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Status Quo im Interview
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„Das ist immer noch irreal“

Alexander Bösch 07.08.2018 0 Kommentare

Francis Rossi und Status Quo sind an diesem Sonnabend, 11. August, bei der Ritterhuder Torfnacht zu erleben.
Francis Rossi und Status Quo sind an diesem Sonnabend, 11. August, bei der Ritterhuder Torfnacht zu erleben. (Martial Trezzini/DPA)

Herr Rossi, der Tod von Rick Parfitt ist jetzt eineinhalb Jahre her – wie sind Sie damit umgegangen?

Francis Rossi: Das ist immer noch irgendwie irreal. Neulich habe ich geträumt, wir wären im Proberaum. Ich habe gesagt: "Mensch Rick, was ist denn los, du musst doch dabei sein, wenn wir spielen!“ Wenn er nur aus irgendwelchen Gründen aus der Band ausgestiegen wäre, wäre das eine Sache. Die Tatsache, dass Rick jetzt aber gar nicht mehr auf diesem Planeten weilt, ist irgendwie kaum fassbar.

Rick Parfitt hatte bereits 1997 einen vierfachen Bypass bekommen und 2016 nach einem Konzert in Antalya einen Herzinfarkt erlitten. Eigentlich war angedacht, dass er auf einer anstehenden Akkustiktour spielen sollte.

Ja, wir hatten überlegt, dass er seinen Part abliefern könnte, aber er wäre auch dafür schon zu schwach gewesen. Nachdem er den Herzinfarkt in der Türkei erlitten hatte, war er einfach nicht mehr derselbe. Rick hat immer gesagt, es wäre jetzt wohl „Payback time“. Er müsse wohl wegen seiner Alkohol- und Drogeneskapaden einen Tribut zahlen.


Nach Komplikationen bei einer Schulter-OP starb Rick Parfitt an den Folgen einer Infektion in Marbella. Nicht wenige hatten damit gerechnet, dass dies das endgültige Ende von Status Quo bedeuten würde.

Dafür, dass ich gleich danach eine Tour initiiert habe und wir mit neuen Musikern weitermachen, bin ich durchaus von dem einen oder anderen angefeindet worden. Unseren neuen Gitarristen Richie Malone hatten wir ja schon im Herbst 2016 verpflichtet, später kam Drummer Leon Cave dazu. Die beiden Neuen haben uns alten Herren aber letztlich einen gewaltigen Tritt in den Allerwertesten verpasst. Natürlich wird es nie mehr so sein wie mit Rick, aber die neuen Quo sind elektrisierend und mitreißend!

Status Quo wurden anfangs als Band mit den ewig gleichen drei Akkorden belächelt...

Alle Genres, die ich mag, basieren letztlich auf drei Akkorden: Country, Blues und Pop. Es gibt auch Songs mit mehr als drei Akkorden, die trotzdem beschissen klingen. Mein ältester Sohn hat neulich unseren Song „Rearrange“ gehört und gesagt, "Mensch Papa, da sind ja viel mehr als nur drei Akkorde dabei!"

Am Anfang hatten Berater versucht, die Band musikalisch zu verbiegen.

Eigentlich waren wir eine Rockband mit einem Soul-Repertoire und einem Psychedelic-Style. Wir wollten eine Mischung aus Rock, Country, Rhythm'n'Blues und Boogie Woogie machen. Es gab aber immer Leute, die Status Quo anders haben wollten. „Wir wollen nicht, dass ihr Country spielt, wir wollen nicht, dass ihr Pop spielt..." Jeder hatte einen anderen Wunsch.

Mit Blick auf den extravaganten Modestil hat sich die Band in den Anfangsjahren auch weniger wohl gefühlt?

Klar, wir waren nicht so cool wie die ganzen anderen Psychedelic-Bands. Dieser Modestil passte auf der Bühne einfach nicht zu uns. Es gab damals einen angesagten Modeladen in London, wo sich alle eingekleidet haben – Jimi Hendrix, Marmelade, Amen Corner. Das wirkte bei uns immer aufgesetzt.

Mit dem Albumtitel „In search of the fouth chord“ („Auf der Suche nach dem vierten Akkord“) hat sich die Band 2007 mit Blick auf ihr Image selbst auf die Schippe genommen, oder?

