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Projektunterricht der besonderen Art
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Eine Schule im Hühnerfieber

Antje Borstelmann 05.05.2017 0 Kommentare

Lilienthal Grundschule Falkenberg Miethühner
Die zahmen Hennen fressen den Schülern sogar aus der Hand – vor allem, wenn es leckere Weintrauben gibt. (Hans-Henning Hasselberg)

Lilienthal. Goldie hat sich ganz oben auf dem Hühnerhaus so richtig in Pose geworfen. Sie ist ein Star – und dessen scheint sie sich durchaus bewusst. Keck wandern die kleinen schwarzen Knopfaugen über ihr aufgeregtes Publikum. Alles große Fans. Jeder will sie einmal berühren, ihr samtweiches, gold-braunes Federkleid streicheln, das aussieht wie gemalt. Nahezu stoisch hält die Henne Hof, bis ihr der Trubel um sie herum dann irgendwann doch zu viel wird. Sie stolziert die Hühnerleiter runter und sucht Ruhe in einer weniger belebten Ecke des Geheges. „Jetzt hat Goldie wohl genug“, konstatiert eine Schülerin. Die Drittklässler scheinen ihre gefiederten Schulkameraden inzwischen ganz gut zu kennen. Seit ein paar Tagen kümmern sie sich hingebungsvoll um die Tiere – mit wachsender Leidenschaft.

„Kann ich die morgen auch füttern?“, fragt die zehnjährige Malak ihre Klassenlehrerin mit einem Augenaufschlag, der Steine erweichen ließe. Vanessa Bast muss lächeln, aber ihre Stimme bleibt bestimmt: „Nein, du hast schon genug Aufgaben.“ Bei diesem Projekt ist alles ganz genau geplant. Nur vier Wochen sind die Hühner Gäste in der Grundschule Falkenberg, und schließlich soll ja jedes Mädchen und jeder Junge Gelegenheit bekommen, Freundschaft mit dem Federvieh zu schließen. In der ersten Woche war der vierte Jahrgang an der Reihe, jetzt sind die Drittklässler am Zug. Füttern, Wasser nachfüllen, Eier einsammeln – das sind die beliebteren Arbeiten, die es zu erledigen gilt. Aber die Hühnerschiete muss ja auch irgendwie aus dem Gehege. Da hilft nix: Handschuhe an und aufsammeln. Schließlich mögen es auch Hühner lieber sauber. „Die putzen sich sogar mit Sand ihr Gefieder“, weiß Aron (9) zu berichten.

Lilienthal Grundschule Falkenberg Miethühner
Und wieder eins: Eier einsammeln gehört zu den beliebtesten Aufgaben dieses Projekts. (Hans-Henning Hasselberg)

Überhaupt haben die Kinder (und auch die Lehrer) schon viel über die Eierlieferanten gelernt. Sie wissen, wie und wo Hühner schlafen, viel über Haltungsbedingungen, was die Nummern auf im Supermarkt gekauften Eiern bedeuten, was ein Sporn ist, dass jede Henne pro Tag in der Regel ein Ei legt, woraus es besteht, dass es nicht frisch, sondern am zehnten Tag am allerbesten schmeckt, warum manche darunter grün und manche braun, was Windeier und dass Hühner quasi Allesfresser sind. Doch die pfiffigen Schüler haben schnell herausgefunden, dass auch die Tiere ihre Lieblingsspeisen haben und man sie damit sogar ein wenig dressieren kann. „Gurken“, sagt Aron im Brustton der Überzeugung und flitzt schnell mal ins Klassenzimmer, um ein paar Scheiben zu organisieren. Als er damit zurückkommt, drängelt sich das Federvieh aber mittlerweile um Svea. Die hält eine Weintraube in den Fingern. Und da kann Huhn überhaupt nicht widerstehen: Das flugunfähige Gefügel überbietet sich unter dem Gejohle der Kinder geradezu, um mit artistischen Sprüngen an das begehrte Obst zu gelangen.

