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Die Bienenmutter
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Die Biene in der Welt des Buchs

Patricia Brandt 21.09.2019 0 Kommentare

Lesestoff für Herbst und Winter: Das Angebot reicht von kompakter Wissensvermittlung bis hin zu Biografien.
Lesestoff für Herbst und Winter: Das Angebot reicht von kompakter Wissensvermittlung bis hin zu Biografien. (Christian Kosak)

Seit Jahren steht das Buch „Das 1 x 1 des Imkerns“ von Friedrich Pohl auf ihrem Nachtschrank, verriet mir meine Imkerpatin Anke Scheffler-Hincke. Wenn man sich für Bienen interessiert oder sogar mit der Imkerei anfängt, hat man unweigerlich viele Fragen. Und Friedrich Pohl, der beim Veterinäramt Bremen beschäftigt ist, gilt vielen Bremer Imkern als eine Art Bienenflüsterer. Sein praxisnahes und recht fachspezifisches Buch gehört deshalb definitiv zu denen, die Neu-Imkern weiterhelfen. Daneben bietet der Buchmarkt aber noch viel mehr Lesestoff, der dem Thema Bienen gewidmet ist und auch für Nicht-Imker spannend zu lesen ist.

In ihrem Memoir  „Der Honigbus“ (S. Fischer, ISBN 978-3-10-397382-2) erzählt Meredith May, Imkerin in fünfter Generation, zum Beispiel auch für Laien und Anfänger auf allgemeinverständliche und manchmal sehr nachdenkliche Weise über die Lebenslektionen, die sie von den Bienen ihres Großvaters in Big Sur lernte. Von seinem Großvater lernt das Scheidungskind, wie die Bienen füreinander sorgen. „Es bestand kein Zweifel daran, dass eine Biene nur einen einzigen Daseinszweck hatte, nämlich bei ihrer Familie zu sein. Der Stock verhielt sich vorhersehbar, und das war beruhigend. Es war eine Familie, die sich nie auflöste.“ 

„Wie Bienen kollektiv entscheiden und was wir davon lernen können“ ist der Untertitel des älteren, aber immer noch lesenswerten Buchs „Bienendemokratie“ des renommierten Verhaltensforschers Thomas D. Seeley (Fischer Taschenbuch, ISBN: 978-3-596-19407-0). Seeley berichtet darin über die Forschungsarbeit von Jahrzehnten. Zum Beispiel erklärt er, warum es Ähnlichkeiten zwischen Bienenvölkern und dem Gehirn von Primaten gibt. Klingt sehr wissenschaftlich? Ist es auch. Aber Seeley schafft es dennoch, den Leser zu packen. Etwa wenn er von seinen Feldversuchen zur Wohnungssuche der Bienen berichtet: “Als ich ein paar Tage zuvor auf die Insel gekommen war und mich in meiner neuen Umgebung orientiert hatte, war mir gesagt worden, ich solle mich von den Privatgrundstücken der Fischer fernhalten, insbesondere von Rodneys Haus – er lege großen Wert auf seine Privatsphäre und habe hinter der Eingangstür eine geladene Flinte stehen.“ Natürlich besiedeln Seeleys Forschungsbienen kurz darauf Rodneys Ofenrohr. Und immer schafft es der Autor mit interessanten Rand-Aspekten seiner Arbeit zu überraschen: Man muss einfach weiterlesen, wenn er zum Beispiel berichtet, dass Kenntnisse darüber, wie asiatische Honigbienen ihre Exkremente loswerden, in den 1980er-Jahren zum Abbau von Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion beitrugen.

„Das Leben der Bienen ist ein Zauberbrunnen. Je mehr man aus ihm schöpft, desto reicher fließt er“, hat Karl von Frisch 1958 geschrieben. Von dem Nobelpreisträger wissen wir, wie Bienen kommunizieren. Tania Munz hat mit „Der Tanz der Bienen“ (Czernin Verlag 2018, ISBN: 978-3-7076-0648-5) 2016 ein Porträt des Wissenschaftlers vorgelegt, dessen Leben von den Bedingungen im Zweiten Weltkrieg erschwert wird. „Dass man ihn zum Vierteljuden erklärte, konfrontierte ihn mit Ungewissheit, was seinen Lebensunterhalt betraf...“

Tanias Munz ist dabei ganz dicht an der Person. Als 1948 die Rockefeller Foundation Frischs Reise in die Vereinigten Staaten fördert, schreibt sie: „Als ihr Flugzeug in New York landete, war von Frisch in schlechter Verfassung. Die Reise hatte ihn erschöpft… Nachdem er an der Cornell University seine erste Vorlesung gehalten hatte, kollabierte er…“

