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„Borgfeld platzt aus den Nähten“

Antje Stürmann 05.12.2018 0 Kommentare

Glaubt an die Zukunft des Einzelhandels in Borgfeld: Sebastian Gunschera.
Glaubt an die Zukunft des Einzelhandels in Borgfeld: Sebastian Gunschera. (Shirin Abedi)

Herr Gunschera, brummt in Borgfeld das Geschäft?

Sebastian Gunschera: Es könnte mehr brummen. Ob es überhaupt brummt, ist branchenabhängig. Bei IN-Borgfeld geht es aber nicht nur darum, ob das Geschäft brummt. Der Stadtteil soll brummen.

Sie sind erst seit Kurzem Vorsitzender der Interessengemeinschaft IN-Borgfeld. Warum ist es aus ihrer Sicht nötig, dass Geschäftsleute, die seit Jahrzehnten auch ohne Netzwerk gut klarkommen, nun gemeinsam in Erscheinung treten?

Weil sich in anderen Stadtteilen erstens auch Interessengemeinschaften bilden. Zweitens gibt es im Umfeld genügend Geschäftsräume, also Einkaufsmöglichkeiten – und damit Konkurrenz für die Borgfelder Geschäftsleute. Das ist eine von vielen Motivationen, unserem Netzwerk beizutreten. Eine andere sind die Möglichkeiten, Kunden, Patienten oder Klienten in Borgfeld zu halten. Wir organisieren Events, wie nächste Woche die Nikolaus-Veranstaltung. So bemühen wir uns, dass Borgfelder, aber auch Leute aus anderen Stadtteilen kommen und uns als Borgfelder kennenlernen. Diese Events organisieren wir auch, aber nicht nur aus einer wirtschaftlichen Motivation heraus.

Beim Runden Tisch sprachen Sie jüngst von zusätzlichen Anstrengungen, die nötig sind, um die Abwanderung von Geschäften in die konkurrierenden Zentren Horn-Lehe und Lilienthal zu verhindern. Wie groß ist der Druck auf die Borgfelder Geschäftsleute?

Es geht da weniger um Druck. Es geht eher darum, den Stadtteil als solches, auch mit seinen Geschäftsräumen, zu erhalten. Das Stadtbild von Borgfeld liegt mir persönlich sehr am Herzen: Wir haben den Markt in der Mitte, die Geschäfte drum herum. Diese Struktur fördert auch das Zusammensein im Stadtteil, den Austausch zwischen den Bürgern, aber natürlich auch die Geschäfte in Borgfeld. In Horn-Lehe zum Beispiel ist es auch schön. Da gibt es einen Supermarkt und das Mühlenviertel, wo es gebündelt viele Möglichkeiten zum Einkaufen gibt. Aber es gibt keinen Treffpunkt. Die vielen Einkaufsmöglichkeiten in Horn-Lehe können auch für mich als Borgfelder interessant sein. Den Borgfeldern klar zu machen, dass sie auch gut in Borgfeld einkaufen können, darum geht es.

Spüren die Borgfelder Geschäftsleute eigentlich, dass Lilienthal wächst?

Ich kann nicht für alle sprechen. In meiner Branche bemerke ich die Lilienthaler nicht so sehr. Aber es gibt tatsächlich andere, die sagen können, dass Lilienthal wächst. Da müsste man jeden Einzelnen im Netzwerk fragen, wie er das empfindet. Borgfeld wächst ja auch als Stadtteil. Und dem müssen wir vor allem gerecht werden, und nicht den Lilienthalern.

Sie sind Physiotherapeut, ihr Fachgebiet ist die Gesundheit. Reichen die bestehenden gesundheitlichen Einrichtungen für die rasant gestiegene Anzahl der Einwohner in Borgfeld aus?

Mein Eindruck ist, dass wir, zumindest was die hausärztliche Versorgung angeht, gut aufgestellt sind. Wir haben mehrere hausärztliche Gemeinschaftspraxen in Borgfeld. Was die Fachärzte angeht, gibt es aufgrund der Größe des Stadtteils noch Potenzial. Es könnten sich noch einige Fachgebiete in dem Bereich ansiedeln.

