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"Bündnis Energiewende Bülstedt und Umzu" ist zufrieden mit Fahrraddemonstration gegen Atomenergie
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Protest auf zwei Rädern

Undine Zeidler 13.03.2012 0 Kommentare

Bülstedt. Gelbe Kreppbänder flattern im Fahrtwind, gelbe Luftballone schaukeln an Fahrrädern und eine gelbe Fahne kräuselt sich an einem Gepäckträger. Darauf prangt die rote Anti-Atom-Sonne. Das zu neuem Leben erweckte Symbol der 80er- Jahre geht an diesem Nachmittag auf Tour, genauer gesagt auf Radtour. Dazu hat am ersten Jahrestag der Reaktorkatastrophe von Fukushima das "Bündnis Energiewende Bülstedt und Umzu" eingeladen. Denn so steht es auf einer der hellgrünen Ordner-Westen: "Fukushima ist überall". Zudem eint die Radler beim Thema Atomausstieg Anne Christophs Sorge: "Im Moment geht es wieder rückwärts."

Wie eine Schlange windet sich der Konvoi durch die Löhbergstraße in Wilstedt. In wenigen Minuten erreichen die 34 Frauen, Männer und Kinder die erste Station ihrer Aktion "Wir bleiben in Bewegung! Atomausstieg selber machen!" In Bülstedt sind sie losgefahren und Anne Christoph vom "Bündnis Energiewende Bülstedt und Umzu" schwärmt: "Ich hätte nicht gedacht, dass in Bülstedt schon so viele starten." Über Wilstedt, Tarmstedt und Westertimke wird sie ihre politische Radtour zurück nach Bülstedt führen. In das Dorf, das nach dem Wunsch des Bündnisses ein Energiedorf werden soll. Eines, das ohne Atomenergie auskommt, sich stattdessen mit regenerativen Energien unabhängig von den großen Energiekonzernen versorgt.

Ohne Atomenergie soll nach dem Willen der Fahrraddemonstranten ganz Deutschland auskommen. Doch, so fürchtet Mitorganisatorin Anne Christoph: "Es gibt zwar abgeschaltete Meiler, aber jetzt mehren sich die Stimmen, die sagen, dass wir ohne Atomenergie nicht auskommen." Das hat auch Hans Werner Seeger aus Tarmstedt aufs Rad gebracht, abgesehen davon, dass er gern Rad fährt und darum der Gruppe schon einmal bis zum Halt in Wilstedt entgegengefahren ist. "Ich bin dafür, alle Reaktoren abzuschalten und nur einen Forschungsreaktor zu lassen", sagt er. An dem könne die Entsorgung von Atommüll erforscht werden. Denn das koste bis jetzt jede Menge Geld, eine technische Lösung gebe es noch nicht.

Der Atommüll fährt mit bei dieser Anti-Atom-Tour durch die Samtgemeinde. Als gelbe Tonne zieht ihn der 17-jährige Niklas Küllmar symbolisch an seinem Rad. "Das kam durch Fukushima", begründet der junge Mann seinen Einsatz gegen Atomenergie. Er war nach seinen Worten schon bei einigen Mahnwachen in Bülstedt dabei. Jetzt wuchtet er die Tonne vom Fahrradanhänger. Sie fungiert an den Stationen als Infotisch, auf dem Anne Christoph und ihre Mitstreiter die Mappen mit Flugblättern und Unterschriftenlisten aufklappen. Birgit Niederhausen hat selbst gebackene Nussecken mitgebracht und verteilt sie bei der Rast in Wilstedt.

Währenddessen setzt der Buchholzer Jochen Franke seinen Namen unter eine Petition an den Premierminister von Japan. Er fordert damit "die Verwirklichung des Atomausstiegs". Und er unterschreibt, weil auch nach seinen Worten die Endlagerung des Atommülls nicht gelöst wird. "Wir haben den Nutzen für ein paar Jahre, und die nach uns kommende Generation muss unsere Rückstände bewachen." Das stört ihn seit Jahren. Dafür stand er in Bülstedt bei den Mahnwachen oder 2004 in Gorleben. Egal ob dort oder diesmal per Fahrrad - "jede Demonstration bringt was. Sie zeigt die Gedanken, die in den Köpfen verborgen sind." Wie bei Antonia Deltz (14) aus Kirchtimke. Sie will beispielsweise Fukushima nicht hier erleben, sagt sie. "Atomenergie, das ist mir zu gefährlich, man hat ja gesehen, was passiert."

Radeln gegen das Vergessen

Manche Radler bleiben nur kurz bei der Demonstration, etwa Lena Geidner aus Vorwerk. Mit Mann und den neun Monate und drei Jahre alten Töchtern ist sie am Wilstedter Halt dabei. Warum sie gegen Atomstrom radelt - die Frage verblüfft sie sichtlich. "Weil das totaler Schrott ist", und weil nach ihrem Empfinden die Ereignisse von Fukushima im Alltag verloren gehen. "Es ist schon vergessen", meint auch Guido Grabe aus Otterstedt. In Wilstedt schließt er sich der Gruppe an und pustet für den Gepäckträger einen gelben Anti-Atom-Luftballon auf.

So, wie Grabe bei der Wilstedter Rast hinzukommt und andere wieder ihrer Wege ziehen, geht es bei der Tour weiter. Um die 40 Radler seien sie immer gewesen, auch wenn denen später die Kälte in Finger, Beine und Füße kroch. "Aber das war egal", erzählt eine gut gelaunte Anne Christoph nach der Tour. Sie schwärmt über vielfaches "solidarisches Hupen und Winken" auf der Strecke. Vor dem Jahrestag hatten sich die Organisatoren noch gefragt: Zur Großdemonstration fahren oder etwas Eigenes machen - und sich für das Eigene entschieden. Christoph konstatiert im Nachhinein zufrieden: "Wir haben auf jeden Fall viel Aufmerksamkeit gekriegt." Familienfreundlich - mit solcherart Protest will das Bülstedter Bündnis gemäß Anne Christoph weitermachen, demnächst in Gorleben bei einem Picknick mit Federballspiel, und auch weitere Radtouren will Christoph nicht ausschließen. Ab April wollen sie zudem weiter am Energiedorf Bülstedt arbeiten. Auch wenn Christoph weiß: "Das wird ein langer Weg sein."


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Leserkommentare
theface am 18.10.2019 20:54
Das kann so nicht stimmen, sonst wären SPD und Grüne ja nicht mehr in der Landesregierung.
Opferanode am 18.10.2019 20:48
Ich hatte die gleiche Frage. Aber eine vernünftige Antwort würde mir besser gefallen, als so schulmeisterlich daherzukommen, mit der Aufforderung, ...