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Worpsweder 800-Jahr-Feier
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Selbst die Mülltonnen tragen Jute

Lars Fischer 20.07.2018 0 Kommentare

Eine Idee, die aus Deventer stammt: Wenn dort alljährlich der ganze Ort für ein Historienspiel verkleidet wird, tragen auch die Mülltonnen ein Kleid aus Jute.
Eine Idee, die aus Deventer stammt: Wenn dort alljährlich der ganze Ort für ein Historienspiel verkleidet wird, tragen auch die Mülltonnen ein Kleid aus Jute. (Lars Fischer)

Worpswede. Langsam zieht das Mittelalter ein. Worpswedes Ortskern macht sich bereit für eine Zeitreise und selbst die Verkehrsschilder tragen Jutesack. Die Mülltonnen sowieso. Aber sonst deutet am Vortag vor allem das geschäftige Treiben entlang der Bauernreihe und am Straßentor darauf hin, das hier an diesem Sonnabend und Sonntag die 800-Jahr-Feier Worpswedes steigen soll.

Selbst die "Living History"-Darsteller, die bei ihren Präsentationen auf historische Detailtreue Wert legen, reisen nicht etwa mit Esel und Karren an, sondern ganz profan mit Auto und Anhänger. So wie Stefanie Schuch, Tomke Stolle und Frank Pfetzing aus Asendorf bei Bruchhausen-Vilsen. Sie sind an diesem Wochenende die Wirte in der Taverne Sündenpfuhl. Bevor es aber um die Frage geht, was außer Met ein historisch angemessenes Kaltgetränk an diesen heißen Tagen sein könnte, sind profanere Fragen zu klären. "Welcher Pfosten muss wohin?", will Schuch wissen, denn zunächst einmal gilt es, den Holzstand, der dann zum Sündenpfuhl werden soll, vor dem Rathaus aufzustellen. "Der ist schon ein bisschen gammelig, der kommt nach hinten", entscheidet Pfetzing. Er ist der Chef der Truppe und eigentlich Eventmanager. Wenn er hinter dem Tresen steht, heißt er „Turmalon“. Seit 30 Jahren sei er auf Mittelaltermärkten unterwegs, erzählt er und muss selber kurz nachrechnen und schlucken. "Tatsächlich, 30 Jahre! Fast auch schon historisch", findet er.

Sehr viel gegenwärtigere Fragestellungen hat Klaudia Krohn derweil zu bewältigen. Eigentlich ist der Ortskern seit Freitagmorgen für den Durchgangsverkehr gesperrt, aber das hat sich noch nicht überall herumgesprochen. Mancher möchte trotz der Absperrungen und verhüllter Verkehrszeichen noch schnell durch, andere sind weitere Aussteller und Akteure auf der Suche nach ihrem Stellplatz. Die Worpsweder Kulturbeauftragte ist so etwas wie die Marktmeisterin, bei ihr laufen alle organisatorischen Fäden für dieses Event zusammen. Wie groß das tatsächlich wird, kann sie nicht einschätzen. Die Wetteraussichten sind prächtig, das mediale Interesse ist enorm. Gut möglich, dass Worpswede an diesem Wochenende aus allen Nähten platzt.

Auf einen größeren Ansturm habe man sich aber eingestellt, versichert Krohn. Und auch wenn es möglichst historisch korrekt zugehen soll, auf einen antiken Donnerbalken wird keiner der Besucher müssen. Es gibt Klowagen wie bei jedem Volksfest auch, und dass der Betreiber daneben Bierstände aufstellt, an denen auch so neumodische Getränke wie koffeinhaltige Limonade zu haben sein werden, gehört eben auch dazu.

Michael Tegge nimmt in der Zwischenzeit schon mal die Bötjersche Scheune in Augenschein. Hier stehen ein paar antike Arbeitsgeräte herum, ansonsten sieht es noch aus wie immer. Der große Innenraum ist frei und das soll er auch bleiben, findet Tegge. Wenn hier an diesem Sonnabend ab 18 Uhr Schauspieler und Moderator Dirk Böhling mit Bürgermeister Stefan Schwenke, aber auch mit Paula Modersohn-Becker, Moorkommissar Jürgen Christian Findorff und einem Abt des Klosters Osterholz zu einer Talkrunde einlädt, soll reges Treiben herrschen. Anschließend geht der Abend über in ein Tavernenspiel. Beim Dorffest tritt Tegges Gruppe Wortsatia auf, die mittelalterliche Lieder, Tänze und Texte zum Besten gibt und zum Mitmachen und Tanzen einlädt.

Offiziell eröffnet wird die 800-Jahr-Feier an diesem Sonnabend, 21. Juli, um 13 Uhr im Rathaus. Das Festgelände mit zahlreichen Aktionen steht an beiden Tagen von 11 bis 18 Uhr offen, der Eintritt ist frei.


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Leserkommentare
butenbremer_in_altona am 19.10.2019 15:40
Das Schiff an Land aufpallen, sturmfest machen und aufhübschen. Dann kann Bremerhaven das Museumsstück behalten und man muss kein Geld ausgeben, um ...
admiral_brommy am 19.10.2019 14:52
Dann ist es wichtig, alle vier Jahre so zu wählen, damit sich daran nichts ändert. Da freut sich der Verwaltungsbeamte.
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