Wir haben uns ohnehin nie besonders um ein spezielles Image bemüht. Ich weiß noch, wie 1971 ein Journalist zu uns sagte, er würde unser "neues Image" mögen. Ich wusste damals gar nicht, was das überhaupt sein soll. Wir wollten damals vor allem Platten verkaufen und reich werden. Ein Schriftsteller will ja auch, dass sich sein Roman verkauft. Als wir unseren ersten Plattenvertrag dann in der Tasche hatten, fühlte sich das schon gar nicht mehr so toll an.

„Rockin‘ all over the world“ von 1977 dürfte noch immer das bekannteste musikalische Aushängeschild der Band sein. Geschrieben wurde der Evergreen von John Fogerty von Creedence Clearwater Revival.

Der im übrigen kein besonders angenehmer Mensch ist! Wir hatten mal das Vergnügen, zusammen aufzutreten. Unser damaliger Bassist Alan Lancaster mochte „Rockin‘ all the world“ nicht, da haben wir bei „Top of the Pops“ statt ihm eine lebensgroße Puppe auftreten lassen. Aber es stimmt schon, den Song kennt einfach jeder. Da gibt’s die unterschiedlichsten Versionen, ob Zigeunerversion, Heavy Metal oder Trash... ist doch klasse!

Den einzigen Nummer 1-Hit in Deutschland bei über 100 veröffentlichten Singles hatten Status Quo mit „In the army now“ Ende 1986. Kennen Sie die deutsche Version „Du musst zur Bundeswehr“? Oder die deutsche Version von „What you‘re proposing“?

Oh ja, das war doch diese hübsche Désirée Nosbusch, oder? „Was Du gärn möschtest“ hieß das! Das mit der Bundeswehr kenne ich nicht, aber das klingt lustig.

Nach Skandalen sucht man in der Biografie von Status Quo vergeblich. Bis auf einen berüchtigten Vorfall im Jahr 1977, als drei Bandmitglieder in Wien für eine Nacht ins Gefängnis mussten.

Ja, da hatte Alan Lancaster einen Securitymann am Flughafen etwas unwirsch angeschnauzt, weil der einige Sachen falsch verstanden hatte. Alan ist dann leider ein bisschen ausgerastet. Für eine Kaution von 3800 Pfund kamen wir aber am nächsten Tag alle wieder frei.

Als der Sender Radio 1 1996 das mit den Beach Boys aufgenommene Cover „Fun fun fun“ nicht spielen wollte, weil beide Bands angeblich zu alt für das Programm wären, sind Sie da auf die Barrikaden gegangen?

Ich fand das Argument schwachsinnig, da haben wir uns einen richtigen Streit mit den Verantwortlichen geliefert. Heutzutage gibt es so viele Radiostationen im Internet, da kann sich jeder den Mix aussuchen, den er mag. Unsere tolle Zukunft, man hat so viel Auswahl, dass man den Überblick verliert! Solche originellen neuartigen Titel wie „My dindaling“ von Chuck Berry oder „Shut up your face“ von Joe Dolce werden heutzutage doch gar nicht mehr produziert.

Sie sehen Popmusik generell als Produkt an?

Darüber hatte ich gerade ein Streitgespräch mit einem DJ. Der war nicht einverstanden damit, dass ich von seiner Musik als „Produkt“ sprach. Solange man das im stillen Kämmerlein für sich macht, kann man es als „Musik“ oder „Kunst“ bezeichnen. Sobald es aber um eine Veröffentlichung und den Verkauf geht, wenn eine Marketingstrategie dranhängt und Menschen damit Geld verdienen, ist das ganze doch selbstverständlich ein Produkt!

Wird es während des Konzerts einen speziellen Tribut an Rick Parfitt geben?

Ja, in Gedenken an Rick haben wir zwei seiner Lieblingssongs, nämlich „Don’t Drive My Car“ und „Little Lady“, in die Setlist aufgenommen.

Das Interview führte Alexander Bösch.

Zur Person

Status Quo

Es war ein Schock für die Rockwelt, als Heiligabend 2016 Rick Parfitt im spanischen Marbella verstarb. Der flachsblonde Sänger, Gitarrist und Komponist hatte neben Francis Rossi (69) über Jahrzehnte zum Erscheinungsbild von Status Quo gehört. Wer jedoch glaubte, Rossi würde die Band nun auflösen, irrte. Am Sonnabend, 11. August, gastieren Status Quo in alter Frische mit zwei neuen Bandmitgliedern im Rahmen der Ritterhuder Torfnacht an der Hamme.

Zur Sache

Karten

Status Quo gastieren am Sonnabend, 11. August, ab 19.30 Uhr bei der Ritterhuder Torfnacht am Hamme-Forum. Karten gibt es ab 54 Euro.


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