Wetter: Regenschauer, 9 bis 15 °C
Forscher untersuchen Wilstedts Windpark
Der Artikel wurde zur Merkliste hinzugefügt.
Die Merkliste finden Sie oben links auf der Seite.

Der unhörbare Schall von Windspargeln

Irene Niehaus 29.09.2018 0 Kommentare

Was die Geräuschentwicklung angeht, gelten Wilstedts Windspargel als die am gründlichsten erforschten in Deutschland. Nun sollen die Studien fortgesetzt werden.
Was die Geräuschentwicklung angeht, gelten Wilstedts Windspargel als die am gründlichsten erforschten in Deutschland. Nun sollen die Studien fortgesetzt werden. (von Lachner)

Wilstedt. Windenergie finden die meisten eigentlich gut – solange die großen Windspargel nicht vor der eigenen Haustür stehen. Doch nicht nur optisch haben viele Menschen ein Problem mit Windparks: Anwohner klagen auch über den Lärm, den die Rotoren verursachen, vor allem nachts, wenn Verkehrslärm und andere Geräusche schwächer sind. Was die Geräuschentwicklung angeht, gilt der Wilstedter Windpark als der am gründlichsten untersuchte in Deutschland. In einer bundesweit einmaligen Studie haben Wissenschaftler der Universität Halle-Wittenberg zwischen 2012 und 2014 erforscht, wie sich Geräusche von Windkraftanlagen auf das Befinden von Anwohnern auswirken. Ergebnis: Vor allem nachts werden die Geräusche der Rotoren als störend empfunden. Nun sollen die Untersuchungen fortgesetzt werden. Die Experten wollen das Zusammenwirken akustischer und seismischer Schwingungen der  Windkraftanlagen erforschen. Dazu werden die Wilstedter in einer Bürgerversammlung am Donnerstag, 11. Oktober, informiert.

Dieses Mal geht es weniger um den Lärm als um die Entstehung und Ausbreitung des Schalls. Wilstedt diene weiterhin als Modell, sagt Johannes Pohl, Diplom-Psychologe am Institut für Psychologie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Die Untersuchung läuft im Rahmen eines vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderten großen Projektverbunds, an dem neun Institute und Organisationen beteiligt sind. Die Forscher wollen die seismischen Wellen analysieren, um mögliche Bodenübertragungen zu erfassen. Um es ganz genau zu wissen, wollen sie  auch Messungen in Gebäuden vornehmen.

Die Messungen vor Ort nehmen nach Angaben von Wilstedts Bürgermeister Traugott Riedesel das Geophysikalische Institut und das Institut für Bodenmechanik und Felsmechanik vor, beide vom Karlsruher Institut für Technologie und der Stuttgarter Lehrstuhl für Windenergie der Universität Stuttgart, sowie die WRD Wobben Research and Development GmbH. An den Befragungen seien zudem die AG Umwelt und Gesundheit der Universität Bielefeld und erneut die AG Gesundheits- und Umweltpsychologie der Uni Halle-Wittenberg beteiligt. Die WPD Windmanager GmbH & Co. KG unterstützt als Betreiberin das Projekt.

Seismische Schwingungen

Die Untersuchung in Wilstedt läuft im Rahmen des bundesweiten Projektverbunds „TremAc“, der die Planung, Entwicklung und Akzeptanz von Windkraftanlagen verbessern und objektive Kriterien für deren Emissionen entwickeln will. Hierfür erforschen die Experten nun das Zusammenwirken akustischer und seismischer Schwingungen von Windkraftanlagen. Ziel ist es, ein Rechenmodell zu erstellen, das beide Emissionen abbildet. Der Bund fördert „TremAc“ mit 1,85 Millionen Euro.

