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Tietjen-Hof in Borgfeld
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Alter Hof wird energetisch saniert

Petra Scheller 09.06.2019 0 Kommentare

Die Dachdecker haben alle Hände voll zu tun: Noch vier Wochen dauert die energetische Sanierung des Tietjen-Hofes an.
Die Dachdecker haben alle Hände voll zu tun: Noch vier Wochen dauert die energetische Sanierung des Tietjen-Hofes an. (von Lachner)

Borgfeld. Der alte Tietjen-Hof in der Borgfelder Landstraße ist zurzeit in Plastik gehüllt. Nein, kein Kunstprojekt, sagt Galeristin Christa Zoch von der Galerie Zweig nebenan. Der Hof wird energetisch saniert. In vier Wochen sollen die Arbeiten abgeschlossen sein, hofft Almut Tietjen. Die Hofeigentümerin führt am Baugerüst vorbei durchs Treppenhaus direkt ins Dachgeschoss. In den 1980er-Jahren hat die gelernte Landwirtin und Ferkelzüchterin ihr Elternhaus umfunktioniert. Auf dem Heuboden und im ersten Stock hat sie Wohnungen eingerichtet. Im ehemaligen Pferdestall und in der alten Diele hat sich bereits vor Jahrzehnten das Weindepot niedergelassen.

„Das bleibt übrigens während der ganzen Bauphase geöffnet“, unterstreicht die Hauseigentümerin im Vorbeigehen, während sie sich durch die Bauplanen kämpft. Oben angekommen begrüßt Tietjen die Zimmerleute. Dachdeckermeister Jannis Müller kontrolliert gerade die Abstände zwischen den Dachlatten für das Dämmmaterial. Das fällt jetzt stärker aus als geplant – „20 Zentimeter zwischen den Sparren, zehn Zentimeter oben drauf“, erklärt der Dachdeckermeister.

Der Lilienthaler Energieberater Jörg Büschking zeichnet für die Sanierung verantwortlich. Er hat einen genauen Plan erstellt, damit ein kleiner Teil der Kosten über Fördermittel erstattet werden kann. Zwölf Prozent werden von der Kreditanstalt für Wiederaufbau, kurz KfW, übernommen. Gute drei Prozent steuert die staatliche Gesellschaft Bremer Modernisierer, kurz Bremo, bei. Sie arbeitet im Auftrag des Senators für Umwelt, Bau und Verkehr der Freien Hansestadt Bremen und fördert ebenfalls unter anderem energetische Sanierungen von Altbauten. Den Rest der sechsstelligen Summe trägt die Vermieterin selbst.

Die Komplettsanierung kostet Zeit und Nerven: Dreifachverglaste Fenster werden eingebaut, die Laibungen erneuert, genauso wie die Dachrinnen. Für die Unterseite der Sparren sind neue Dachkästen angefertigt worden. Das Dämmmaterial wird mit Dampfbremsfolie überzogen. „Da kommt eins zum anderen“, sagt Tietjen, während sie im Staub steht.

Verhüllt, aber geöffnet – das Weindepot im alten Pferdestall.
Verhüllt, aber geöffnet – das Weindepot im alten Pferdestall. (Maximilian von Lachner)

Wenn alles fertig ist, sollen 20 Prozent an Energiekosten eingespart werden können. „Die Dämmung entspricht der Klasse C. Das ist Stand eines Neubaus aus den 1990er-Jahren“, erklärt Wirtschaftsingenieur Büschking den Energiefahrplan. „Bei Klasse A fängt ein Neubau an. Aber aus einem alten Haus wird kein Effizienzhaus“, räumt er ein. Aber darum geht es Almut Tietjen auch nicht. Sie will das Haus ihrer Vorfahren erhalten. Bis ins 15. Jahrhundert reichen die Wurzeln ihrer Familie in Borgfeld zurück. Ein alter Grabstein im Borgfelder Kirchturm bezeuge das, erzählt die Hauseigentümerin. Den alten Hof abzureißen, um auf dem Gelände Reihenhäuser bauen zu lassen, kommt für sie nicht infrage. Tietjen hat ihre Kindheit hier verbracht, genauso wie ihr Vater Johann und ihr Großvater Daniel. Ihre Großmutter Meta Tietjen kam aus Oberneuland. Für sie errichtete der Großvater nach einem Brand auf der alten Hofstelle im Jahre 1910 das Bauernhaus, das bis heute steht. In den 1980er-Jahren fing Almut Tietjen an, das Haus nach und nach zu sanieren. „Der Umwelt zuliebe“ sagt sie. Jeder müsse doch zum Klimaschutz, so gut es geht, beitragen, sagt die ehemalige Landwirtin.

Von ihrem Arbeitsplatz aus haben die Dachdecker eine tolle Aussicht.
Von ihrem Arbeitsplatz aus haben die Dachdecker eine tolle Aussicht. (Maximilian von Lachner)

Wenn alles fertig ist, beginnt die Sanierung des kleinen Fachwerkhauses nebenan. Hier ist seit über fünf Jahren die Galerie Zweig beheimatet. Nach deren Auszug im Juli (wir berichteten) will Tietjen den ehemaligen Stall ebenfalls energetisch sanieren lassen. „Und dann reicht es mir auch erst einmal“, sagt die Hofbesitzerin, während sie den Staub aus ihrem Haar schüttelt – „Feenstaub!“, sagt sie. Lacht. Und geht.

Zur Sache

Sanierungszuschüsse beantragen


Förderung von Wärmeschutzmaßnahmen in Bremen gibt es unter anderem über den Senator für Umwelt, Bau und Verkehr (SUBV). Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer können Zuschüsse des Landes Bremen aus dem Programm „Wärmeschutz im Wohngebäudebestand“ beantragen. Die bremischen Zuschuss-Gelder können neben der Bundesförderung in Anspruch genommen werden, die die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) beispielsweise mit dem Energiesparprogramm „Energieeffizient sanieren“ anbietet. Die Abwicklung des Förderprogramms „Wärmeschutz im Wohngebäudebestand“ erfolgt durch die Gesellschaft Bremer Modernisieren (Bremo GbR). Infos dazu gibt es unter www.bremer-modernisieren.de. Dienstag bis Donnerstag ist die Gesellschaft telefonisch unter 0421/ 83 58 88 22 zu erreichen, und zwar in der Zeit von 10 bis 16 Uhr.

Weitere Informationen gibt es bei der Bremer Verbraucherzentrale telefonisch unter 0421/ 16 07 77. Sprechzeiten sind hier montags bis donnerstags von 10 bis 16 Uhr, sowie freitags von 10 bis 13 Uhr. Je nach Problemstellung und persönlichen Bedürfnissen gibt es verschiedene Beratungsformate – von der Telefonberatung bis zum ausführlichen Gesprächstermin zu Hause. Letzterer kostet um die 30 Euro, erklärt der Lilienthaler Energieberater Jörg Büschking – in Bremen genauso wie in Niedersachsen. Wer unter www.verbraucherzentrale-niedersachsen.de nach Infos sucht, findet diverse Tipps zum Thema Bauen und Energiesparen. Unter 0511/ 91 19 60 ist die Verbraucherzentrale in Hannover montags bis donnerstags von 9 bis 17 Uhr zu erreichen, freitags bis 14 Uhr.


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Leserkommentare
holger_sell am 20.10.2019 15:36
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holger_sell am 20.10.2019 15:30
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