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Lilienthaler Antikladen expandiert
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Das Kuriositätenkabinett

Silke Looden 17.04.2019 0 Kommentare

Alte Schätze wie dieses Akkordeon gibt es bei
Alte Schätze wie dieses Akkordeon gibt es bei "Antikes & Kurioses" zu erstehen. (Christian Kosak)

Ein uriges Schaukelpferd aus den 1930er-Jahren begrüßt die Kunden an der Hauptstraße 57 und zeigt den Weg in den Laden. "Antikes & Kurioses" gibt es seit mehr als 20 Jahren in Lilienthal. Der Name ist Programm. Hinter der Tür öffnet sich eine Welt voller wundersamer Dinge aus vergangenen Zeiten. Neben dem 200 Quadratmeter großen Geschäft im Zentrum verfügt Inhaber Martin Janssen noch über 100 Quadratmeter Ausstellungsräume am Stadskanaal. Jetzt kommt ein weiterer Standort im Gewerbegebiet Moorhausen mit knapp 400 Quadratmetern hinzu, denn das Geschäft platzt schon jetzt aus allen Nähten.

„Ich habe als Jugendlicher schon den Sperrmüll durchsucht und die Sachen dann auf dem Flohmarkt verkauft“, erzählt Antiquitätenhändler Martin Janssen. „Ich hatte immer irgendwo eine Garage mit alten Sachen.“ Vor 20 Jahren hat der inzwischen 55-Jährige sein Hobby zum Beruf gemacht. Seither macht der Lilienthaler Haushalts- und Geschäftsauflösungen, Entrümpelungen, aber auch Umzüge. „Es gibt nichts, was ich noch nicht gesehen habe“, sagt er und lacht. Von der Villa bis zum Messi-Haushalt, von der Autohalle bis zum Schrottplatz, Janssen checkt alles auf seinen Wiederverkaufswert. Dabei ist der Geschäftsmann selbst so jemand, den man eine Type nennt. Lebendig wippt sein inzwischen ergrauter Pferdeschwanz unter der schwarzen Schirmmütze. Bunt blitzt das Lederarmband mit den afrikanischen Perlen unter dem ebenfalls bunten Streifenhemd hervor. Martin Janssen ist so kurios wie sein Laden.

In drei Lagern stapeln sich die Waren auf 2000 Quadratmetern. „Wir wollen expandieren, damit wir uns besser präsentieren können“, erklärt der Händler, der inzwischen 15 Angestellte hat. Sie alle haben sehr unterschiedliche Jobs. Während die einen Möbel, Bilder, Spiegel, Uhren, Karten, Teppiche, Telefone, Koffer, Bücher, Schreibmaschinen, Lampen, Geschirr und Besteck von den Haushalts- und Geschäftsauflösungen mitbringen, verkaufen andere die Ware im Internet. „Wer einen speziellen Wunsch hat, kommt jedoch ins Geschäft“, weiß Janssen und erzählt von Liebhabern, die auf der Suche nach alten Instrumenten, Grammophonen oder Fotoapparaten sind. Auch Theaterleute und Filmschaffende aus Bremen kommen nach Lilienthal, um Requisiten für das Bühnenbild oder den Film-Set zu finden. „Dem Tatort habe ich eine 50er-Jahre-Ausstattung verkauft“, erzählt Janssen nicht ohne Stolz von seiner Kundschaft.

Der Gang durch den Laden ist eine Reise in längst vergangene Zeiten. Da steht die wuchtige Bremer Truhe aus dem Jahr 17. Jahrhundert neben den eher leichten Möbeln aus dem Art Déco. Ob Gründerzeit oder Biedermeier, Janssen hat alles – und was er nicht hat, kann er offenbar besorgen. Neuerdings verkauft er sogar Sachen aus Afrika, genauer aus Kenia, wo sein Bruder lebt und arbeitet. „Kein Trödel, sondern Fair Trade“, betont Janssen. Es seien vor allem Produkte aus sozialen Projekten. Deko-Engel aus getrockneten Bananenschalen, Tierfiguren aus alten Flipflops. Niemand würde diese Upcycling-Produkte mitten in Lilienthal vermuten. Aber Martin Janssen fühlt sich mit dem Ort verbunden. „Ich hätte Räumlichkeiten in Ritterhude oder Osterholz-Scharmbeck günstiger mieten können“, verrät er, „aber das Geschäft ist untrennbar mit Lilienthal verbunden.“

Wieder klingelt die Ladentür. Eine Kundin stöbert in alten Büchern. Ein Mitarbeiter kommt mit neuer Ware von einer Haushaltsauflösung zurück. „Alles Einzelstücke“, betont Janssen und kann zu den meisten eine Geschichte erzählen. Die kurioseste allerdings ist die von dem Schwan, der vor hundert Jahren in den Wümme-Wiesen im Eis festgefroren war, und ausgestopft vor dem Kamin einer alten Dame landete, deren Wohnung Janssen auflöste. Die alte Dame sei dann ins Altenheim gekommen, den Schwan mit dem Ruß am Gefieder habe er verkauft, schließt Janssen die Geschichte. Bereits verkauft ist auch das mächtige Sofa im vorderen Ausstellungsraum. Man fragt sich, wie das Möbelstück jemals durch die Tür passen soll. „Es wird schon gehen“, sagt Janssen und meint: „Wir brauchen tatsächlich mehr Platz.“

Weitere Informationen

Eröffnung im Mai

"Antikes & Kurioses" eröffnet am Donnerstag, 2. Mai, die neuen Geschäfts- und Lagerräume im Gewerbegebiet Moorhausen, Am Wolfsberg 4, in Lilienthal. Die zunächst für den heutigen Gründonnerstag geplante Eröffnung der inzwischen dritten Dependance in Lilienthal musste kurzfristig verschoben werden. Das Hauptgeschäft befindet sich nach wie vor an der Hauptstraße 57, weitere Ausstellungsräume mit Raritäten sind am Stadskanaal.


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Leserkommentare
erschreckerbaer am 22.10.2019 21:34
Ist doch in Ordnung.
Bis jetzt habe ich 48 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt.
Habe dafür Steuern bezahlt.
Würde ich mit 67 in ...
flutlicht am 22.10.2019 20:43
Lieber @Wk, wann hat Höffner denn nun die Fläche erworben? Mal schreiben Sie von 14 Jahren im Text und in der Einleitung von 11 Jahren. Was stimmt?