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72-Stunden-Aktion
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72 Stunden Vollgas geben

Irene Niehaus und Petra Scheller 24.05.2019 0 Kommentare

Die Blocklander Landjugend zieht einen Graben: Moritz Kropp (vorne) buddelt, Marieke Hoehne (rechts) gibt gute Tipps.
Die Blocklander Landjugend zieht einen Graben: Moritz Kropp (vorne) buddelt, Marieke Hoehne (rechts) gibt gute Tipps. (Bernd Kramer)

Worpswede/Tarmstedt/Lilienthal/Blockland. Die Zeit läuft. 72 Stunden. 40 Leute. Strahlender Sonnenschein taucht das Niederblockland in warmes gelbes Licht. Die Stimmung ist grandios. Musik dröhnt aus dem Holzhaus der Landjugend hinter dem Dorfgemeinschaftshaus. Donnerstagabend haben die Jugendlichen hier ihre Aufgaben bekommen, die sie binnen 72 Stunden lösen müssen, erzählt die Blocklander Landjugendvorsitzende Marieke Hoehne beim Gang über die Wiesen. Unter dem Titel „Einfach ma machen“, läuft die Aktion in der ganzen Region noch bis Sonntag.

Für die Blocklander heißt das: Einen Graben vom Haus der Landjugend bis zur Festwiese hinter dem Dorfgemeinschaftshaus zu ziehen. Anschließend wird ein Starkstromkabel verlegt. „Das ist wohl die schwerste Aufgabe – das sind 210 Meter“, sagt Marieke Hoehne leise. Einen Elektriker haben sie nicht dabei. „Aber jemand fährt gleich durchs Dorf und fragt, wer da helfen kann.“ Der Strom soll bis zur Festwiese reichen. Dort findet einmal im Jahr die „Blocklander-Land-Partie“ statt, ein Dorffest, „mit mehr als 200 Oldtimer-Treckern und historischen Autos – da braucht man natürlich Strom.“ Moritz Kropp steht knietief im Graben. Rund hundert Meter haben die Jugendlichen bereits ausgehoben. Jemand hat einen kleinen Bagger besorgt. „Das geht schön schnell“, sagt Kropp zufrieden.

Rackern statt rocken

Agent Harje Kaemena hat die Latte der Aufgaben im Blockland in diesem Jahr ziemlich hoch gehängt: Wenn das Stromkabel verlegt ist, muss der Graben wieder zugeschüttet und begrünt werden. Zeitgleich muss das Landjugendhaus frisch gestrichen und ein Zaun gezogen werden, der die Festwiese von einem Wassergraben trennt. Am Ende soll eine Feuerstelle eingerichtet und die Terrasse vor dem Landjugendhaus neu gepflastert sein. Sonntag findet am Dorfgemeinschaftshaus ein Kinderfest statt. Da sollen die Jugendlichen etwas auf die Beine stellen: Vielleicht einen Trecker-Parcours?

Vollgas geben gerade auch die Mitglieder des Vereins Rock den Lukas. Normalerweise organisieren sie das große Musikfestival auf Tarmstedts Ausstellungsgelände, jetzt werkeln sie am Busbahnhof ihres Ortes. Schweißtreibende Arbeitsstunden liegen noch vor ihnen, um den Unterstand, der den großen Ortsplan beherbergt, neu zu gestalten. Das Reetdach ist runter, nun decken die Musikfreunde Dachpfannen ein. Die hölzerne Tragekonstruktion wird ebenfalls erneuert. Und für die Kulturmeile gegenüber der Grundschule soll der Verein ein Kunstwerk schaffen, berichtet Jens Deppe. Seinen Leuten schwebe ein Objekt vor, das das Lukas-Männchen, einen jungen Gitarristen, darstelle, eine vielleicht drehbare Konstruktion mit mehreren Figuren aus Holz und Metall.

An Begrüßungstafeln an den Ortseingängen ihres Dorfes arbeitet dagegen die Breddorfer Landjugend. Neben einem Willkommensgruß sollen die Schilder eventuell auch als Info-Tafel für wichtige Termine dienen können, teilt Jessica Borchers mit, die zweite Vorsitzende. Zusätzlich sollen die Landjugendlichen Insektenhotels errichten und Blühstreifen anlegen, Aufgaben, mit denen sich bis Sonntag auch die Landjugend in Hanstedt beschäftigt. Zudem legen die Hanstedter in ihrer Obstbaumwiese einen Weg an, sie gestalten eine Totholzhecke und bauen eine Sitzmöglichkeit sowie Nistkästen. Zu guter Letzt denken sie sich eine Werbekampagne zum Schutz der Wildbienen aus, berichtet Helge Gefken.

Für Blühstreifen rund um Worphausen und Info-Kästen zu den Pflanzen soll die Landjugend Worpswede-Worphausen sorgen. Das war die eigentliche Aufgabe, die Lilienthals Bürgermeister Kristian Tangermann bei der Verkündung um einen Vorschlag erweiterte: Die Landjugend könne ja noch eine Grillhütte am Dorfgemeinschaftshaus bauen und an den neuen Blühstreifen Bänke aufstellen. „Das machen wir dann auch noch“, erzählt Kassenwartin Caroline Finkel.

Nicht ohne ist auch die Aufgabe, die die Landjugend St. Jürgen zu bewältigen hat: Auf einer Wiese hinter der Kirche St. Jürgen legt sie einen naturnahen Weg an, mit Rundlauf und wohl auch Bänken. Dann soll sie noch den Stamm von Hönerts Eiche so gestalten, dass er zu einem Blickfang wird, berichtet Malte Rohdenburg. „Das alles ist gut lösbar.“ Das dachte auch die Landjugend Hepstedt, als sie hörte, was sie machen soll: auf dem Spielplatz des Kindergartens Unterstände für Fahrräder und für eine Sitzbank bauen sowie ein Spielgerät und Fußballtore. „Wir sind begeistert, für jeden gibt es etwas zu tun“, sagt Vorstandsmitglied Femke Brase.

Die 72-Stunden-Aktion gibt es seit 24 Jahren. Sie wird von der Niedersächsischen Landjugend (NLJ) initiiert. „Alle vier Jahre findet das Event statt“, erzählt Thore Carstens. Der stellvertretende Landesvorsitzende fährt an diesem Morgen von Landjugend zu Landjugend und fragt, wie es so läuft. Carstens würde am liebsten gleich mit anpacken. Er schwärmt von der Aktion: „Sie ist nachhaltig und schafft ein Gemeinschaftsgefühl!“


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Leserkommentare
theface am 18.10.2019 20:54
Das kann so nicht stimmen, sonst wären SPD und Grüne ja nicht mehr in der Landesregierung.
Opferanode am 18.10.2019 20:48
Ich hatte die gleiche Frage. Aber eine vernünftige Antwort würde mir besser gefallen, als so schulmeisterlich daherzukommen, mit der Aufforderung, ...