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Berufsorientierung gewinnt an Bedeutung
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„Der gerade Weg ist nicht der Normalfall“

Bernhard Komesker 16.05.2019 0 Kommentare

Ein zweiwöchiges Sozialpraktikum in der neunten Klasse und ein dreiwöchiges Beriebspraktikum in der elften Klasse sind am Gymnasium in Lilienthal Pflicht. Darüber hinaus bereitet die Schule auf vielfältige Weise auf die Berufswahl vor.
Ein zweiwöchiges Sozialpraktikum in der neunten Klasse und ein dreiwöchiges Beriebspraktikum in der elften Klasse sind am Gymnasium in Lilienthal Pflicht. Darüber hinaus bereitet die Schule auf vielfältige Weise auf die Berufswahl vor. (Maximilian von Lachner)

Lilienthal/Landkreis Osterholz. Die Berufswelt ist im Wandel und differenziert sich immer weiter aus. Für junge Menschen wird es dadurch immer schwieriger, sich zu orientieren und zu entscheiden. Die Schulen reagieren mit eigenen Hilfen und Angeboten darauf – die einen mehr, die anderen weniger. Der Oberstufenkoordinator Hans-Peter Esch vom Gymnasium Lilienthal informierte den Kreistagsausschuss für Bildung darüber, wie es an seiner Schule läuft.

Begünstigt durch die nötige Fachkräftesicherung im demografischen Wandel, ist das Thema in den Fokus der Kreispolitik und auch des Kultusministeriums geraten, das mittlerweile die Lehrpläne zugunsten einer besseren Berufsorientierung (BO) verändert hat. Wie Esch mitteilte, ist seit der Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium eine Wochenstunde als eigener BO-Unterricht für die elften Jahrgänge verpflichtend vorgesehen. Darin geht es um das Erkennen eigener Stärken und Schwächen, um die Informationsbeschaffung zur Berufs- und Studienwelt sowie um das Erstellen von Bewerbungsunterlagen. Hans-Peter Esch ist überzeugt: Die Komfortzone zu verlassen oder auch mit einer Absage umzugehen, derlei will gelernt sein. Daneben gibt es etliche Vorgaben im Fach Politik/Wirtschaft, beginnend mit dem zweiten Halbjahr der achten Klasse. „Hinter der Berufsorientierung stecken höchst individuelle Prozesse, die unterschiedliche Geschwindigkeiten haben und die sich daher auch nicht für den Nürnberger Trichter eignen“, betonte Esch. Am Gymnasium Lilienthal finde Berufsorientierung deshalb teils abgekoppelt vom Unterricht statt. Die Schüler sollten ihre Fähigkeiten entdecken, auch wenn diese in der Schule keine große Rolle spielen. Die Erfahrung lehre: „Der gerade Weg vom Gymnasium ins Studium ist nicht mehr der Normalfall.“ Neu sei außerdem die Schwierigkeit, die Fülle an verfügbaren Informationen zu sichten und zu gewichten.

Die Teilnahme am sogenannten Zukunftstag ist für Lilienthaler Gymnasiasten in der Unter- und Mittelstufe verpflichtend; die Schule erwägt nach den Angaben von Hans-Peter Esch außerdem, ein zweiwöchiges Sozialpraktikum für Neuntklässler einzuführen, das jeweils vor den Osterferien laufen soll; auch Betriebserkundungen finden im neunten Jahrgang statt, während die Zehntklässler das Berufsinformationszentrum aufsuchen. Eine Mitarbeiterin der Bremer Arbeitsagentur kommt von da an bis zum Abiturjahrgang auch regelmäßig zu individuellen Beratungsterminen in die Schule

Betriebserkundungen und ein dreiwöchiges Praktikum im Januar (mit Nachbereitung und benotetem Bericht) stehen im elften Jahrgang auf dem Stundenplan, so der Oberstufenkoordinator. Die Zwölftklässler erhalten dank Sponsorenhilfe spezielle Bewerbungstrainings; sie besuchen Messen und Hochschulinformationstage und unterziehen sich freiwilligen Beratungstests um herauszufinden, welches von sechs sogenannten Studienfeldern für sie geeignet sein könnte.

Zertifizierte Schule

Regelmäßige Zertifizierungen erlauben es dem Gymnasium Lilienthal als einziger Schule im Landkreis, für sich und sein Bildungsangebot mit dem Gütesiegel „ProBO – Schule-Wirtschaft“ zu werben; es wird für die Dauer von drei Jahren von der Landesschulbehörde in Zusammenarbeit mit Handels- und Handwerkskammer verliehen. Schulen können in dem Verfahren Punkte sammeln, indem sie zum Beispiel Betriebs- und Praxistage veranstalten, die Gründung von Schülerfirmen unterstützen oder Bewerbungstrainings anbieten.

Linke, Grüne und SPD lobten den Einsatz der Schule und erfuhren von der Verwaltung Näheres zu den Beiträgen des Bildungskontors, der Bildungsstätte Bredbeck und der Jugendberufsagentur (wir berichteten). Über Ausbildungsberufe, Studienmöglichkeiten und regionale Unternehmen informieren außerdem regelmäßig der Berufsorientierungstag und das Azubi-Speed-Dating der BBS sowie die „Bühne frei für Azubis“-Veranstaltung der Pro-Arbeit. Parallel hat die IHK Stade kürzlich ihr sogenanntes „MINTeresse-Projekt gestartet, das 15 ausgewählte Schülerinnen und Schüler mit örtlichen Arbeitgebern zusammenbringt.

Nach den Herbstferien startet die Metropolregion Nordwest darüber hinaus das dreijährige Projekt „Be oK“. Es richtet sich an insgesamt 20 Schulen aus Bremen, Bremerhaven und dem Landkreis Osterholz. Zusammen mit mehr als 50 Projektfirmen aus Industrie und Handwerk, Handel und Dienstleistung sind unter anderem Erlebnis-Projektwochen für rund 2100 Sechstklässler geplant, die auf eine Lebensplanung ohne berufliche Geschlechter- und Rollenklischees hinwirken sollen. Das Ganze wird wissenschaftlich begleitet und ausgewertet, damit nicht nur die Pilotprojekt-Teilnehmer etwas davon haben.


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Leserkommentare
Bevenser am 22.10.2019 17:47
Man muss sich nicht künstlich blöd stellen. Wie es geht sieht man z.B. in Österreich - und nicht nur da.
peteris am 22.10.2019 17:39
Werden diese Menschen "losgelassen", dann gibt es erst wieder einen Stop in Deutschland.

Bereiten" wir " uns schon einmal darauf vor. ...