„Wir wollen die gesamte Wirkungskette von der Anlage bis zum Anwohner nachrechnen“, erklärt Theodoros Triantafyllidis, Koordinator des Projektverbunds TremAc und Leiter des Instituts für Bodenmechanik und Felsmechanik am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Im Projektverbund solle dabei eine einzige Modellierungskette die Rechenmodelle für alle schwingenden Anlagenteile und die Umgebung zusammenführen. Dazu gehören drehende Rotorblätter, Triebstrang, Gondelaufhängung und Turmstruktur, Fundament und Baugrund mit verschiedenen topografischen Geländeformen sowie Luft bis hin zu nahe gelegenen Wohngebäuden und Arbeitsstätten.

Die Wissenschaftler wollen Schwingungen, die sich in der Atmosphäre als akustische und zugleich im Untergrund als seismische Wellen ausbreiten, an einer einzelnen Windenergieanlage und in einem Windpark messen und die Rechenmodelle damit validieren. Parallel dazu sollen Anwohner mit Hilfe umweltmedizinischer und -psychologischer Fragebögen interviewt und subjektiv empfundene Beschwerden mit objektiven Messungen in Gebäuden in Beziehung gesetzt werden. Die Emission und Wahrnehmung von Geräuschen einerseits und Erschütterungen andererseits seien bislang zumeist isoliert betrachtet worden. Dies greife jedoch zu kurz, um zu verstehen, warum Anwohner über Belästigungen durch Windräder klagten, auch wenn die vorgeschriebenen Werte eingehalten würden und Menschen physiologisch gar nichts mehr hören dürften, so Triantafyllidis.

Deshalb sollen nun im Wilstedter Windpark insbesondere die Wechselwirkungen der verschiedenen Schallarten untersucht werden. Die erhofften Rechenmodelle sollen helfen, die akustischen Störfaktoren von geplanten Windkraftanlagen besser einzuschätzen und in Abhängigkeit von Anlagenleistung, Entfernung zur Wohnbebauung und Topografie realistische Grenzwerte zu definieren und kontinuierlich zu überprüfen, so die Wissenschaftler. Zudem wollen die Ingenieure die Wechselwirkungen zwischen einzelnen Anlagenkomponenten unter die Lupe nehmen, die Ursachen für die Emissionsorte erkunden und technische Lösungen entwickeln, die den Schall verringern.

Zur Sache

Studie zum Windpark

Die Untersuchung der akustischen und seismischen Schwingungen und die umfangreiche Studie wollen die Forscher in einer Bürgerversammlung erläutern. Dazu lädt die Gemeinde Wilstedt und das Projektteam für Donnerstag, 11. Oktober, um 20 Uhr im Vereinsgebäude des MTV Wilstedt (1. Etage), An der Reitbahn 3, in Wilstedt ein.


Meine Wümme-Region
Ihr Portal für die Wümme-Region

Herzlich willkommen in Ihrem Portal für die Wümme-Region. In diesem Portal informieren wir Sie über wichtige Nachrichten und Veranstaltungen aus Ihrer Region.

Ein Artikel von
Ein Syrer und sein neues Leben in Rotenburg
Samer Tannous ist Hochschullehrer aus Damaskus, lebt mit seiner Familie seit 2015 in Rotenburg und arbeitet dort als Französischlehrer. In der Wümme-Zeitung schreibt er wöchentlich über seine Erlebnisse.
Ihr Wetter in Bremen
Temperatur: 15 °C / 9 °C
Vormittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/Regenschauer.png
Nachmittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/Regen.png
  Regenwahrscheinlichkeit: 90 %
Die Sportmeldungen aus der Region
Veranstaltung für Ihre Region
Sonderthemen aus der Region
Sonderthemen aus der Region
Traueranzeigen
WESER-KURIER Kundenservice
Leserkommentare
onkelhenry am 19.10.2019 18:12
74 Jahre SPD!

Nirgendwo ist die Kluft zwischen arm und reich größer.
Schlechte Wirtschaft, schlechte Bildung ... von vielen ...
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...