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Reinhard Staupe erfindet Spiele und lädt beim Stöbernachmittag in der Bücherei Tarmstedt zum Mitmachen ein
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„Mir ist um das Brettspiel nicht bange“

08.11.2012 0 Kommentare

Büchereileiterin Leonore Holsten vor  einer Auswahl an Spielen, die die Bibliothek  der Samtgemeinde Tarmstedt im Repert
Büchereileiterin Leonore Holsten vor einer Auswahl an Spielen, die die Bibliothek der Samtgemeinde Tarmstedt im Repertoire hat. Beim Stöbernachmittag stehen morgen Nachmittag neben Neuerscheinungen Spiele im Mittelpunkt. (Henning Hasselberg)

Können Sie sich noch an Ihre ersten Spiele erinnern, die Sie als Kind gespielt haben?Reinhard Staupe:

Ich denke, das werden Dame und Mühle gewesen sein. Zumindest eines von den ganz klassischen Sachen. Vielleicht war es auch Mau Mau.

Haben Sie kontinuierlich durch die ganze Kindheit hindurch gespielt?

Eigentlich ja. Wir haben in der Familie sehr viel gespielt, halt Rommé und Skat. Mit fünf Jahren habe ich Schach gelernt, mit acht Jahren habe ich angefangen, es im Verein zu spielen. Neben Fußball war Schach das, was ich am meisten in meiner Jugend gemacht habe.

Warum hat es Ihnen irgendwann nicht mehr genügt, die Spiele von anderen zu spielen?

Das erste Mal, als ich selber etwas entwickelt habe, war eine Schachvariante. Und dann, da war ich schon im Abitur, habe ich auf dem Balkon gestanden und einen Strommast mit Querverstrebungen gesehen. Das war wie ein Gedankenblitz. Da wusste ich, daraus mache ich ein Spiel, und das wurde mein erster Kontakt zu dem, was später das Spiele-Erfinden geworden ist.

Wo finden Sie heute Ihre Ideen?

Das kann eigentlich jederzeit passieren. Ich bin immer wieder mal in Gedanken mit Spielesachen beschäftigt, und dann kommt der eine oder andere Ideenfunken, dem man nachgeht. Oder mein Sohn inspiriert mich. Er wird im Januar zwei, und wenn der zum Beispiel einen Faden irgendwo durchfädelt, ist das Impuls genug, ein Spiel zu entwickeln.

Wie lange dauert es von der Idee bis zum fertigen Spiel?

Das schnellste war innerhalb von 20 Minuten fertig. Am selben Tag waren auch der Prototyp gebastelt und die Spielregeln fertig. Es wurde eines meiner erfolgreichsten Spiele: "Der Plumpsack geht um".

Aber wahrscheinlich ist das die Ausnahme, oder?

In der Regel dauert ein Spiel ein paar Wochen oder auch ein paar Monate. Es kann sein, dass es in der Schublade verschwindet und irgendwann wieder rauskommt. Dann vergehen Jahre, bis zur Fertigstellung. Man kann sagen: Je komplexer das Spiel ist, desto länger dauert es.

Ab wann wissen Sie, dass eine Idee funktioniert?

Manchmal weiß ich schon, wenn ich die Idee im Kopf habe, dass es funktioniert. Dann ist nur noch die Frage, ob es das schon mal gegeben hat. Bei anderen Sachen muss man wirklich testen. Nach dem ersten, zweiten Test weiß ich, das Spiel könnte gut genug sein für eine bestimmte Zielgruppe. Die ersten Tests sind darum meistens die Stunde der Wahrheit.

Wer testet Ihre Spiele?

Das sind immer mehrere Stadien. Zuerst simuliere ich mit mir selbst, um zu sehen, ob es irgendwelche Haken und Ösen hat. Wenn das funktioniert, ist meine Familie dran. Und wenn das auch geklappt hat, dann habe ich verschiedene Spieletreffs und Leute, die gerne spielen. Die müssen oder dürfen das testen, was ich mir ausdenke.

Was zeichnet aus Ihrer Sicht ein gutes Spiel aus?

Ich denke, ein gutes Spiel sollte auf jeden Fall entweder eine neue Idee haben oder Elemente, die es schon gibt, auf eine neue Art zusammen bringen, und letztlich muss es einfach Spaß machen.

Gibt es Modethemen bei Spielen?

Es gibt immer wieder so kleine Trends in der Spieleszene. 2012 war das Jahr der Würfelspiele. Das hat keiner geplant. Irgendwie war es vielleicht fällig, und ganz viele Verlage haben plötzlich Würfelspiele herausgebracht. Wobei die natürlich schon vor ein oder zwei Jahren bei den Autoren entstanden sind. Dann gab es mal den Quiztrend, wie im Fernsehen. Mittelalter-Thema war eine Zeit lang auch sehr präsent.

