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„Mehrgenerationen-Dorfzentrum“
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Eine Vision für Wilstedt

Johannes Heeg 22.01.2019 0 Kommentare

Neuer Dorfplatz am alten, liebevoll restaurierten Pastorenhaus: So stellt sich der Architekt Axel Spellenberg die neue Mitte Wilstedts vor. Er glaubt, dass sich für dieses Projekt leicht ein Investor finden lasse.
Neuer Dorfplatz am alten, liebevoll restaurierten Pastorenhaus: So stellt sich der Architekt Axel Spellenberg die neue Mitte Wilstedts vor. Er glaubt, dass sich für dieses Projekt leicht ein Investor finden lasse. (Zeichnungen: Axel Spellenberg)

Wilstedt. Die ungewisse Zukunft des alten Pastorenhauses in Wilstedt beschäftigt den in Worpswede lebenden Architekten Axel Spellenberg so sehr, dass er einen Entwurf für ein „Mehrgenerationen-Dorfzentrum“ beim Wilstedter Gemeinderat eingereicht hat.
Mit seiner Studie wolle er zeigen, „dass man das reetgedeckte alte Pfarrhaus von Wilstedt sehr reizvoll in eine neue Mehrgenerationen-Wohnanlage einbinden kann“.

Vier Neubauten hat Spellenberg an Hauptstraße und Molkereistraße so gruppiert, dass das alte Pfarrhaus von 1771 und auch wertvoller Baumbestand auf dem Grundstück erhalten werden könne. Im neuen Dorfzentrum könnten „alle Generationen zusammenleben und wohnen“. Der Dorfplatz mit Linde und Sitzbank sei Dorftreff, das alte Pfarrhaus biete sich für Gemeinschaftseinrichtungen, wie Dorfladen mit Caféstube, Bücher- und Leseräume und Räume für gesellige und kulturelle Anlässe an. Der Pfarrgarten mit neuen Obstbäumen stehe für sommerliche Anlässe zur Verfügung und werde ganz sicherlich auch die übrigen Wilstedter Dorfbewohner und Gäste von außen anziehen, meint Spellenberg.

Sein Konzept sei eine Alternative zu Neubauten von Einfamilienhäusern auf der grünen Wiese, die in der Regel „viel Fläche verbrauchen und Schlafsiedlungen sind“. Das Mehrgenerationen-Dorfzentrum biete jungen Familien so viel an Wohnfläche und Komfort wie in Einfamilienhäusern. Ein Kinderspielplatz im alten Pfarrgarten wecke das Gemeinschaftsgefühl bei Eltern und Kindern und lade ältere Mitbewohner zum Verweilen auf Sitzbänken ein. Neben den Spielgeräten für Kinder sei auch ein Bouleplatz für Erwachsene und Senioren vorstellbar.

Die skizzierten Zwei-, Drei- und Vier-Zimmerwohnungen, alle über Aufzüge erreichbar, hat Spellenberg in vier zweieinhalbgeschossigen Neubauten untergebracht. Insgesamt 34 barrierefreie Wohnungen hat Spellenberg geplant. Zwei weitere könnten „als attraktive Ferienwohnungen im alten Pfarrhaus eingerichtet werden“, so seine Vision. Parkplätze für die Bewohner stünden in ausreichender Zahl auf dem Grundstück zur Verfügung.

Die regionaltypische Architektur der Neubauten stehe in Einklang mit dem reetgedeckten Pfarrhaus, das in seiner Vorstellung „vorbildlich saniert“ wird. Die  Bewohner müssten weder auf Komfort noch auf dörflich rustikalen Charme verzichten. „Die gute alte Klöntür lädt zum Klönen über den Zaun hinweg ein und hält Tiere fern“, so Spellenberg. Mit Findlingssteinen gepflasterte Gartenwege belebten die dörfliche Tradition neu.

