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Blumenbinderin Irmgard Sievers geht in Rente
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Ein Evergreen mitten im Moor

Klaus Göckeritz 29.12.2018 0 Kommentare

Irmgard Sievers (rechts) übergibt ihr Geschäft nach 31 Jahren an Tochter Sandra Heiß und verabschiedet sich am Sonntag von ihrer Kundschaft.
Irmgard Sievers (rechts) übergibt ihr Geschäft nach 31 Jahren an Tochter Sandra Heiß und verabschiedet sich am Sonntag von ihrer Kundschaft. (Klaus Göckeritz)

Die Adolphsdorfer Straße ist eine typische Moorstraße. Rund fünf Kilometer geht es an Äckern und Wiesen entlang immer geradeaus. Hier im Norden der Gemeinde Grasberg hat sich Irmgard Sievers vor nunmehr 31 Jahren selbstständig gemacht. Jetzt zieht sich die Blumenbinderin zurück und übergibt das Geschäft an Tochter Sandra. Ein Beispiel dafür, wie man auch abseits belebter Zentren erfolgreich sein kann – vorausgesetzt, man hat die richtigen Ideen. „Ich habe mir im Laufe der Zeit eine treue Kundschaft aufgebaut“, sagt die 65-Jährige.

Blumen waren schon immer das bevorzugte Metier der Adolphsdorferin. So lag es nahe, dass sie in jungen Jahren eine Ausbildung zur Blumenbinderin in Lilienthal machte und von den Erfahrungen ihrer Lehrherrin profitierte. Die habe ihr vermittelt, was sich aus und mit Blumen und anderen Pflanzen alles gestalten lässt und ihr in den drei Jahren der Ausbildung nicht nur Empathie, sondern auch eine solide handwerkliche Basis vermittelt. Als sich die geeigneten Räumlichkeiten anboten, fasste Irmgard Sievers den Entschluss: In der ehemaligen Niederlassung der Dom-Brauerei an der Adolphsdorfer Straße machte sie sich selbstständig und eröffnete ihre Blumenbinderei.  

Dies zu einer Zeit, als das Dorf noch abgeschiedener war als heute und es entlang der Straße noch einen Schützenhof, zwei Bäckereien und einen Gemischtwarenladen gab, in dem man von Lebensmitteln über Nägel und Kittelschürzen so gut wie alles kaufen konnte. Irmgard Sievers war immer dann gefragt, wenn es um Pflanzen und Blumenschmuck ging. Ob Hochzeiten, Taufen, Geburtstage, Konfirmationen, Familienfeiern oder Beerdigungen: Die gestalterischen Ideen der Blumenbinderin kommen bis heute an.

Die Kundschaft kommt im Übrigen nicht nur aus der Gemeinde Grasberg, sondern auch aus der Samtgemeinde Tarmstedt, aus Worpswede, Lilienthal, Osterholz-Scharmbeck und aus Bremen. Verlässliche Aufträge gab es zudem in der dunklen Jahreszeit, wenn sich die Hausfrauen Topfpflanzen wie Geranien und Azaleen auf die Fensterbänke stellten.

Hilfreich waren und sind bis heute gute Kontakte zu Gaststätten und Restaurants, denn zu jeder großen Feier und Veranstaltung gehörte und gehört der entsprechende florale Rahmen. In der Kundenkartei stehen aber auch Autohäuser, die mit Sträußen beliefert werden. Dass die Adolphsdorferin mit ihren Ideen ein gutes Gespür hat, zeigen auch diverse Auszeichnungen, darunter Preise auf nationaler Ebene.

Die Zeiten haben sich auch in der Blumenbranche geändert, sagt Irmgard Sievers. Dies stellt sie bei jedem Besuch im Großmarkt fest. Als die Drehscheibe des regionalen Handels noch in der Bremer Neustadt beheimatet war, sei dort alles familiärer und vertrauter zugegangen.

Nach dem Umzug in den Bremer Europahafen würden in den Hallen wenige und sehr große Händler die Szene dominieren. Kein Nachteil sei, dass sich die Vertriebswege geändert haben. Heute fährt die Pflanzenexpertin in der Regel einmal pro Woche in den Bremer Westen, um sich mit frischer Ware einzudecken, ansonsten liefern Händler aus Holland und Visbek die benötigte Ware direkt im Ladengeschäft an.

Zum Ende dieses Jahres zieht sich die 65-Jährige zurück und übergibt an Tochter Sandra. Die Nachfolgerin verfügt ebenfalls über eine solide Basis mit handwerklicher Ausbildung und zwei beruflichen Stationen in Bremen und unterstützt den Betrieb ihrer Mutter seit längerem.

Das Angebot mit individuell und handwerklich gestalteten Gestecken und Gebinden bleibt bestehen. „Ich werde das in bewährter Form so weiter machen“, sagt die Adolphsdorferin. Allerdings bleiben die Türen des Ladengeschäfts in Zukunft für den Publikumsverkehr geschlossen. 

Irmgard Sievers will sich zum Renteneintritt von ihrer Kundschaft verabschieden. Interessierte sind für diesen Sonntag, 30. Dezember, eingeladen. In der Zeit von 11 bis 16 Uhr ist Zeit für Gespräche und Erinnerungen, aber auch für Austausch mit Tochter Sandra, die das Familiengeschäft fortführen wird.


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Leserkommentare
werderfan am 23.10.2019 21:15
Ich versuche das mal kurz für die Demokratiefreunde zu erläutern:
1. Der Umweltausschuss des Beirats Blumenthal tagt am nächsten Montag ...
IhrenNamen am 23.10.2019 21:02
Ich bin mal sehr gespannt wie sich das auf die Spendensumme auswirkt.