Machen Computerspiele und Spielekonsolen dem klassischen Karten- und Brettspiel das Leben schwer?

Es ist schon so, dass unglaublich viel Geld in diesem Bereich ausgegeben wird. Aber grundsätzlich bin ich davon überzeugt: Die Leute, die gerne Handy-, Computer- und Konsolenspiele spielen, spielen halt gerne. Und alles, was dem Spiel an sich dienlich ist, kann für das Brettspiel auch nicht schlecht sein. In den letzten Jahren hat der Umsatz bei den Brett- und Kartenspielen gezeigt, dass es keinen Grund zur Besorgnis gibt. Mir ist um das klassische Brettspiel nicht bange.

Was bedeutet Spielen für Sie persönlich?

Für mich ist Spielen in erster Linie Kommunikation mit anderen Menschen und, dass man auf eine ganz einfache Art und Weise mit Leuten ins Gespräch kommt. Das Spiel verbindet im besten Sinne.

Können Sie ein Spiel einfach so genießen oder achten Sie immer auf dessen Mechanismen?

Nein, das kann ich schon genießen. Die Spielfreude, die als Kind vorhanden war, ist immer noch da. Dann will man meistens auch gewinnen oder wenn es um fantasiereiche Spiele geht, will man bestimmte Sachen erleben. Da tritt das Mechanische in den Hintergrund.

Ist Gewinnen ein zentraler Punkt beim Spielen?

Ich denke schon, dass das Gewinnen eine große Rolle spielt und für das Spiel wichtig ist. Wenn man einfach so ein bisschen vor sich hin spielt, macht es nicht wirklich Spaß. Wenn es verbissen wird, das ist die Kehrseite, macht es auch keinen Spaß.

Wie oft spielen Sie pro Woche?

Drei- oder viermal in der Woche bestimmt, in Spieletreffs und privat.

Haben Sie ein absolutes Lieblingsspiel?

Von den klassischen Spielen ist es Doppelkopf. Von den Spielen, die man im Laden kaufen kann, ist es die "Werwölfe von Düsterwald". Das habe ich bestimmt schon über tausendmal gespielt mit vielen Hundert Leuten.

Programm Stöbernachmittag

n Der Spiele-Erfinder Reinhard Staupe ist morgen, 9. November, zu Gast beim Stöbernachmittag in der Bücherei Tarmstedt. Schwerpunkt an diesem Nachmittag, den der Förderverein organisiert hat, sind Spiele. Treffpunkt ist zwischen 15 bis 18 Uhr die Pausenhalle der Grundschule und die alte Turnhalle. Neben Buch-Neuerscheinungen stehen in diesem Jahr Spiele im Mittelpunkt. Spielescouts der Bücherei geben ihre Empfehlungen für Brett- und Kartenspiele weiter. Eine Spielgruppe führt in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Zeven in Bridge ein. Neben Kaffee, Kuchen und einem Bücherflohmarkt dreht sich eine Ausstellung um Graphic Novels, Comics und Mangas. Interessierte können in einem Kursus lernen, wie Mangas gezeichnet werden.

Programm Stöbernachmittag

Zur Person

Reinhard Staupe, geboren 1968 in Kassel, hat in den 80-er Jahren sein erstes Spiel entwickelt – für das er aber keinen Verlag fand. Weil Hartnäckigkeit zu seinen Eigenschaften zählt, entwarf der angehende Grundschullehrer weiter Spiele und bekam 1994 die ersten Vertragsabschlüsse. Lehrer wurde Staupe nicht, stattdessen arbeitete er bei den "Berliner Spielkarten" und bei "Amigo Spiel + Freizeit". Seit Januar ist er verantwortlicher Redakteur bei den Nürnberger Spielkarten und textet Postkarten für die Grafikwerkstatt Bielefeld. Reinhard Staupe lebt mit Freundin, Sohn und Hund in Hellwege. UZ


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Leserkommentare
erschreckerbaer am 22.10.2019 21:34
Ist doch in Ordnung.
Bis jetzt habe ich 48 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt.
Habe dafür Steuern bezahlt.
Würde ich mit 67 in ...
flutlicht am 22.10.2019 20:43
Lieber @Wk, wann hat Höffner denn nun die Fläche erworben? Mal schreiben Sie von 14 Jahren im Text und in der Einleitung von 11 Jahren. Was stimmt?