Wer keine Lust hat, sich durch 300-Seiten-Wälzer zu arbeiten, um mehr über die Insekten zu erfahren, dem sei „Das Einmaleins der Honigbiene“ von Jürgen Tautz und Tobias Hülswitt empfohlen (Springer 2018, ISBN: 978-3-662-58368-5). In 66 kurzen Kapiteln (die manchmal nur eine halbe Seite lang sind) vermittelt das Büchlein auf allgemeinverständliche Weise erstaunliches Wissen über Bienen zum Mitreden. Hier erfährt der Leser zum Beispiel, dass die Tänzerin bei dem von Frisch entdeckten Schwänzeltanz in Wirklichkeit gar nicht tanzt: „Denn beim Schwänzeln bleibt die Tänzerin mit ihren sechs Füßen so lange wie möglich fest dem Untergrund verhaftet, während ihr schnell schwingender Körper über den stehenden Füßen nach vorne kippt – daher die Illusion eines kurzen Laufs.“ Weitere Kapitel erzählen, womit Bienen riechen, wie es die Königin schafft, auf ihrem Paarungsflug sechs Millionen Samenzellen zu sammeln und wie weit eine Biene mit einer Honigmagenfüllung kommt.

Seit es in Bayern eine Initiative zu Blühstreifen gibt, ist mehr Menschen bewusst, dass Insekten Lebensräume benötigen. Doch auch die Folgen der Klimaveränderung und Pflanzenschutzmittel schwächen Bienen und ganze Völker. Mit Foto-Diagnosetafeln hilft der Bremer Bienensachverständige Friedrich Pohl mit seinem neuen „Handbuch Bienenkrankheiten – Vorbeugen, Erkennen, Behandeln“ (Kosmos, 2019, ISBN: 978-3-440-15609-4)  Imkern, Krankheiten und Erreger wie die gefürchtete Varroamilbe, die Amerikanische Faulbrut oder die Wachsmotte zu erkennen und zu behandeln.

In seinem Buch finden sich zudem Antworten auf unvorhergesehene Probleme, vor die sich ein Imker im Alltag gestellt sehen kann, wie zum Beispiel der Bienenbart. Ein Bienenbart entsteht, wenn untätige Flugbienen dicht aneinandergekettet am Boden des Kastens hängen und den Eingang, das Flugloch, quasi verstopfen. Friedrich Pohl beschreibt die verschiedenen Ursachen, möglichen Schäden und Verwechslungsgefahren bei der Diagnose. Schuld an einem Bienenbart kann nach Einschätzung des Autors Hitze sein. Aber auch Nahrungsmangel.

Bienen sichern mit ihrer Bestäubungsleistung die Erträge vieler Nutzpflanzen. Gleichzeitig sind die Insekten aber auf ein lückenloses Angebot angewiesen. Welche Pflanzen dafür sorgen, dass Bienen nicht verhungern, zeigt Günter Pritsch, emeritierter wissenschaftlicher Direktor des Bieneninstituts Hohen Neuendorf, in „Bienenweide verbessern“ (Kosmos, 2018, ISBN: 978-3-44015991-0).

Er hilft, 220 sogenannte Trachtpflanzen zu erkennen und bewerten. Die übersichtlichen Pflanzenporträts richten sich zwar an Imker, könnten aber auch umweltbewusste Hobbygärtner interessieren, die wissen wollen, welche Pflanzen zu welchen Zeiten Pollen und Nektar liefern, welchen Standort sie bevorzugen und wie die Blüten aussehen. Pritsch sagt uns sogar, welche Farbe die Pollen haben, die die Bienen in ihren Pollenhöschen an den Hinterbeinen zum Stock transportieren, und es mag überraschen, dass die „Pollenhöschenfarbe“ des Pracht-Storchschnabels blau ist.

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Bienen rücken immer mehr ins Blickfeld der breiten Öffentlichkeit. Imkern ist in. Doch wie kommt man zum Schwarm seines Lebens? In lockerer Folge berichte ich über meine ersten Schritte als Imkerin und das Abenteuer Bienenhaltung.


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Leserkommentare
Piuswelt am 23.10.2019 09:52
Es erschließt sich niemandem, warum dieses Thema nicht öffentlich behandelt werden soll. Im Übrigen erstaunt es mich, dass in Blumenthal die ...
supersuper am 23.10.2019 09:50
Zwangsmaßnahmen? Was ist das denn für eine Argumentation? Es gilt die STVO für alle und ohne Ausnahme.

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