahlzeit vor. Zum Mittag gibt es Falafel, frittierte Bällchen aus Kichererbsen.

Im vierzehnten Stock des Hochhauses ist das Revier der Ermittler aufgebaut. Hier wuseln Menschen und Kameras durcheinander. Ein paar unechte Polizisten sitzen an ihren inszenierten Schreibtischen. An einer Garderobe hängen eine Polizeimütze und ein Werderschal. Im Nebenzimmer nehmen Sabine Postel und Oliver Mommsen an einem großen Konferenztisch Platz. Die Gardinen sind zugezogen, ein Beamer zeigt das Bild einer Toten.

In ihrem letzten Tatort müssen die Ermittler den Mord an einer jungen Frau aufklären. Dabei wird auch das Verhältnis von Stedefreund und Lürsen auf die Probe gestellt: Stedefreund scheint Informationen vorzuenthalten. Lürsen weiß nicht, ob sie ihm noch vertrauen kann.

Im Wohnwagen können sich die Schauspieler zurückziehen – so wie hier Oliver Mommsen.
Im Wohnwagen können sich die Schauspieler zurückziehen – so wie hier Oliver Mommsen. (Shirin Abedi)

Wechselnde Positionen, bis die Einstellungen sitzen

Gleich wird aber erst einmal die Szene einer Besprechung gedreht. Mommsen, alias Kommissar Stedefreund wird über die Tote, Tat und Täter berichten. Regisseur und Kameramann fahren dabei auf einem kleinen Wagen um ihn herum. Dann wird die Szene noch ein paar Mal wiederholt. Mommsen wechselt wiederholt die Position, solange, bis die Einstellungen sitzen. Erst dann wird aufgenommen. Bei ihrem letzten Tatort kommen Sabine Postel mit 21 Jahren und Oliver Mommsen mit 17 Jahren zusammen auf 38 Dienstjahre. Sie gehören damit zu den Tatort-Ermittlern mit der längsten Bildschirmpräsenz. Dass diese Ära nun endet, war die Entscheidung von Postel und Mommsen selbst.

Das Gefühl sei gut, sagt Postel. „Wir haben beschlossen, jeden Tag zu genießen und uns nicht zu streiten.“ Was sie vermissen werde? „Olli“, antwortet Postel und schaut lächelnd zu ihrem Ermittlerpartner hinüber. Sowohl mit Bremen als auch mit Radio Bremen, ihrem Heimatsender, wie sie sagt, sei sie über die Jahre stark verwickelt. Die Episode „Brüder“ aus dem Jahr 2014, in dem ein schwerkrimineller arabischer Clan im Fokus steht, ist ihrer Meinung nach der spannendste Fall, in dem sie ermittelt hat.

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An diesem Tag sind Postel und Mommsen gemeinsam in der Maske: In einem umgebauten Wohnwagen sitzen sie nebeneinander. Draußen ist es nass und kalt, hier ist es warm und hell. Postel schaut in den Spiegel während ihr die Maskenbildnerin noch etwas Puder aufträgt. Oliver Mommsen wirft noch einmal einen Blick in den Text. Seine Maskenbildnerin greift ihm beherzt in die Haare. Ja, diese Crew werden sie vermissen, da sind sich Postel und Mommsen einig.


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Leserkommentare
Majajanosch am 23.10.2019 17:07
Geschenke? Da sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Beiträge teilen kommen beispielsweise bei mir knapp 500€ runter vom Bruttoverdienst. Im jetzigen ...
suziwolf am 23.10.2019 17:03
Womit Sie den Punkt getroffen haben
@Kretschmar 🎯 ...

Nur, der ,schwarz arbeitende‘ 🎅🏿
(🙊🙈🙉)
hätte nichts davon.
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