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Gedenkstätte Neu Sankt Jürgen
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Die Hülle weicht, die Erinnerung bleibt

Lars Fischer 11.10.2019 0 Kommentare

Udo Grotheer packt beim Rückbau des halb verfallenen Häuschens mit an.
Udo Grotheer packt beim Rückbau des halb verfallenen Häuschens mit an. (Fotos: Lars Fischer)

Worpswede. Glas splittert, von oben rieselt Reet, aber immer wieder fallen auch dicke Eisendrähte zu Boden. Auf dieser Baustelle ist Vor- und Umsicht gefordert. Und das gilt nicht nur fürs Handwerkliche, sondern auch für den Umgang mit dem Vorhaben an sich. Heiko Pankoke, Vorsteher in der Worpsweder Ortschaft Neu Sankt Jürgen, hat das in den vergangenen Monaten hautnah erfahren. Denn es ist kein Neubau, den er mit einigen Ehrenamtlichen vom Heimatverein zu erledigen hat, es ist ein Abriss. Und der ist mit Erinnerungen und Emotionen verbunden, die weit zurückreichen, die aber in der Debatte alle wieder frisch hochkochten.

„Schreiben Sie bloß nicht, dass wir eine Gedenkstätte abreißen“, sagt Pankoke zum Berichterstatter. Es sei nur die äußere Hülle, die nun falle, einen Raum zum Gedenken an die Opfer der beiden Weltkriege hat man in Neu Sankt Jürgen schon lange woanders gefunden. Würdevoller und zukunftssicherer als in dem alten, halb verfallenen Gebäude an der Dorfstraße, dem nun der Abrissbagger zu Leibe rückt. Die Gedenktafeln mit den Namen der Gefallen und Vermissten, deren Nachfahren häufig heute noch im Dorf leben, sind schon seit vielen Jahren in der benachbarten Heimatstube untergebracht.

Zunächst muss das Reet vom Dach, dann kann der Bagger anrücken und nach und nach die Wände einreißen. Die Fachwerkbalken sollen heil ausgebaut werden und erhalten bleiben.
Zunächst muss das Reet vom Dach, dann kann der Bagger anrücken und nach und nach die Wände einreißen. Die Fachwerkbalken sollen heil ausgebaut werden und erhalten bleiben. (Lars Fischer)

Findling mit Inschrift

Es war, wie berichtet, eine schwierige Entscheidung, was mit dem kleinen Fachwerkhäuschen, in dem über Jahrzehnte die Gedenktafeln hängen, passieren sollte. Einig waren sich alle Beteiligten, dass es so nicht weitergehen konnte. Das Haus verfiel zusehends, die meisten Scheiben waren eingeschmissen, drinnen lag Müll herum. Es war nicht nur ein Schandfleck, es wurde auch mehr und mehr zu einem Sicherheitsrisiko, sollte sich doch noch einmal ein Besucher dorthin verirren. Das Besondere an der Konstellation: Das Gebäude stand auf Privatgrund, haftbar bei Unfällen wäre Eigentümer Stephan Ohlrogge gewesen, der das Land von seinen Eltern geerbt hat. Zuständig aber war und ist der Heimatverein, dem Ohlrogges Familie das Grundstück kostenfrei zur Verfügung gestellt hatte. Es gab Stimmen, die für eine Sanierung plädierten, andere meinten, ein Abriss wäre sinnvoll. Letztlich setzen sich Letztere klar durch, bei einer Bürgerversammlung lautete das Votum 17:1 für den Rückbau.

1952 hatten die Neu Sankt Jürgener die Gedenkstätte – finanziert aus Spendengeldern und in Eigenleistung der Dorfgemeinschaft – errichtet, nun ist es erneut eine Handvoll Bürger, die anpacken. Die Gemeinde Worpswede trägt die Entsorgungskosten, der Rest ist vor Ort zu leisten. Am Freitag galt es zunächst, das Reet vom Dach zu holen. Es muss ebenso getrennt entsorgt werden wie Steine, Glas und Holz. Die noch intakten dicken Fachwerkständer werden vorsichtig herausgelöst und für eine mögliche spätere Verwendung beiseitegelegt. Auch der Türbalken mit der Inschrift „Sie starben für uns“ soll erhalten bleiben. An diesem Sonnabend soll dann ab 9 Uhr der Bagger kommen; bis gegen 17 Uhr, so hoffen die Beteiligten, sei die Arbeit erledigt. Danach werde man sicher nicht feiern, so Pankoke, das wäre unangemessen. Aber erleichtert, dass man dieses schwierige Thema dann endlich abgeschlossen habe, das werde man allemal sein, versichert Ohlrogge.

Stephan Ohlrogge will das Grundstück mit einigen neu gepflanzten Buchen ein wenig aufforsten. Und an der Stelle des kleinen Hauses soll ein großer Findling ruhen. Er bekommt nicht nur eine Inschrift, die auf die frühere Bedeutung des Orts verweist und erklärt, wo man jetzt die Gedenktafeln findet, sondern auch ein Bild des alten Gebäudes. Dann könne im wahrsten Sinne des Wortes Gras über den Rest wachsen.


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Leserkommentare
erschreckerbaer am 22.10.2019 21:34
Ist doch in Ordnung.
Bis jetzt habe ich 48 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt.
Habe dafür Steuern bezahlt.
Würde ich mit 67 in ...
flutlicht am 22.10.2019 20:43
Lieber @Wk, wann hat Höffner denn nun die Fläche erworben? Mal schreiben Sie von 14 Jahren im Text und in der Einleitung von 11 Jahren. Was stimmt?