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Mein Jahr: Jochen Gieschen aus Bülstedt hat den Führerschein abgegeben und ist überzeugter Radfahrer und Stromsparer
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Die erste Erdumrundung bereits in Sicht

Johannes Heeg 13.12.2016 0 Kommentare

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Radfahrer aus Überzeugung: Jochen Gieschen. (Johannes Heeg, Heeg)

120 Kilometer die Woche strampele er ab, hauptsächlich, um Zeitungen zu verteilen und sein Enkelkind zum Kindergarten zu fahren. Vor der Kommunalwahl sei er sogar auf 190 Kilometer gekommen, da habe er Wahlwerbung für die SPD und die Grünen ausgefahren. „Seit August 2011 sind das bis jetzt insgesamt 37 000 Kilometer“, sagt Gieschen, „und das weiß Gott nicht nur bei Sonnenschein, sondern auch bei Wind und Wetter.“ Die erste Erdumrundung ist also bereits in Sicht.

Das mit dem August 2011 weiß Gieschen deshalb so genau, weil er damals seinen Führerschein abgegeben hat. „Ich bin Epileptiker“, erzählt er, „und hatte bei der Arbeit einen Anfall.“ Mit dem Pakete ausfahren war es damit vorbei, zu gefährlich. Dabei hatte er sogar den Lkw-Führerschein, früher Klasse 2 genannt. Fahrer bei Hansa Landhandel war er, nachdem er die kleine Landwirtschaft aufgegeben hatte, die er von seinen Eltern übernommen hatte.

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P1090803.JPG (Johannes Heeg, Heeg)

Das ist vorbei. Mit dem Umstieg auf das umweltfreundlichste aller Fahrzeuge hat Gieschen auch sonst am Öko-Rad gedreht. Seit 2011 bezieht der Vater von vier Kindern Ökostrom, und mittlerweile ist er auch auf Ökogas umgestiegen. Nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima im März 2011 tat er sich mit Gleichgesinnten zum BüEnBü zusammen. So wird das „Bündnis Energiewende Bülstedt und umzu“ in Kurzform genannt, das nicht nur Mahnwachen zu Fukushima und Tschernobyl veranstaltet, sondern sich auch um Projekte vor Ort kümmert. So geht die öffentliche Bücherzelle mit ihrer Solarbeleuchtung ebenso auf die Initiative zurück wie die Mitfahrerbänke, die die Mobilität der Dorfbewohner verbessern sollen. Gleichzeitig hat Gieschen im eigenen Haus die größten Energieverschwender unter den Elektrogeräten ausgemistet und so seinen Stromverbrauch von ehedem 11500 auf 4500 Kilowattstunden im Jahr senken können.

Längst ist Jochen Gieschen mit seinen Energiethemen auch auf Facebook unterwegs, teilt fleißig Beiträge zur Energiewende. „Wir müssen vom Atomstrom wegkommen“, sagt er. Seine Frau Claudia, ebenfalls Epileptikerin, trägt das mit. Seit 31 Jahren sind die beiden verheiratet, „glücklich verheiratet“, wie sie betonen. Kennengelernt hat die Hildesheimerin ihren Mann in Bremen beim Berufsbildungswerk. „Eigentlich wollte ich ins Kloster“, berichtet sie, „doch dann habe ich in eine Großfamilie hinein geheiratet.“ Neben Gieschens Eltern und seiner Schwester lebte anfangs auch noch sein Opa auf der Hofstelle, die mittlerweile in der fünften Generation in Familienbesitz ist.

Und das Fahrrad fahren? „Das mache ich natürlich weiter“, sagt Gieschen. Zu den gut 40 Tonnen von Zeitungen, die er bis jetzt allein in Bülstedt unter die Leute gebracht hat, würden wohl noch etliche weitere hinzukommen. „Die Bewegung an der frischen Luft ist gut für die Gesundheit“, meint der Bülstedter. Er sei so gut wie nie krank. Außerdem verbinde er seine Zeitungstouren meistens mit Einkaufen.

Einen Wunsch habe er allerdings: Sein Stromversorger verlose derzeit ein Lastenrad. „Das hätte ich gerne, das wäre ideal für meine Zeitungen.“


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Leserkommentare
theface am 18.10.2019 20:54
Das kann so nicht stimmen, sonst wären SPD und Grüne ja nicht mehr in der Landesregierung.
Opferanode am 18.10.2019 20:48
Ich hatte die gleiche Frage. Aber eine vernünftige Antwort würde mir besser gefallen, als so schulmeisterlich daherzukommen, mit der Aufforderung, ...