Die neue Mehrgenerationen-Wohnanlage unter Einbeziehung des alten Pfarrhauses wäre ein Beitrag zur Verschönerung des Dorfes. Seinen Plan versteht der Architekt als Beitrag zur Zukunftssicherung Wilstedts. Sein Ziel: „Ein neues Wohnen und Leben der Generationen auf dem Lande unter sozial, ökologisch und klimatologisch weitsichtigen Verhältnissen, wobei traditionelle und regionale Eigenarten und Vorzüge im Mittelpunkt stehen sollen.“ Ausdrücklich spricht sich Spellenberg für den Erhalt des alten Wilstedter Pfarrhauses aus. Bei dem 1771 errichteten Fachwerkhaus handele es sich um eine massive Holzkonstruktion, die mit vielen Ziegelsteinen und Lehm ausgefacht wurde. „Das müssen heutige Handwerker erst einmal nachmachen“, sagt er.

Denn heute werde Beton aus Zement und Stahl verbaut, deren Produktion weltweit zu den größten Klimakillern zähle. Holz hingegen sei ein nachwachsender Baustoff, und Lehm sei ein ökologischer Baustoff, der zunehmend wieder in Mode komme.

Für die Sanierung einen Investor zu finden werde nach seiner Einschätzung nicht allzu schwierig sein. Denn das Projekt werde „so viel an Gewinn für einen Investor abwerfen, dass die Sanierung des alten Pfarrhauses problemlos finanziert werden kann“. Die fürs Pastorenhaus angedachten schicken Ferienwohnungen würden zusätzlich zum Gewinn beitragen. Erforderlich seien allerdings der Wille und das Bestreben, Wilstedts Dorfmitte wieder attraktiv und interessant für Dorfbewohner und Interessenten, auch von anderswo her, zu machen.

Für Bürgermeister Traugott Riedesel weist der Entwurf „in die Richtung, in die mein Ratskollege Stephan Kück-Lüers, ich selbst und andere denken“. Wilstedt brauche in der Ortsmitte bezahlbaren Wohnraum für Junge und Alte sowie Orte der Begegnung. Die Neubauten erscheinen ihm zwar „etwas überdimensioniert“. Sollte es aber gelingen, einen Investor zu finden, der auch das Pastorenhaus „als kostbares Juwel wieder herrichtet, wäre das sehr schön“.

Ob das gelingt, sei die große Frage. Schon 2012 hätten Fachleute ermittelt, dass die Sanierung des Pfarrhauses rund eine Million Euro kosten würde. Dass die Ratsfraktion „Natürlich Wilstedt“ den Denkmalschutz eingeschaltet habe, der sich das Gebäude jetzt angesehen habe, mache es „sicher nicht leichter, einen Investor zu finden“, so Riedesel. Mit einem Schutzstatus werde das Pfarrhaus erst recht zu einer „vergifteten Mitgift“. Auf jeden Fall führe das Verfahren möglicherweise zu Verzögerungen beim Verkauf des Kirchengrundstücks und damit verbunden auch beim Bau des neuen Gemeindehauses: „Die Kirchengemeinde kann das Bieterverfahren erst eröffnen, wenn sie den Bescheid der Denkmalbehörde hat.“

Fest stehe indessen, dass die Gemeinde Wilstedt das alte Pfarrhaus „unter keinen Umständen kaufen“ werde, auch nicht übergangsweise. „Dann wäre die Gemeinde in der Verantwortung, das möglicherweise denkmalgeschützte Gebäude auf unabsehbare Zeit zu erhalten, und solche Experimente können wir uns absolut nicht leisten“, stellt Riedesel klar. Er sehe sich in dieser Frage „als Bürgermeister auch persönlich in der Verantwortung“. Auch gebe es seiner Einschätzung nach im Gemeinderat keine Mehrheit für den Kauf des Pastorenhauses.

Er unterstütze die in Wilstdt kursierende Idee, eine Genossenschaft zu gründen, die als Investor und Bauherr auftritt, doch die dazu benötigten Genossen seien bislang nicht in Sicht.


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