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Prozess wegen Untreue
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Angeklagter ohne jedes Unrechtsbewusstsein

Lars Fischer 07.10.2019 0 Kommentare

Neben einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten, für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt, kamen für den Angeklagten noch eine Geldauflage von 1000 Euro und ein Ordnungsgeld von 300 Euro zusammen.
Neben einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten, für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt, kamen für den Angeklagten noch eine Geldauflage von 1000 Euro und ein Ordnungsgeld von 300 Euro zusammen. (Peter Steffen/DPA)

Osterholz-Scharmbeck/Lilienthal. Dieser 43-jährige Angeklagte aus Lilienthal machte es Strafrichterin Johanna Kopischke nicht leicht, den Prozess gegen ihn zu führen. Immer wieder mal fiel er der Richterin, dem Zeugen und der Vertreterin der Staatsanwaltschaft ins Wort oder protestierte lauthals. Selbst bei der Urteilsbegründung konnte er seinen Mund nicht halten. Da platzte der Richterin dann doch der Kragen, nachdem sie ihn wiederholt ermahnt hatte. Sie brummte ihm ein Ordnungsgeld von 300 Euro auf.

Vor dem Kadi stand der 43-Jährige wegen Untreue. Als Geschäftsführer einer inzwischen in Insolvenz gegangenen Abbruch- und Sanierungsfirma und GmbH hatte er von Juli bis November 2018 gut 8000 Euro vom Geschäftskonto abgezweigt. Das Geld ging hauptsächlich weg für Mieten, allein gut 3500 Euro für den Urlaub. Dieses Konto war aber ein reines Geschäftskonto der GmbH. Insofern war es nicht so ohne Weiteres statthaft, es für rein private Zwecke zu nutzen.

Als Zeuge dazu wurde ein 36-jähriger Bürger der Russischen Föderation von Strafrichterin Johann Kopischke vernommen. Der hatte in das Unternehmen investiert. Insofern war er der festen Überzeugung, nur ein Investor gewesen zu sein. Allerdings hatte er aufgrund mangelhafter Übersetzung vom Deutschen ins Russische nicht verstanden, dass er ebenfalls als Geschäftsführer eingetragen gewesen war.

Er sei über die finanziellen Transaktionen des Lilienthalers nicht oder kaum informiert gewesen, sagte der Zeuge aus. Außerdem bekundete er zweimal im Verlaufe der Beweisaufnahme, dass er „Angst vor diesem Herrn“ habe. Die Aussagen des 36-Jährigen kommentierte der Angeklagte mit einem grimmigen „Unverschämtheit“. Der 43-Jährige ist alles andere als ein unbeschriebenes Blatt: Zehn Voreintragungen im Bundeszentralregister schlugen bei der Strafzumessung zu Buche. Mehrfach war Betrug darunter, einmal Nötigung. Die erste Eintragung stammt bereits aus dem Jahr 2003.

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft beantragte deshalb eine Freiheitsstrafe von einem Jahr, für vier Jahre zur Bewährung ausgesetzt. In ihrem Plädoyer verwies sie darauf, dass die Aussagen des Zeugen „klar und schlüssig“ waren. Nach ihrer Überzeugung hatte der Angeklagte gegen den Paragrafen 266 des Strafgesetzbuches, verstoßen. Hier geht es um Untreue und den Missbrauch von anvertrautem fremden Vermögen. Da er kein Geständnis abgelegt habe, könne auch dies auch nicht strafmildernd berücksichtigt werden, so die Juristin.

Ihr zufolge weist das Bundeszentralregister auch „ein persönliches Muster der Betrugstatbestände“ auf. „Das war nicht das erste Mal. Das war eine Serientat. Sie haben hohen Schaden angerichtet. Deshalb ist hier eine Geldstrafe nicht mehr ausreichend.“ Von früheren Geldstrafen schien sich der Lilienthaler „unbeeindruckt“ zu zeigen, warf sie ihm vor.

Empört reagierte der 43-Jährige auf Antrag und Begründung. „Dagegen lege ich Widerspruch ein“, schleuderte er seinen Unmut in den Saal. Der 36-Jährige habe gewusst, dass er auch Geschäftsführer sei, beharrte der Lilienthaler auf seiner Sichtweise. „Der kann hier nicht sagen, er sei nur ein Investor.“ Das Ganze sei „unfair“, so der Angeklagte. „Das Strafmaß ist unangemessen“, schimpfte er.

Strafrichterin Kopischke verurteilte den Lilienthaler zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten. Sie setzte diese Strafe für drei Jahre zur Bewährung aus. Hinzu kommt eine Geldauflage von 1000 Euro. Die Ausgaben von gut 8000 Euro seien „vorher nicht abgesegnet“ gewesen, befand die Richterin. „Ein Unrechtsbewusstsein sehe ich bei Ihnen überhaupt nicht“, rügte sie weiter den Angeklagten.


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Leserkommentare
Lemurer am 23.10.2019 10:41
Noch nicht gemerkt? Die redaktionelle Qualität der WK Artikel hat bald Bild-Zeitungsniveau erreicht.
Lemurer am 23.10.2019 10:39
Dem Mann ist also ein realer Terrorakt mit evtl. Toten lieber als ein Fehlalarm? Soll er seine Tochter ruhig von der Schule nehmen.
Oder ...