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Initiative will Bülstedt zum Energiedorf machen

Undine Zeidler 31.12.2011 0 Kommentare

„Es geht nicht um Zeit.“ Anne Christoph und Felix Pfeiffer vom Bündnis Energiewende Bülstedt schauen auf das
„Es geht nicht um Zeit.“ Anne Christoph und Felix Pfeiffer vom Bündnis Energiewende Bülstedt schauen auf das langfristige Ziel: „Dass man als Dorf seinen Strom selbst erzeugt.“ (Undine Zeidler)

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Holz lodert hinterm Ofenglas. Teewasser summt darüber leise im Kessel. Kerzen erhellen einen Morgen, der mit seinem Licht geizt. Am Küchentisch blicken Anne Christoph und Felix Pfeiffer auf die ersten Monate "Energiewende Bülstedt" und sie schauen nach vorn, erzählen von ihrer Vision eines Energiedorfs. Dass der Weg dahin lang ist, wissen Christoph und Pfeiffer. Sie freuen sich über die Schritte, die in Bülstedt in Sachen Energiewende schon getan wurden: Mahnwachen, Vorträge, Wechsel zu Ökostrom oder das Installieren von Photovoltaik-Anlagen und Holzvergaserheizungen.

Reaktion auf Fukushima

Am 11. März 2011 rief die japanische Regierung den atomaren Notfall für das Kernkraftwerk Fukushima aus. Zwei Tage später standen in Bülstedt erstmals Menschen mit Spruchbändern an der Ecke Lange Straße und Dorfstraße. Gleich dem ersten Aufruf zur Mahnwache waren rund 40 Leute gefolgt und nach dem zweiten oder dritten Treffen war einigen davon klar: "Das geht weiter." Im Mai gründeten etwa zwölf Frauen und Männer das Bündnis "Energiewende Bülstedt". Sie organisierten von da an regelmäßig die Anti-Atom-Mahnwachen sowie eine monatliche Planungsrunde und ein öffentliches Treffen.

Das Bündnis lud ein zu einem Film über den Uranabbau in Australien, zu Vorträgen über erneuerbare Energien und über den Ausstieg aus der Atomenergie, und es lobte einen "Stromsparwettbewerb" aus. "Allerdings nicht ganz mit der Resonanz, wie wir erhofft hatten", sagt Anne Christoph. Über das Ideensammeln kam die Aktion kaum hinaus. Doch die besten Ideen sollen im Januar 2012 ausgezeichnet werden. Gespräche im Ort haben Anne Christoph zudem gezeigt: "Es gibt viel mehr Leute als ich dachte, die offen sind." Nur der Schritt, das öffentliche Treffen in Kösters Gaststätte zu besuchen, sei für viele noch zu hoch gewesen. Aber ab 2012 geht es weiter, immer am letzten Mittwoch im Monat.

Dann wird auch darüber gesprochen, wovon nicht nur Christoph träumt: "Wir wollen ein Bülstedt in Richtung Energiedorf" - ein Dorf, das seinen Strom selbst erzeugt. Mehr als 40 gibt es davon in Deutschland, und Schönau im Schwarzwald gilt Anne Christoph als Vorbild. Felix Pfeiffer nennt den Plan "Arbeitsperspektive" und sagt, jeder erste Schritt dahin ist gut. Einer wird sein, dass das Energiebündnis im Jahr 2012 einen unabhängigen Energieberater nach Bülstedt einladen will. Der soll prüfen, welche Potenziale das Dorf bietet und was zu dem Ort passt. Billig wird diese Beratung nicht, weiß Christoph. Gerade informieren sich die Energiebündnis-Mitglieder über EU-Fördermittel.

Felix Pfeiffer hofft, durch die Energieberatung mit den Mitbürgern ins Gespräch zu kommen, denn so sagt er über das Energiebündnis: "Wir zehn können gar nichts bewegen." Anne Christoph ist aber optimistisch: Garantiert stabile Strompreise im Energiedorf, hofft sie, interessiert alle Bülstedter. So hat sie es zumindest aus anderen Energiedörfern gehört. Ihr Dorf befindet sich aus Pfeiffers Sicht noch in der Informationsphase. Das Energiebündnis will im Jahr 2012 auch Exkursionen zu Energieerzeugern machen und ein Energiedorf besuchen. Als Zwischenschritt betrachten Christoph und Pfeiffer den Wechsel zu Ökostrom. Auf ihrem Hof verteilen sie dafür Informationsmaterial. "Aber auch Ökostrom ist teuer", weiß Christoph. "Dann lieber stabile Preise und den Strom selbst erzeugen."

"Wir sind eine starke Kraft", sagt Anne Christoph über all jene Menschen, die sich heute einmischen. Klar, es gibt auch Rückschritte wie bei Stuttgart 21. Aber das ist für sie kein Grund, nichts zu tun. Im Gegenteil. In ihrem Protest gegen Atomstrom fühlen sich Christoph und Pfeiffer "nicht mehr so mutlos wie Anfang der 80er Jahre". Nur eines wollen Anne Christoph und Felix Pfeiffer nicht sein: Bessermenschen, die mit dem erhobenen Zeigefinger unterwegs sind. Vielmehr sind sie nach ihren Worten offen für Ideen und wollen die Menschen in persönlichen Gesprächen abholen. Auch im Alltag tun Christoph und Pfeiffer einiges. Sie behalten ihren Stromverbrauch im Blick. Standby-Geräte laufen hier nicht über Nacht. Bei neuen Geräten achten sie auf die Energieffizienz und neuerdings leuchten LED-Lampen im Haus. Sechs Watt spenden da laut Pfeiffer so viel Licht wie eine herkömmliche 70-Watt-Glühbirne. Und seit fünf Jahren kochen sie im Winter auf dem Küchenofen. "Holz ist ja ein nachwachsender Rohstoff", begründet Anne Christoph. Für einige Monate sparen sie dadurch den Elektroherd ein und gleichzeitig wärmt der Ofen ihre Küche in einer behaglichen Art, wie es der Heizkörper unterm Fenster zuvor nie vermochte.

Das nächste Treffen des Bündnisses Energiewende Bülstedt findet am Mittwoch, 25. Januar, um 20 Uhr in Kösters Gaststätte statt.


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Samer Tannous ist Hochschullehrer aus Damaskus, lebt mit seiner Familie seit 2015 in Rotenburg und arbeitet dort als Französischlehrer. In der Wümme-Zeitung schreibt er wöchentlich über seine Erlebnisse.
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Leserkommentare
theface am 18.10.2019 20:54
Das kann so nicht stimmen, sonst wären SPD und Grüne ja nicht mehr in der Landesregierung.
Opferanode am 18.10.2019 20:48
Ich hatte die gleiche Frage. Aber eine vernünftige Antwort würde mir besser gefallen, als so schulmeisterlich daherzukommen, mit der Aufforderung, ...