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Männergesangsverein Concordia
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Chorknaben sind in die Jahre gekommen

Lars Fischer 13.05.2019 0 Kommentare

Seit 156 Jahren gibt es den Männergesangsverein Concordia aus Worpswede. Aktuell steht der Traditionsverein vor großen Herausforderungen: Ein Nachfolger für den im April überraschend gestorbenen Dirigenten Günter Hildebrandt ist gefunden, das
Seit 156 Jahren gibt es den Männergesangsverein Concordia aus Worpswede. Aktuell steht der Traditionsverein vor großen Herausforderungen: Ein Nachfolger für den im April überraschend gestorbenen Dirigenten Günter Hildebrandt ist gefunden, das Problem der Überalterung und des Mitgliederschwunds aber bleibt. (Michael Böhme)

Worpswede. Es sind nur zwei Bedingungen, die man beim Männergesangsverein Concordia erfüllen muss: Lust am Singen sollten die Mitglieder mitbringen, und sie müssen – so will es schon der Vereinsname – eben Männer sein. Das hat Tradition in Worpswede, der erste Ton der Concorden erklang im Jahr 1863. Ob der Chor auch Zukunft hat, ist zumindest langfristig fraglich. Sein akutes und größtes Problem hat er zumindest gelöst: Es gibt einen neuen Dirigenten, der in die Fußstapfen des langjährigen Leiters Günter Hildebrandt tritt. Aber der Mitgliederschwund ist alarmierend, die Chorknaben sind gehörig in die Jahre gekommen.

Norbert Vagt, der Vereinsvorsitzende, und Pressesprecher Michael Böhme reden nicht um den heißen Brei herum: Ihr Verein ist vom Aussterben bedroht. Als sie 2013 ihren 150. Geburtstag feierten, waren sie noch knapp 50 Aktive, sechs Jahre später sind es nur noch 25. Der Älteste ist heute über 90 Jahre alt und seit 70 Jahren dabei, der Jüngste zählt auch schon 51 Jahre. Vagt selber ist seit 38 Jahren Mitglied, Böhme mit „erst“ knapp zwei Jahrzehnten fast noch ein Neueinsteiger. Wie so viele andere sind sie einfach mit Freunden oder Verwandten zum Männergesangsverein gekommen. „Mein Nachbar hatte eine super Stimme, an den habe ich mich einfach dran gehängt“, erzählt Böhme. Je weniger sie werden, umso schwieriger wird dieses Prinzip, denn wenn nur noch ein gutes Dutzend singt, dann wird es für weniger Talentierte unmöglich, sich ins zweite Glied zu stellen.

Den Spaß aber will der Verein hochhalten, die Geselligkeit ist ihnen genauso wichtig wie der gute Ton – und der kommt erfahrungsgemäß leichter hin, wenn man die Kehle auch mal ein wenig „ölt“. Austritte haben die Concorden kaum zu verzeichnen, doch die Überalterung bringt es mit sich, dass viele langjährige Stützen irgendwann nicht mehr aktiv sein können. Auch Todesfälle hatten sie schon so einige zu verkraften, aber als im April dann ihr Dirigent Güter Hildebrandt völlig überraschend starb, stand der Chor unter Schock. Seit 1990 hatte Hildebrandt den Stab in der Hand, mit einer sechsjährigen Unterbrechung. Als Vereinsmitglied und Worpsweder war er eng verbunden mit seinen Sangesfreunden. Er wurde von seiner Vorgängerin Adelheid Geck – der einzigen Frau im Verein in 156 Jahren –  langsam aufgebaut und angelernt, machte einige Fortbildungen und absolvierte schließlich mit Vereinsunterstützung die Prüfungen zum Dirigenten.

Dieser Weg stand nun in diesem Jahr nicht offen. Das Mai- und Pfingstsingen fiel aus, aber im Herbst will Concordia wieder von sich hören lassen. Von jetzt auf gleich musste eine Nachfolge gefunden werden. Wie in der Popmusik gab es ein Casting, immerhin zwei Kandidaten standen bereit. Die Wahl fiel auf Ralph Hiob. Der Kirchenmusiker aus Bremen-St. Magnus leitet bereits den Singkreis Hüttenbusch; beim jährlichen Worpsweder Chortreffen hatte man sich schon ein wenig gegenseitig kennenlernen können. Von ihm erhoffen sich Vagt und Böhme frische Impulse, die neue Mitglieder anziehen könnten.

Aber sie setzen auf moderate Modernisierungen: Vielleicht mal einen Schlager von Udo Jürgens oder Songs der Comedian Harmonists wollen sie ins Programm nehmen. Gesungen wird auf Hochdeutsch oder Platt, Englisch soll die Ausnahme bleiben. „Das sprechen die meisten bei uns gar nicht, dann kann man das auch nicht gut singen“, ist Böhme überzeugt. Und den Verein dann doch für Frauen öffnen? Davon halten die beiden Sänger wenig. Sie setzen auf das Alleinstellungsmerkmal, Concordia sei der einzige Männergesangsverein im Landkreis, abgesehen von Shanty-Chören hätten rein männliche Gesangsensembles Seltenheitswert in Norddeutschland. „Wir singen immer vierstimmig“, berichtet Norbert Vagt und es sei schon ein besonderer Klang, wenn zwei Dutzend Kerle gemeinsam ihre Stimmen erheben. Bei den Feiern seien die Partnerinnen immer dabei, beim Singen bleibe man lieber unter sich. „Man muss auch mal was allein machen“, findet der Vereinschef.

Allerdings hoffen die Sänger auf neue Mitglieder. Sie proben jeden Dienstag zwischen 19 und 21 Uhr im Gemeindehaus Alte Schule, An der Kirche 5 in Worpswede. Interessierte können einfach dazukommen und sich ausprobieren – so sie denn die maßgeblichen Bedingungen erfüllen.


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Leserkommentare
holger_sell am 20.10.2019 15:36
Kultur ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor und gerade auch in Bremen ein Magnet für den Tourismus.
Außerdem ist Kulturbewusstsein ein großer ...
holger_sell am 20.10.2019 15:30
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