Bilderreigen zieht sich quer durch Künstlerort / Bildmotive wandern beim Projekt "en plein air" in die Landschaft Worpsweder Kunst unter freiem Himmel

Worpswede. Der Umbruch hat begonnen: Die Worpsweder Museen, die sich im Museumsverbund zusammengeschlossen haben, werden saniert und modernisiert. Die Umgestaltung der Bergstraße in eine Flaniermeile beginnt Anfang Juli. Wie kann Worpswede trotz der Einschränkungen durch Baustellen attraktiv bleiben? Die Gästeinformation und die Gemeinde haben ein von Andreas Wilhelm vom Worpsweder Grafikbüro Studio 37 konzipiertes Projekt gestartet: Reproduktionen von Originalgemälden sind, auf Bauzäune gespannt, überall im Ort und in den Hammewiesen zu sehen. Sie verweisen auf die enge Verbindung der Kunst mit dem Ort.
12.05.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Cornelia Hagenah

Worpswede. Der Umbruch hat begonnen: Die Worpsweder Museen, die sich im Museumsverbund zusammengeschlossen haben, werden saniert und modernisiert. Die Umgestaltung der Bergstraße in eine Flaniermeile beginnt Anfang Juli. Wie kann Worpswede trotz der Einschränkungen durch Baustellen attraktiv bleiben? Die Gästeinformation und die Gemeinde haben ein von Andreas Wilhelm vom Worpsweder Grafikbüro Studio 37 konzipiertes Projekt gestartet: Reproduktionen von Originalgemälden sind, auf Bauzäune gespannt, überall im Ort und in den Hammewiesen zu sehen. Sie verweisen auf die enge Verbindung der Kunst mit dem Ort.

Vor wenigen Tagen ist das neue Sommerprojekt unter dem Titel "en plein air" am Barkenhoff offiziell eröffnet worden. "Es ist europaweit eine einmalige Ausstellung", schwärmt Bürgermeister Stefan Schwenke. In Worpswede werde so auf die Veränderungen des Dorfes hingewiesen. Besucher und Einheimische sollen sehen, dass der Ort überall mit der Kunst verbunden ist. Worpswede sei eben nicht nur Baustelle, sagt Schwenke. Er selbst freut sich über ein Hühner-Motiv von Paula Modersohn-Becker, das vorm Worpsweder Rathaus steht: "Früher als Kind musste ich immer Hühnerfutter hierher bringen."

Birgit Nachtwey, in der Gästeinformation fürs Kulturmarketing zuständig, sieht das Projekt als zeitgenössische Museumspädagogik unter freiem Himmel. Die sechs Quadratmeter großen Bauzäune sind im Ort und in der Landschaft verteilt. Heinrich Vogelers berühmter "Sommerabend", der die illustre Künstlergesellschaft beim Konzert auf der Terrasse zeigt, verweist gleich neben dem Eingang zum Barkenhoff auf die Feste, die hier Anfang des 20. Jahrhunderts stattfanden. Am Haus im Schluh ist Fritz Mackensens "Gottesdienst im Freien" auf feste, wetterbeständige Lkw-Plane gedruckt. Am ehemaligen Armenhaus, wo Paula Modersohn-Becker ihre Modelle fand, sind drei Reproduktionen von Zeichnungen der Künstlerin zu sehen.

30 Stationen Kunst

Insgesamt gibt es 30 Stationen mit Bildern von Worpsweder Künstlern; der Bogen reicht vom Niedersachsenstein über die Käseglocke und den Weyerberg bis hin zur Mühle und den Hammewiesen. Die Motive sind entsprechend gewählt und haben Bezug zum Aufstellungsort. Doch nicht nur die erste Generation der Maler ist vertreten; auch die zeitgenössische Kunst hat den Weg in die Landschaft gefunden. Ausgewählt sind Werke, deren Original bereits in den Sammlungen der Museen vertreten ist. "Die Worpsweder Kunst geht gewissermaßen von drinnen nach draußen zu den Wurzeln. Sie begibt sich dorthin, wo sie den herrschenden akademischen Regeln zum Trotz entstand: en plein air - unter freiem Himmel", erläutert die Kunsthistorikerin Birgit Nachtwey.

Die Freilichtmalerei gewann Mitte des 19. Jahrhunderts unter den französischen Künstlern der Schule von Barbizon und den Impressionisten eine neue Bedeutung. Das Malen in der Natur setzte sich gegenüber dem Malen im Atelier durch. Diese Malweise war auch für die Worpsweder Landschaftsmaler Fritz Mackensen und Otto Modersohn, Fritz Overbeck und Hans am Ende eine besondere Inspirationsquelle.

Mit der Staffelei zogen die Künstler in die Natur und studierten die intensiven Farben. Die Entwicklung der transportablen Tubenfarben erleichterte ihnen das Malen en plein air, bei der das abzubildende Motiv direkt, in natürlichem Licht und natürlichem Umfeld dargestellt wird.

So verweisen die vergrößerten Motive der Worpsweder Maler auf ihre möglichen Entstehungsorte oder schaffen Bezüge zu den Orten, an denen sie zu sehen sind, wie zum Beispiel die Torfkähne bei Neu Helgoland, die heute immer noch über die Hamme fahren. Kurzinformationen über das jeweilige Bild erläutern dem Betrachter, wo sich das Original befindet; sie sollen Lust auf die Suche und Annäherung an Worpsweder Kunst machen. Parallel zum Sommerprojekt bietet die Gästeinformation an festen Terminen Sonderführungen an, die mit einem Museumsbesuch abschließen.

Wenn "en plein air" am 3. Oktober endet, geht das Projekt in die zweite Runde. Aus den Lastwagenplanen werden Taschen gefertigt. Schon jetzt können Taschenmodelle reserviert werden. Die Zahl der Taschen ist begrenzt. Andreas Wilhelm vom Worpsweder Designbüro Studio 37 schätzt die Zahl auf gut 250 individuell gestaltete Objekte, die aus den wetterfesten Planen gefertigt werden können. Er ist überzeugt davon, dass das Konzept gut ankommt. Seine Projektidee, entstanden aufgrund der Modernisierung der Ausstellungshäuser und der damit verbundenen Einschränkungen, die mit Besucherrückgängen verbunden ist, kommt bei der Gemeinde auch als kostengünstige Lösung gut an. Das Projekt kostet 10000 Euro, der Verkauf der Taschen könnte die Gemeindekasse wieder auffüllen.

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