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Mobilitätswoche in Lilienthal
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Eine Leben ohne Auto ist möglich

Lutz Rode 07.10.2019 0 Kommentare

Manfred Kiehn, Meike Artmann und Erika Simon (von links) haben eine Woche lang ihre Autos neben dem Rathaus stehen lassen. Jetzt haben sie Bilanz ihres Verzichts gezogen.
Manfred Kiehn, Meike Artmann und Erika Simon (von links) haben eine Woche lang ihre Autos neben dem Rathaus stehen lassen. Jetzt haben sie Bilanz ihres Verzichts gezogen. (FR)

Lilienthal. Eine Woche lang aufs Auto zu verzichten, und wenn es nur der Zweitwagen ist – drei Ratsleute aus Lilienthal haben es getan und die Schlüssel offiziell beim Bürgermeister im Lilienthaler Rathaus abgegeben. Ihre Bilanz nach Abschluss der Aktion, die zum Programm der Mobilitätswoche in Lilienthal gehörte, fällt überwiegend positiv aus: Gewöhnungsbedürftig ja, aber machbar, lautet das Fazit von Manfred Kiehn (CDU), Meike Artmann und Erika Simon (beide Grüne). 

Manfred Kiehn berichtet, dass es durchaus befremdlich gewesen sei, morgens vor die Haustür zu treten und nicht wie sonst ein Auto zu haben, mit dem sich alles erledigen lässt. Anfangs habe er sich gefragt, wie es funktionieren soll, alle Besorgungen mit dem Fahrrad zu machen. „Aber es geht“, sagt er nach einer Woche der Autoabstinenz. Nur Baumarktbesuche seien absolut nicht machbar gewesen. Und dann das Wetter: „In der Woche ohne Auto habe ich alles erlebt. Sonne, Regen und Sturm.“ Als es wieder einmal in Strömen regnete, suchte er sich eine Mitfahrgelegenheit nach Scharmbeckstotel. Kiehn sagt, er sei von vielen Bürgern der Gemeinde angesprochen worden, die die Aktion gut fanden. Auch davor habe er allerdings schon so viel wie möglich mit dem Rad erledigt.

Meike Artmann sagt, sie habe nicht nur die Schlüssel für den Zweitwagen abgegeben, sondern auch bewusst den Einsatz des Hauptautos der Familie aufs Minimum reduziert. Nur zweimal habe sie den Wagen in der Woche für den Weg zur Arbeit bewegt. „Stattdessen haben wir Strichliste für jeden Kilometer geführt, den wir zu Fuß oder mit dem Rad zurück gelegt haben, es sind bis 225 Kilometer geworden für unsere Familie. Oder anders gesagt, haben wir 38,8 Kilogramm CO2 als Familie eingespart.“ Mobilität ohne Auto sei oft nur eine Frage von Organisation und Logistik. Die Nutzung des Autos habe häufig auch etwas mit Bequemlichkeit zu tun. Unterm Strich sei die Familie in ihrer Absicht bestärkt worden, den Zweitwagen abzuschaffen. Artmann ist froh, mitgemacht zu haben. Die Aktion habe auch andere zum Nachdenken angeregt.

Eine positive Bilanz zieht auch Erika Simon. Die Woche habe ihr bestätigt, dass sie auch ohne Auto locker durch den Alltag komme. „Durch meine Arbeit im Home-Office und die selbst bestimmte Gestaltung der Arbeitszeit ist die Planung erforderlicher Touren für mich allerdings auch im Vergleich zu anderen Leuten einfacher“, räumt sie ein. Zudem stehe der Familie ein weiteres Auto zur Verfügung, die Haltestelle der Buslinie 670 sei 250 Meter entfernt und mit dem Fahrrad seien es 15 Meter bis zur Endhaltestelle der Linie 4.
Insgesamt sei der gute Wille, auch längere Strecken mit dem Fahrrad zurückzulegen, durch die Woche gestärkt worden. 

Ingo Wendelken, Mit-Initiator der Mobilitätswoche, ist sich sicher, dass über das Auto und die Zukunft des Individualverkehrs auch in Lilienthal weiter diskutiert wird. Das Angebot an Alternativen sei groß, ein genauerer Blick lohne sich. Laut Wendelken zeigen Modellrechnungen, dass bei einer Fahrleistung von unter 10 000 Kilometern im Jahr das   Carsharing oft günstiger als ein eigenes Auto sei. Unter 7000 Kilometer sei die Sache noch eindeutiger: Auto-Besitzer zahlen fast immer drauf. Der ADAC geht davon aus, dass die Zahl der Autos in den Städten in Zukunft abnehmen wird – wahrscheinlich bis zu 30 Prozent in den kommenden 20 Jahren. Aktuell nimmt sie allerdings noch zu. „Auch deshalb muss die Politik, auch auf kommunaler Ebene, rechtzeitig die notwendige Infrastruktur schaffen und damit Anreize zum ,Umsteigen' anbieten“, sagt Wendelken. Er selbst machte bei dem Experiment der Ratspolitiker übrigens nicht mit und begründete das mit dem Arbeitsweg von Lilienthal nach Ganderkesee und zurück, der mit dem ÖPNV nicht zu bewerkstelligen sei.

Seine Mitstreiterin Mara Jekosch übt dagegen Verzicht: „Ich habe unser Familienauto im Juni abgegeben, bin auf Fahrrad und Bahn umgestiegen und nutze nun Carsharing mit Cambio, oder in Ausnahmefällen den Dienstwagen meines Mannes, sofern ein Auto erforderlich ist“, sagt sie. Der Effekt sei auch, dass nun die ganze Familie deutlich mehr mit dem Rad unterwegs sei. „Erst mit dem Verzicht ändern sich Gewohnheiten“, hat sie festgestellt.

Zur Sache

Mobilitätstage auch 2020

Spaß gehabt, Erwartungen übertroffen, es kann weitergehen – diese Bilanz haben die Initiatoren der Mobilitätstage in Lilienthal gezogen. 15 Tage lang gab es in Anlehnung an die europäische Mobilitätswoche verschiedenste Aktionen rund ums Thema Bewegung, Rad- und Fußgängerverkehr. Auch zu einem autofreien Schultag wurde aufgerufen. Mara Jekosch und Ingo Wendelken, die das Programm angeschoben hatten, zeigten sich angetan von der Resonanz. Sie freuten sich, als Bundesumweltministerin Svenja Schulze vor laufenden Fernsehkameras die Lilienthaler Aktionstage würdigte – als ein Beispiel dafür, dass Mobilität eben nicht nur in Großstädten ein Thema sei, sondern auch in Gemeinden. Sie kündigten an, dass es 2020 eine Fortsetzung mit einem neuen Schwerpunktthema geben soll.


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Ein Syrer und sein neues Leben in Rotenburg
Samer Tannous ist Hochschullehrer aus Damaskus, lebt mit seiner Familie seit 2015 in Rotenburg und arbeitet dort als Französischlehrer. In der Wümme-Zeitung schreibt er wöchentlich über seine Erlebnisse.
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Leserkommentare
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AnnFF am 23.10.2019 10:29
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