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Karin Schwattbunt aus Wilstedt
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Die Plattdeutsch-Rockröhre

Johannes Heeg 08.10.2019 0 Kommentare

Die Sängerin Karin Schwattbunt aus Wilstedt bildet mit Benny Rossmann, Michael Hirch und Martin Olding (vorne von links) die plattdeutsche Hardrock-Band Rockwark.
Die Sängerin Karin Schwattbunt aus Wilstedt bildet mit Benny Rossmann, Michael Hirch und Martin Olding (vorne von links) die plattdeutsche Hardrock-Band Rockwark. (Achim Kranich)

Wilstedt. Hardrock op Platt – geiht dat denn? Für Karin Schwattbunt ist die Sache klar: „Und wie das geht“, sagt die Wilstedterin, die genau das macht und einen Riesenspaß dabei hat. Sie verfasst plattdeutsche Texte, die sie mit ihrer Band Rockwark vertont und singt. Geprobt und aufgenommen werden die Songs zum Teil in einem ehemaligen Pferdestall neben ihrem Wohnhaus.

Es gibt eine kleine Vorgeschichte, die vor etwa vier Jahren begann. Karin Schwattbunt, die einen anderen bürgerlichen Namen hat, tat sich damals mit dem aus Tarmstedt stammenden, früheren Dimple-Minds-Drummer Michael Hirch zusammen, den sie schon ewig kannte. Die beiden starteten zunächst ein plattdeutsches Coverprojekt namens Schwattbunt. Die Versuche, Texte zum Beispiel von Amy Winehouse ins Niederdeutsche zu übersetzen, fanden sie allerdings beide nicht so überzeugend, es entstanden daher eigene plattdeutsche Texte zu bekannten Songs. Daraus wiederum entwickelte sich die Idee, etwas komplett Eigenes zu machen.

Das war die Geburtsstunde der Band Rockwark, zu der der Bremer Gitarrist und Musiklehrer Martin Olding und der Bassist Benny Rossmann gehören. Ihren Song „Stein“ veröffentlichte die Band im Juni 2018 auf YouTube. Dafür hat die Sängerin den früheren Bandnamen als Künstlernamen übernommen: „Das ist so schön zweideutig“, sagt die Wilstedterin. Einerseits denke man sofort an Kühe, andererseits enthalte der Name eine Botschaft: „Wir sind nicht einfarbig im Sinne von nicht eindimensional. Oder anders herum gesagt: Wir sind vielfältig und nicht langweilig. Das gefällt uns.“

Mittlerweile habe die Band genügend eigenes Material für ein einstündiges Konzert beisammen. Behandelt werden darin Themen, die die Musiker bewegen und berühren. In „Stein“ beispielsweise gehe es um das Thema Flüchtlinge und Entwurzelung. „Ganz un gor“ handelt von der Liebe, und bei „Blieben ode gohn“ geht es um Trauer, und „Goh wech“ setzt sich mit Stalking auseinander. Live zu hören waren die Stücke neulich beim Erntefest in Bülstedt.

Das alles auf Plattdeutsch zu singen „klingt einfach gut“, sagt Karin Schwattbunt. Die Wörter klingen weicher als im Hochdeutschen, meint sie. Das Aufschreiben der Texte gehe ihr viel leichter von der Hand, als sie ursprünglich gedacht habe. Dabei bezeichnet sie Niederdeutsch als „meine Muttersprache“. Die Eltern hätten das Erlernen der alten Heimatsprache zwar nicht besonders gefördert, aber auch nicht verhindert. Probleme habe es deswegen in der Schule nie gegeben. Daher sei es ihr wichtig, dass ihre eigenen Kinder zweisprachig aufwachsen. Ihr Mann und sie versuchten, den Kindern ihr Sprachgefühl mitzugeben. Kleines Detail am Rande: Beide Eltern sprechen zwar mit den Kindern zu Hause nur platt, untereinander allerdings unterhalten sie sich auf Hochdeutsch. Karin Schwattbunt erklärt das so: „Als mein Mann und ich uns kennengelernt haben, wussten wir nicht, dass der andere auch platt spricht. Wir haben es dann später versucht, aber nur gelacht dabei. Es ging einfach nicht.“

Karin Schwattbunt ist in Tarmstedt aufgewachsen, und nach dem Abitur in Zeven hat sie in Bremen Sozialpädagogik studiert. 18 Jahre hat sie danach bei der Wohnungslosenhilfe in Rotenburg gearbeitet, ehe sie zur Fachstelle Sucht nach Achim gewechselt ist, eine kirchliche Einrichtung. Ihr erstes Instrument war mit sechs Jahren die Blockflöte, sie war im Kinderchor der Salemsgemeinde Tarmstedt und in der Schülerband der KGS. „Ich habe schon immer auf der Bühne gestanden“, sagt sie.

Die Musik habe sie immer „gerettet“, sagt Karin Schwattbunt, gerade in schwierigen Zeiten sei sie „sehr beglückend“. Das Schreiben der Songs bezeichnet die  Musikerin als „ein Wunder“. Die Texte seien in ihr drin, beim Schreiben kämen sie einfach heraus. Häufig komme ihr eine Songidee beim Autofahren. Dann greife sie zum Handy und nehme das auf. Sie schreibe nicht nur über eigene Erlebnisse, sondern auch über Dinge, die die Gesellschaft beschäftigten „und die mich nachhaltig beeindrucken“. Die Songs entstehen später dann auf unterschiedliche Weise. Manchmal setze sie sich mit Stift und Papier hin und singe eine Melodie zu den ersten Textfragmenten. Es komme auch vor, dass der Gitarrist eine Melodie schicke oder Teile davon.

Musikalische Kostproben gibt es unter

sowie unter https://spoti.fi/2GwbMy8.


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Ein Syrer und sein neues Leben in Rotenburg
Samer Tannous ist Hochschullehrer aus Damaskus, lebt mit seiner Familie seit 2015 in Rotenburg und arbeitet dort als Französischlehrer. In der Wümme-Zeitung schreibt er wöchentlich über seine Erlebnisse.
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Leserkommentare
Gissmo am 23.10.2019 09:36
Danke für die konstruktive Antwort, man kann sich scheinbar ja doch noch ohne Beleidigungen hier im Kommentarbereich austoben, so machts doch allen ...
RalfBlumenthal am 23.10.2019 09:28
Was macht ein Ortsamtsleiter, der seinen Willen nicht bekommt ?
Er macht nichtöffentlich, was öffentlich gehört !
So geht das nicht, Herr ...