„Die werden wir bestimmt vermissen, wenn sie wieder weg sind“, sagt Lehrerin Vanessa Bast und wiegt den Kopf. In den vier Wochen dreht sich vieles ums Huhn im Unterricht. In der Englischstunde wurden die Eier zu „ham and eggs“ verarbeitet, die 4 a wertet in Mathe gerade die vielen Tippscheine aus, auf denen Namensvorschläge für die Hennen stehen. „Die Kinder lieben ihre täglichen Aufgaben und sind mit Feuereifer dabei. Da wäre es natürlich super, wenn man die Miet-Hühner gegen ständige Schulbewohner tauschen könnte, aber man muss sie ja auch in den Ferien versorgen“, ist Bast klar, die schon überlegt hat, ob sie sich die „rentablen“ Legehennen vielleicht mal in den heimischen Garten holt.

Lilienthal Grundschule Falkenberg Miethühner
Xxxxx xxxxx xxxxxxxx xxxxx xxxxx xxxxx xxxxx xxxxx xxx. (Hans-Henning Hasselberg)

Für die Dauer des Schulprojektes übernehmen Mitglieder des Schul-Fördervereins die Wochenendbetreuung von Goldie und Co. Im Förderverein war auch die Idee für das tierische Intermezzo geboren worden, genauer bei Vorstandsmitglied Anja Fromm. Die hatte in der WÜMME-ZEITUNG einen Artikel über Miet-Hühner gelesen und prompt Kontakt zu  Ralf-Wigand Usbeck aufgenommen. Der Achimer verleiht seine handzahmen Tiere seit Anfang 2016 an Kindergärten, Seniorenheime, Privatpersonen, die die Hühnerhaltung mal ausprobieren wollen, und eben auch an Schulen. „Unsere Kinder haben das als Taufgeschenk bekommen: Jedes eine Woche mit Huhn. Das war ein Heidenspaß, die ganze Nachbarschaft war involviert. Da dachte ich, das könnte auch was für den Schulverein sein“, schildert Anja Fromm, wie die Grundschule Falkenberg zu einem Weihnachtsgeschenk der besonderen Art kam. „Wir schenken unseren Schulkindern ja jedes Jahr etwas, diesmal also dieses Projekt. Schließlich ist es für Kinder doch wichtig zu sehen, wo die Eier herkommen.“

Kurz nach Ostern rückte Usbeck samt kleinem Hühnerstall, Steckzaun, Streu, Futter und Tränke in Falkenberg an. Die Kinder waren dabei, nahmen das Geflügel gebührend in Empfang. „Das lief alles ganz einfach und unbürokratisch, und Usbeck ist immer im Hintergrund“, so Fromm. „Ein tolles Projekt, das wir auch gern fördern wollten“, bestätigt der Vorsitzende des Schulvereins, Dirk Heise-Berkhout. Als Anja Fromm die Idee im Verein vorgestellt habe, seien alle dafür gewesen.

Lilienthal Grundschule Falkenberg Miethühner
Goldie ist der unumstrittene Star der temporären Hühnerfarm auf dem Schulhof der Falkenberger Grundschule. "Ihr Gefieder sieht aus wie gemalt", finden die Schüler. (Hans-Henning Hasselberg)

So kam die Falkenberger Grundschule aufs Huhn. Möglicherweise, das ließ man beim Förderverein schon durchblicken, könne man das Projekt ja noch einmal wiederholen. Dann werden die sechs Bilderbuch-Eier – zwei grüne, ein eher gelbliches und zwei braune –, die die Mädchen und Jungen an diesem Tag mit sichtlichem Stolz präsentieren, bestimmt nicht die letzten gewesen sein, die auf dem Schulhof gelegt wurden.

„Die werden wir bestimmt vermissen, wenn sie wieder weg sind.“ Vanessa Bast, Lehrerin

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Leserkommentare
theface am 18.10.2019 20:54
Das kann so nicht stimmen, sonst wären SPD und Grüne ja nicht mehr in der Landesregierung.
Opferanode am 18.10.2019 20:48
Ich hatte die gleiche Frage. Aber eine vernünftige Antwort würde mir besser gefallen, als so schulmeisterlich daherzukommen, mit der Aufforderung, ...