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Autofreier Schultag in Lilienthal
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Adieu Elterntaxi

Lutz Rode 19.09.2019 1 Kommentar

Morgens vor der Schroeterschule in Lilienthal fährt ein Auto nach dem anderen durch den Konventshof.
Morgens vor der Schroeterschule in Lilienthal fährt ein Auto nach dem anderen durch den Konventshof. (Lutz Rode)

Morgens kurz vor acht an der Schroeterschule: Ein Auto nach dem anderen biegt von der Sternwartestraße in den Konventshof ein. Kurz anhalten, Kind aussteigen lassen, weiter fahren – mehr als ein Dutzend mal spielen sich Szenen wie diese kurz vor Schulbeginn ab. Wenn der Plan aufgeht, soll das am kommenden Montag ganz anders aussehen. Elternvertreterin Mara Jekosch hat zum autofreien Schultag aufgerufen und Mütter und Väter gebeten, auf den Bring- und Abholdienst für ihre Kinder zu verzichten. Am liebsten nicht nur an diesem Tag, sondern immer. „Dieser Tag soll darauf aufmerksam machen, dass der Weg zu Fuß, mit dem Roller oder Fahrrad, selbstständig, vielleicht mit Freunden, die beste Wahl ist“, sagt sie.

Polizei und Verkehrswacht empfehlen, Kinder auf dem sicheren Schulweg anfangs zu begleiten und dann allein zur Schule gehen zu lassen. Die Beweglichkeit und Konzentrationsfähigkeit werden dadurch gefördert, aber vor allem die Selbstständigkeit der Kinder. „Das ist das beste Verkehrssicherheitstraining. Gemeinsam mit Freunden den Schulweg zu meistern, ist ein guter Start in den Tag, egal bei welchem Wetter“, sagt Jekosch, die aktuell auch die Mobilitäts-Aktionstage in Lilienthal organisiert. Jekosch schätzt, dass ein Großteil der Kinder an der Schroeterschule die Wege bereits auf eigene Faust zurücklegt. Ein Viertel der Eltern, so schätzt sie, setze dagegen aufs Mama- oder Papa-Taxi.

Anlass, sich intensiv mit den Wegen zur Schroeterschule und zurück zu befassen, waren für Jekosch Gespräche mit anderen Eltern. Sie hatten der Lilienthalerin berichtet, dass die Verkehrssituation für die Kinder nach der Fertigstellung des Lilienhuus-Neubaus vor allem nach Schulschluss gegen 13 Uhr kritischer geworden sei. Jekosch verschaffte sich ein eigenes Bild und hielt fest, wie viele Autos an der Ecke Hauptstraße/Konventshof unterwegs sind und wie sich die Fußgänger, vor allem die Grundschüler, verhalten. An einem Morgen im Juni zählte sie innerhalb von 20 Minuten 53 Autos, die in den Konventshof einbogen, und 32, die wieder herausfuhren. 103 Autos durchquerten die Amtsstraße und 81 kamen direkt an der Schule in Richtung Hauptstraße vorbei.

Jekosch überraschte das Verkehrsaufkommen rings um die Schule, zu dem die Elterntaxis ihren Beitrag leisten. Sie hörte sich an den anderen Grundschulen in der Gemeinde um und erfuhr, dass es an der  Falkenberger Grundschule ähnlich sein soll. Auch in Trupermoor knubbeln sich die Autos schon mal, auch die Kindertagesstätte nebenan wird von Eltern-Taxis angesteuert, besonders bei Regenwetter. Weniger betroffen soll dagegen die Grundschule Worphausen sein, weil dort für die Kinder von außerhalb der Schulbus fährt. Viel los ist morgens auch am Schoofmoor, wo nicht nur Schüler das Gymnasium ansteuern, im hinteren Bereich kurz vor dem Jan-Reiners-Weg die Schulbusse wenden und Eltern ihre Kinder zur Kita bringen. Wie gefährlich die Situation ist, darüber gehen die Meinungen auseinander. Die Gemeindeverwaltung hat sich den Bereich zusammen mit der Polizei angesehen.  

Um ein Signal zu setzen, dass sich der Schulweg auch ohne Elterntaxi meistern lässt, kam Jekosch auf die Idee, den 23. September zum autofreien Schultag in Lilienthal zu erklären. Die Aktion schließt sich nahtlos an den europaweiten autofreien Sonntag an. Alle wissen Bescheid: Die Gemeinde ist informiert, der Gemeindeelternrat ist einverstanden. Gespräche wurden mit dem Verkehrsamt in Osterholz-Scharmbeck, der Polizei Lilienthal, der Verkehrswacht Lilienthal, dem Schulexpress sowie dem Präventionsteam der Polizei geführt. „Freiwilligkeit und Einsicht in die Notwendigkeit, dass der Schulweg besser zu Fuß zurückgelegt wird, scheint wichtiger als Absperrungen und Verbote. Eben auch ein Grund, wieso dieser Tag ohne Absperrung und Verkehrskontrollen organisiert wurde“, sagt die Initiatorin.

Nicht nur die Schroeterschule will am Montag autofrei sein, sondern auch die Leiterinnen der Grundschule Falkenberg und der Trupermoorer Grundschule haben die Eltern in einem Rundbrief dazu ermuntert, sich zu beteiligen und am Montag möglichst aufs Auto zu verzichten. Die Polizei hat angekündigt, sich am Montag ein Bild vor Ort zu verschaffen – wenn nicht ein dringender Einsatz dazwischenkommt.

Jekosch weiß aus eigener Erfahrung, dass es Eltern schwerfällt, ihre Kinder mehr und mehr loszulassen und eine größere Autonomie zuzugestehen. „Dies ist ein Lernprozess für beide Seiten“. „Mir ist es übrigens viel schwerer gefallen als meinem Kind. Jedoch hat sich diese neugewonnene Selbstständigkeit auch positiv auf andere Bereiche im Leben ausgewirkt“, berichtet die Mutter zweier Kinder. „Neulich hat es morgens stark geregnet, und ich habe so viele Kinder gesehen, die glücklich mit Gummistiefeln durch Pfützen gesprungen sind und einen guten Start in den Tag hatten. Meine Hoffnung ist, dass alle Kinder am kommenden Montag und bestenfalls im Anschluss immer, den Weg allein oder begleitet gehen wollen. Wie viele ihrer Mitschüler auch“, sagt die Initiatorin der Aktion.


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Samer Tannous ist Hochschullehrer aus Damaskus, lebt mit seiner Familie seit 2015 in Rotenburg und arbeitet dort als Französischlehrer. In der Wümme-Zeitung schreibt er wöchentlich über seine Erlebnisse.
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Leserkommentare
juergenkluth am 18.10.2019 18:21
Erst mal meinen (sarkastisch gemeinten) herzlichen Glückwunsch an die Herrschaften, die es so weit haben kommen lassen. Ich stelle mir die Frage, ...
Sknoe am 18.10.2019 18:10
Mit Oberlehrern gibt es natürlich immer wieder mal Konflikte, die, die ihr vermeintliches Recht durchsetzen wollen. Man sollte aber gar nicht erst ...