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Jagd auf invasive Arten
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Die Invasion der Nutria

Silke Looden 23.11.2018 0 Kommentare

Mit dieser Lebendfalle machen Florian Lucas, Heiko Wendelken und Timo Kahrs Jagd auf Nutrias, Marderhunde und Waschbären.
Mit dieser Lebendfalle machen Florian Lucas, Heiko Wendelken und Timo Kahrs Jagd auf Nutrias, Marderhunde und Waschbären. (Christian Kosak)

Lilienthal. Es ist kalt an diesem tristen Novembertag. Jäger Timo Kahrs schaut auf sein Smartphone. Das Display blinkt. Eine Meldung von der Lebendfalle in den Truper Blänken. Der Jungjäger aus Lilienthal macht sich auf den Weg in die Feldmark. Querfeldein geht es mit seinem geländegängigen Wagen bis zu jenem Graben, wo er die Falle platziert hat, um invasive Arten zu fangen. „Die gehören hier nicht hin“, erklärt der Jäger. 60 südamerikanische Sumpfbiber, kurz Nutrias, und vier asiatische Marderhunde haben die Jäger in diesem Jahr bereits im Truper Revier zur Strecke gebracht. Einen Waschbären haben sie noch nicht gefangen.

Bis zu dreimal im Jahr bekommt die Nutria sechs bis acht Junge, sodass sich der Bestand in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt hat, weiß der Vorsitzende der Kreisjägerschaft Florian Lucas. In Lilienthal sind die Nager erst seit ein paar Jahren unterwegs. Mehr als 550 Nutrias sind es nach Schätzungen der Jäger inzwischen, mehr als 1000 im Landkreis Osterholz. Damit hat sich der Bestand im Vergleich zum Vorjahr fast vervierfacht. Eingeschleppt wurden die Pflanzenfresser vor gut einhundert Jahren für die Pelzproduktion. Die Nachfahren entlaufener Farmtiere verdrängen nun heimische Arten. Denn Nutrias machen sich an Röhrichten zu schaffen und zerstören damit den Lebensraum in Ufernähe. „Es geht um die biologische Vielfalt“, erklärt Lucas.

Die Nutria ist aber auch eine Gefahr für den Hochwasserschutz. Sie baut unterirdische Gänge und durchlöchert damit die Uferböschungen von Wümme und Wörpe. „Das sieht dann aus wie ein Schweizer Käse“, beschreibt Timo Kahrs. Laien können die Nutria kaum von einer Bisamratte unterscheiden. Aus der Entfernung sind sie sich zum Verwechseln ähnlich. „Nutrias sind deutlich größer als Bisamratten“, weiß der Jäger. Er erkennt die Nutria vor allem an ihrem runden, schuppigen Schwanz und den orangenen Schneidezähnen. Wie bei einem Meerschweinchen guckt das Gebiss vorwitzig hervor.

Der Jungjäger steigt aus dem Wagen und schaut nach der Falle, die mit einem Sender, dem Trapmaster, versehen ist. Insgesamt vier Lebendfallen haben die Lilienthaler Jäger aufgestellt. Der längliche Käfig ist auf einem einfachen Holzbalken befestigt, der von einem zum anderen Ende des Wasserlaufs führt. Im Ufergras ist eine Fährte zu erkennen, rauf auf den Steg und wieder runter. „Hier ist ein Wildwechsel“, erklärt Kahrs, weshalb er genau diesen Standort ausgesucht hat. In der Falle befindet sich eine Wippe mit einem Köder. Der riecht nach Fischmehl – und das lockt die Wildtiere an.

Sobald die Wippe sich bewegt, schnappen die Klappen zu beiden Seiten zu. „Dann bekommen wir sofort eine Meldung und fahren hin“, erklärt Kahrs. Schließlich sollen die Tiere nicht länger als nötig leiden, bevor sie erlegt werden. Eine Strohmatte verdeckt das Gitter, sodass die Tiere in Gefangenschaft nicht in Panik geraten. Gleichzeitig ist die Ummantelung eine gute Tarnung im Schilf. Aber nicht immer tappt eine Nutria, ein Marderhund oder ein Waschbär in die Falle. „Wenn wir Feldhasen finden, lassen wir sie wieder frei“, erzählt Kahrs vom ungewollten Beifang der Jäger und betont. „Wir wollen die Tiere nicht quälen.“

Im Revier von Landwirt Heiko Wendelken macht sich eine weitere invasive Art breit. „Der Marderhund plündert die Nester der Wiesenbrüter“, berichtet der Landwirt aus Trupe. „Das ist ein Rückschlag für den Wiesenvogelschutz.“ Vier Marderhunde haben die Lilienthaler bereits  geschossen – und das ist erst der Anfang. Die Jäger sehen sich in der Pflicht, das natürliche Gleichgewicht wieder herzustellen, denn in der Natur können nur Luchse oder Wölfe dem Marderhund gefährlich werden.

Kahrs zeigt Aufnahmen von einer Kamera, die er in den Truper Blänken angebracht hat. Die Fotos zeigen zwei Marderhunde – offenbar ein Pärchen. „Marderhunde sind sich ein Leben lang treu“, weiß Lucas. Diese beiden haben offenbar die tote Gans entdeckt, die die Jäger als Köder vergraben haben. In der Dunkelheit machen sie sich an der leichten Beute zu schaffen. Timo Kahrs hofft, dass die Marderhunde anschließend den Weg über den präparierten Balken nehmen. Tun sie aber nicht. „Vielleicht beim nächsten Mal“, sagt Kahrs. Ein Jäger muss Geduld haben.

Einzelgänger mit Zorro-Maske

Einen Waschbären haben die Jäger noch nicht erwischt. „Die sind nicht nur nachtaktiv, sondern auch intelligent“, weiß Kahrs. Der Einzelgänger mit der Zorro-Maske ist nicht leicht aufzuspüren. Für ihn sind vor allem Bodenbrüter leichte Beute. Der Allesfresser stammt ursprünglich aus Nordamerika.

Andere invasive Arten wie der Mink, ein amerikanischer Nerz, sind in Lilienthal kein Thema, wohl aber die Nilgans. „Die Nilgans ist aggressiv und hat einen enormen Appetit“, erklärt Kahrs das Problem. Der afrikanische Zugvogel mit dem bunten Gefieder wurde als Ziervogel nach Europa eingeführt und gilt inzwischen als heimisch.

Der Jungjäger steckt sein Telefon wieder in die Tasche und wartet auf die nächste Meldung aus den Truper Blänken. „Die Falle ist 24 Stunden, sieben Tage die Woche im Einsatz“, sagt er stolz. Wenn das Display blinkt, fährt er wieder los, um hoffentlich die nächste Nutria, den nächsten Marderhund oder endlich einen Waschbären zu fangen.


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Ein Syrer und sein neues Leben in Rotenburg
Samer Tannous ist Hochschullehrer aus Damaskus, lebt mit seiner Familie seit 2015 in Rotenburg und arbeitet dort als Französischlehrer. In der Wümme-Zeitung schreibt er wöchentlich über seine Erlebnisse.
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Leserkommentare
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...
onkelhenry am 19.10.2019 17:00
Hallo @Suzi ....

Was Sie da immer so verstehen ;-)

Das erklärt auch, warum Sie so oft falsch liegen!

Ja zu ...