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Kulturstiftung schließt Osterholzer Museumsanlage und schickt diese damit in eine höchst ungewisse Zukunft
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„Wir können nicht mehr“

Bernhard Komesker 11.02.2017 0 Kommentare

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Das bauhistorische Ensemble an der Bördestraße besteht aus mehreren musealen Einrichtungen, darunter Heimat und Vogelmuseum. (Christian Valek)

März 2017 bestätigt. Wie berichtet, laufen der Stiftung die Kosten für Betrieb und Erhaltung des sanierungsbedürftigen Ensembles aus dem Ruder. „Es tut mir weh, aber nur so können wir eine Insolvenz der Stiftung vermeiden“, sagte Marg im Beisein von Geschäftsführer Philipp Stanehl, Kuratoriumsvize Björn Herrmann und Museumspädagogin Karla Lütjen.

Die Museumsleiterin wechselt zum 1. März mit ihrer Kollegin Heike Otten zurück zum Landkreis Osterholz – in noch unbekannter Funktion, wie sie auf Nachfrage erklärte. „Es war mir immer eine Herzensangelegenheit, hier zu zeigen, dass Geschichte lebendig sein kann“, so Lütjen unter Tränen. Die bisher gebuchten Termine würden eingehalten, auch der geplante Antik- und Trödelmarkt am 25. Februar werde natürlich noch stattfinden.

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Die Kulturstiftung verkündete am Freitag die Schließung. Das Foto zeigt (von links) Geschäftsführer Philipp Stanehl, Kuratoriums-Vize Björn Herrmann, den Vorsitzenden Karl-Heinz Marg und Museumspädagogin Karla Lütjen. (Bernhard Komesker)

Defizit von 120 000 Euro pro Jahr

Was dann kommt, sei offen, so die Kuratoriumsspitze. Durch die Schließung spare die Stiftung bei den Personal- und Sachkosten jährlich etwa 90 000 Euro – bei einem Betriebsdefizit von 120 000 Euro pro Jahr, Tendenz steigend. „Ein ,Weiter so!‘ war nicht länger zu verantworten“, so Marg.

Die Anlage beherbergt unter anderem Vogel- und Heimatmuseum, Mitmach- und Torfschiffmuseum. Der Landkreis hat das Ensemble der Stiftung per  übertragen – und will sein Eigentum bisher auch nicht zurück. Die Stiftung verlor aus steuerrechtlichen Gründen früh ihren Kooperationspartner, die Kreissparkasse. Sie war bis dato aber verpflichtet, die Vogelsammlung der Familie Baumeister zu erhalten und zu zeigen. Die Dauerleihgabe umfasst gut 400 Präparate, die in maßgefertigten Dioramen auf 800 Quadratmetern präsentiert werden.

Die Stiftung hat nun, wie berichtet, den Vertrag mit der Familie Baumeister gekündigt. Vorausgegangen waren Verhandlungen über den Ausschreibungstext einer Machbarkeitsstudie, wie die Museumsanlage zu retten sei. Die Verwaltung hatte den Kreistagsauftrag erhalten, eine Modernisierung auf der Basis der sogenannten Teufelsmoor-Saga gutachterlich prüfen zu lassen – ergebnisoffen und unter Zuhilfenahme von Fördermitteln, ohne die es bei einer Investition von mindestens drei Millionen Euro nach einhelliger Ansicht nicht geht.

Wie Detlef Risch, Vorsitzender des Museums-Fördervereins und zugleich Baumeister-Schwiegersohn, gegenüber unserer Zeitung darlegte, hätte die Familie damit in das Risiko einer Zerschlagung und Halbierung der Sammlungsbestände einwilligen sollen. Die Kreisverwaltung habe sich geweigert, die verbriefte Bestandsgarantie in die Vorbemerkung zum Ausschreibungstext zu übernehmen – laut Verwaltung fehlte dafür aber ein politisches Mandat.

Björn Herrmann, zugleich SPD-Fraktionschef, sagte dazu auf Nachfrage, als Stiftung sei man an den Gesprächen nicht beteiligt gewesen. Sie seien letztlich durch schieren Fristablauf gescheitert. Um die nötigen Fördermittel für die Studie anzapfen zu können, sei der Zug inzwischen leider abgefahren. „Wir sind in der Sache nur die Passagiere und können es nicht nachvollziehen“, sagte Herrmann. Mit der von ihm vorgelegten Ideen-Skizze zur Teufelsmoor-Saga wäre keineswegs eine Reduzierung der Sammlung einhergegangen, behauptete er.

Der Stiftungsvorstand will nun mit der Kreisverwaltung über die künftigen Betreuungsmodalitäten der Immobilien reden. „Im Moment können wir nur sagen, wir können nicht mehr.“ Der Vorsitzende Karl-Heinz Marg flüchtete sich in Galgenhumor: Dass am Tag der Pressekonferenz die Heizung im Mitmachmuseum ausfiel, trage ja ebenfalls bereits zur Kostensenkung bei.

Die Kulturstiftung bekommt vom Landkreis einen jährlichen Zuschuss von 400 000 Euro. Davon stehen 11 000 Euro pro Jahr der Familie Baumeister zu, die das Geld bisher aber nicht in Anspruch genommen hat. Aller Voraussicht nach werden die Stiftungsfinanzen dann am Donnerstag im Finanzausschuss zur Sprache kommen, denn da geht es um den Kreishaushalt des Jahres 2017. Den Löwenanteil der Einnahmen hat die Kulturstiftung am Standort Worpswede investiert, der mittlerweile weitgehend auf Vordermann gebracht wurde: Große Kunstschau mit Ludwig-Roselius-Museum, Artothek und Kaffee Worpswede.

Am Weyerberg befindet sich auch das Büro von Kulturmanager Philipp Stanehl, der seit März 2015 die Stiftungsgeschäfte führt. Der früheren Geschäftsführerin Karen Elisabeth Hammer war seinerzeit fristlos gekündigt worden. Gestern kündigte Marg an, die Stiftung werde Stanehl zum 1. Juli 2017 eine neue künstlerische Leitung an die Seite stellen. Die Personalauswahl soll ein spezialisierter Dienstleister vornehmen.

Unterdessen hat Familie Baumeister ein eigenes Konzept zum Fortbestand der Anlage erstellen lassen, das sie den Kreistagsabgeordneten vorstellen will. Detlef Risch sagte dazu, er werde eine Sondersitzung des Fördervereins einberufen: „Wenn wir die Hälfte dessen bekommen, was die Kulturstiftung bisher bekommt, halte ich eine Fortführung des Betriebs durch den Trägerverein für denkbar.“


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Samer Tannous ist Hochschullehrer aus Damaskus, lebt mit seiner Familie seit 2015 in Rotenburg und arbeitet dort als Französischlehrer. In der Wümme-Zeitung schreibt er wöchentlich über seine Erlebnisse.
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Leserkommentare
elfotografo am 22.10.2019 18:55
"Es ist doch ein Märchen, dass man mit einer Loge Geschäftskontakte akquiriert oder pflegt, geschweige denn Geschäfte abschließt."

Haben ...
FloM am 22.10.2019 18:51
@gorgon1:
Abgedroschen ist es den x-ten Kommentar mit undifferenzierten Anschuldigungen zu schreiben.

Die Erkenntnis, daß man Teil ...