Wetter: wolkig, 7 bis 15 °C
Im Café Moma liest der Literatur-Stipendiat Janko Marklein aus dem Manuskript seines neuen Romans
Der Artikel wurde zur Merkliste hinzugefügt.
Die Merkliste finden Sie oben links auf der Seite.

Auseinandersetzung mit Extremen

Undine Zeidler 08.08.2016 0 Kommentare

Worpswede Janko Marklein Lesung am 11.8. im Moma
Im Café Moma liest der Literatur-Stipendiat Janko Marklein aus dem Manuskript seines neuen Romans (Hans-Henning Hasselberg)

Doch der Eindruck täuscht, zumindest bei Janko Marklein. Der Jungautor Jahrgang 1988 sagt: „Wenn das das Ziel ist, sollte man aufhören zu schreiben.“ Ihm geht es um aufrichtiges Schreiben. Ohne Eitelkeiten. Mit seinen Texten sucht er Antworten auf Fragen, die nicht nur ihn umtreiben. Sinnlich und nüchtern zugleich benutzt er Sprache in seinem Debütroman „Florian Berg ist sterblich“. Die Geschichte über das Erwachsenwerden eines Jungen aus Wulsbüttel wurde von der Kritik gelobt und bereits die ersten Texte seines neuen Romans überzeugten das Bremer Literaturkontor. Es vergab an Janko Marklein zum zweiten Mal das Autorenstipendium für Bremer Autoren in den Künstlerhäusern Worpswede. In diesem Rahmen wird er am Donnerstag, 11. August, im Café Moma lesen.

Janko Marklein schickt seine Protagonisten am liebsten an Orte, an denen er gelebt oder die er bereist hat. „Weil ich mir dann mehr zutraue, darüber zu schreiben“, sagt er und weil er dann weiß, wie das Licht in diesen Straßen oder wie die beschriebenen Wiesen riechen. Sein Debüt-Roman spielt in Wulsbüttel. Dort wuchs der in Bremen geborene Autor auf. In Leipzig und Berlin hat er Literarisches Schreiben und Philosophie studiert. Nun steht sein Computer auf einem wuchtigen alten Schreibtisch in Worpswede und hinter dem Fenster liegt das flache weite Land der Hammeniederung. Wolken, Sonne, Gras, Pferde und irgendwann einmal ein Moorexpress, mehr werden Marklein nicht ablenken, wenn der am Plot seines neuen Buches arbeitet.

Noch beginnt es auf einer Fähre nach Island. Die klingelnden Spielautomaten, der Nebel bei der Hafeneinfahrt, all das lässt er den Leser spüren. Ob später das gedruckte Buch wirklich so anfangen wird, er lässt es offen und sagt: „All diese Sachen können Morgen anders aussehen.“ Da gibt es den Literaturagenten und das Lektorat. Und vor allem Janko Marklein.

Er schreibt seine Texte auf dem Computer. Oder vielmehr, er meißelt und feilt an jedem Satz. „Ich bleibe schon beim ersten Satz zu sehr an der Formulierung hängen“, erzählt er und, dass seine Texte weit entfernt sind von jenem „in einem kreativen Erguss runter geschrieben“ zu sein. Manchmal ist er nur mit ein oder zwei Sätzen am Tag zufrieden, ein andermal „in ganz, ganz guten Momenten“ schafft er drei Seiten an einem Tag. Für Janko Marklein bedeutet Schreiben „harte Arbeit“, kreative Arbeit. Das klingt nach einem Ringen mit den Worten, aber nur bis zu seinem Lächeln und der Beteuerung: „Das macht mich froh, wenn die Texte rund und sauber sind.“

Janko Marklein lebt dank seines ersten Romans und Stipendien seinen Lieblingsberuf. In dem treibt ihn das „befriedigende Gefühl“ an, wenn er schöne Absätze, Kapitel oder auch nur einen besonders schönen Satz verfasst hat, die genau das Gefühl oder die Problematik ausdrücken, um die es ihm geht. Da schwingt dann doch ein kleiner Hauch von Eitelkeit, aber der muss wohl sein. Marklein sagt: „Autor ist ein eitler Beruf.“ Schließlich müsse dieser etwas haben, von dem er meint, dass er es anderen Leuten mitteilen kann oder damit „ordentlich auf den Tisch hauen“.

Faszination für Menschen

So beschreibt Janko Marklein sein neues Projekt. Es soll es die Geschichte zweier junger Männer sein. Er begleitet sie über 15 Jahre und erzählt „vom Wachsen und Auseinanderbrechen einer Freundschaft“. Darin verpackt er seine „Faszination für Menschen, die von außen ein sehr konsequentes, asketisches, sinnlichkeitsbefreites Leben leben“.

Marklein grinst. Als klassisches Stereotyp komme einem da sofort der Mathematiker in den Sinn, sagt er und spielt genau damit in seinem Manuskript, womit er die gemeinsame Jury des Bremer Literaturkontors und der Worpsweder Künstlerhäuser beeindruckte. Diese lobt seine Idee als „eine Auseinandersetzung mit Extremen, mit dem extrem ausladenden Intellekt des Protagonisten, der dicht am Pathologischen residiert, und dem extrem menschenfeindlichen Winter in den isländischen Bergen, der auch den Tod bedeuten kann“.

Der Autor selber nennt Menschen spannend, die sich mit einer kleinen theoretischen Welt auseinandersetzen, die radikale Selbstdisziplin halten und wie besessen arbeiten, irgendwie „attraktiv und gruselig“ zugleich. Mit seinem Buch will er nachspüren, warum derartige Biographien so anziehend wirken, ohne in die Klischee-Falle dabei zu tappen, nämlich, dass der Mathematiker verrückt wird. Vielmehr soll es „eine Geschichte des Individuums werden“, sagt er und erzählt aus der Perspektive des Freundes. Die Jury lobt Markleins Sprache als „zeitgenössisch und klar“. Eine Kostprobe davon gibt er im Café Moma, wo er aus dem Manuskript dieses werdenden Romans lesen will.

Lesung mit Janko Marklein, Donnerstag, 11. August, 19.30 Uhr, Café Moma, Straßentor 1.


Meine Wümme-Region
Ihr Portal für die Wümme-Region

Herzlich willkommen in Ihrem Portal für die Wümme-Region. In diesem Portal informieren wir Sie über wichtige Nachrichten und Veranstaltungen aus Ihrer Region.

Ein Artikel von
Ein Syrer und sein neues Leben in Rotenburg
Samer Tannous ist Hochschullehrer aus Damaskus, lebt mit seiner Familie seit 2015 in Rotenburg und arbeitet dort als Französischlehrer. In der Wümme-Zeitung schreibt er wöchentlich über seine Erlebnisse.
Ihr Wetter in Bremen
Temperatur: 15 °C / 7 °C
Vormittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/wolkig.png
Nachmittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/bedeckt.png
  Regenwahrscheinlichkeit: 40 %
Die Sportmeldungen aus der Region
Veranstaltung für Ihre Region
Sonderthemen aus der Region
Sonderthemen aus der Region
Traueranzeigen
WESER-KURIER Kundenservice
Leserkommentare
heinmueckausbremerhaven am 21.10.2019 20:47
Es gibt nur eine Chance wieviel Artikel beschrieben. Und jetzt schwindet mit dem Artikel von Stefan Rahmstorf das Argument, dass die BRD nur für ...
Bremen99 am 21.10.2019 20:41
Das Parken in Wild-West-Manier rund um den Freimarkt hat Tradition. Vor über 40 Jahren konnte man auch schon regelmäßig beobachten wie dreiste ...