An wen oder was denken Sie konkret?

Aus meinem Fachbereich heraus gesagt: Wir haben keinen Facharzt für Orthopädie hier und auch keinen Kardiologen.

Was glauben Sie: Wie muss sich Borgfeld insgesamt aufstellen, um ein attraktiver Einkaufs- und Wohnort zu bleiben?

Wir als Netzwerk sind auch angetreten, um gemeinsam mit der Gemeinde Borgfeld nach Lösungen auf diese Frage zu suchen – und dabei ein politisches Gewicht zu haben. Wir wollen den Ortsteil und den geschäftlichen Teil mitgestalten. Aus meiner Sicht ist es wichtig, dass man den Ortskern aufgrund der Größe des Stadtteils erweitert, damit noch mehr Geschäftsräume ermöglicht werden – und das nah am Ortskern. Das umzusetzen ist sehr schwierig, weil Borgfeld schon aus allen Nähten platzt.

Sie wollen gegen die Onlinehändler antreten. Was haben Sie vor?

Es gibt mehrere Gründe, warum das Einkaufen im Ort kein Auslaufmodell ist, sondern etwas, das in Zukunft genauso gut funktionieren kann. Dazu gehört nicht nur der Kontakt mit der Fachperson, sondern auch der Austausch mit dem Umfeld. Wenn ich zu Hause an meinem PC oder Tablet einen Klick mache, ist das einfach, aber es kann weitreichende Folgen haben. Es kann das Stadtbild enorm verändern. Das wirkt dem entgegen, was Borgfeld in den letzten 15 Jahren durchgemacht hat. Der Stadtteil ist sehr groß geworden, was die Einwohnerzahl angeht. Sollte es künftig weniger Geschäftsräume geben, stünde das dieser Entwicklung entgegen. Aber soweit wird es nicht kommen, denke ich. Entscheidend ist, dass wir auch Kunden in Borgfeld halten, die Fachspezifisches suchen.

Mit welchen Pfunden wollen Sie denn da wuchern?

Mit persönlichem Kontakt und mit fachkundigem Verkauf – ob es ein Fernseher ist, ein Geschenkartikel oder Bekleidung, es ist alles da. Und wir als Geschäftsleute müssen damit rausgehen und zeigen, dass einkaufen auch in Borgfeld möglich ist.

Im September gab es 15 Mitglieder bei IN-Borgfeld. Ist die Anzahl der Aktiven inzwischen gestiegen?

Ich meine, es sind inzwischen 23 oder 24. Wir wachsen und liegen über den Erwartungen. Wir wollen natürlich auch weiterhin Geschäftsleute gewinnen. An einem gemeinsamen Strang zieht es sich leichter.

Was wünscht sich der Vorsitzende von IN-Borgfeld vom Weihnachtsmann?

...dass wir als Netzwerk weiterhin neugierig, aktiv und tatkräftig bleiben. Und dass wir als Geschäftsleute erkennen, dass ein Stillstand nicht gut ist und wir mit dem Stadtteil wachsen müssen. 

Das Interview führte Antje Stürmann.

Zur Person

Sebastian Gunschera

wurde 1986 in Bremen geboren und ist in Borgfeld aufgewachsen. Er ist seit zehn Jahren Physiotherapeut und hat vor vier Jahren seine Ausbildung zum Bachelor Internationale Physiotherapie im australischen Perth beendet. Gunschera führt seit 2011 eine Praxis für Physiotherapie und medizinische Fitness. Seit Januar ist er Vorsitzender der Interessengemeinschaft IN-Borgfeld.


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Leserkommentare
rmonsees am 22.10.2019 08:33
In Luxemburg beispielsweise, während des dortigen Volksfestes -der "Schueberfouer"- kann der ÖPNV ab 19 Uhr zum und vom Festplatz kostenfrei genutzt ...
axp am 22.10.2019 08:29
na ja, ich denke nicht, das die Bevölkerung hier aufgehetzt wird. Es ist eher so, dass langsam aber sicher immer mehr Menschen mitbekommen, das die ...