Wetter: Nebel, 11 bis 16 °C
Borgfelder Ortsamtsleiter gestorben
Der Artikel wurde zur Merkliste hinzugefügt.
Die Merkliste finden Sie oben links auf der Seite.

Einer, der für Borgfeld da war

André Fesser 22.05.2019 0 Kommentare

Zwei Amtszeiten leitete Gernot Neumann-Mahlkau das Borgfelder Ortsamt. Demnächst wollte er sich verabschieden.
Zwei Amtszeiten leitete Gernot Neumann-Mahlkau das Borgfelder Ortsamt. Demnächst wollte er sich verabschieden. (Klaus Göckeritz)

Borgfeld. Für die Menschen in Borgfeld wollte er immer da sein, wenn sie Hilfe brauchten. Wenn es irgendwo hakte, dann fühlte er sich zuständig. „Rufen Sie im Ortsamt an, dann kümmern wir uns drum“, sagte Gernot Neumann-Mahlkau dann. Zwei Amtsperioden lang war er Ansprechpartner und gute Seele in Borgfeld, ein Ortsteil-Bürgermeister im Wortsinne. Am Montag ist Gernot Neumann-Mahlkau gestorben.

Noch am Wochenende war der 78-Jährige im Ortsteil unterwegs. Wer ihm begegnete, machte sich Sorgen um ihn, seine schwere Krankheit war ihm anzusehen. Doch Neumann-Mahlkau wollte sich davon nicht aufhalten lassen. Ihm war es lieber, nach vorn zu schauen, die Dinge anzupacken und die Probleme zu lösen. So war er gestrickt, und diese Haltung kehrte er auch nach außen: „Ich versuche, nur das Positive zu sehen. Das liegt auch im Unbequemen“, hatte er vor einem Jahr gegenüber der WÜMME-ZEITUNG gesagt.

Dass das Leben unbequem sein kann, hat Gernot Neumann-Mahlkau schon als Kind gelernt. Aufgewachsen in Preußisch Stargard im heutigen Polen musste er im Krieg mit seinem Großvater und den Brüdern fliehen. Die Mutter starb auf der Flucht. Die Jungen und der später aus dem Krieg zurückgekehrte Vater mussten sich allein zurechtfinden. Als junger Mann absolvierte er eine Ausbildung zum Maschinenbauer in Hannover, ging zur Bundeswehr und später als Techniker zu Atlas Elektronik nach Bremen. Er arbeitete bei Siemens, wurde Entwicklungsleiter für Industriesoftware und später Unternehmensberater.

Für die Bürger, nicht für die Partei

Irgendwann und nach vielen Umzügen war er gemeinsam mit seiner Ehefrau wieder in Bremen angelangt. Als sich die Amtszeit des damaligen Ortsamtsleiters Johannes Huesmann dem Ende zuneigte, wurde er gefragt, ob er nicht übernehmen wolle. Man riet ihm, sich der CDU anzuschließen. „Wenn's denn sein muss“, sagte Neumann-Mahlkau, bevor er die Parteimitgliedschaft einging. 2007 wurde er schließlich in das Ortsamt gewählt. Vier Jahre später löste ihn Jürgen Linke ab. 2015 war dann wieder Neumann-Mahlkau dran.

Seine Amtszeit sollte in diesem Sommer enden. Bereits vor Monaten hatte Neumann-Mahlkau klar gemacht, dass er sich nicht für weitere vier Jahre zur Verfügung stellen wolle. Es sei sein Wunsch gewesen, sich weiter im Ortsteil zu engagieren, er wollte aber auch das andere Leben genießen und reisen, sagt einer seiner  Wegbegleiter.

Mit der Partei und dem Ortsbeirat hat sich Neumann-Mahlkau arrangiert, beide waren ihm aber nicht so nah wie die Bürgerinnen und Bürger. „Die Aufgabe eines Ortsamtsleiters ist es nicht, Parteipolitik zu machen, sondern die Bürger Borgfelds zu vertreten“, sagte er einst. Zudem sei es ihm egal gewesen, welche Partei einen Vorschlag eingebracht habe. „Wenn er gut ist, dann vertrete ich ihn auch.“ Mit dieser Einstellung hat er sich so manche Diskussion eingehandelt. So stritt Neumann-Mahlkau gegen die CDU für die Einsetzung eines hauptamtlichen Ortsamtsleiters, der sich im wachsenden Borgfeld nach seinem Empfinden besser um den Ortsteil kümmern kann als ein ehrenamtlicher. Auch in der Debatte über die Schaffung eines Bürgerhauses lag er mit der Partei bis zuletzt über Kreuz. Neumann-Mahlkau setzte sich gemeinsam mit dem Bürgerverein für einen Neubau auf dem Warft-Gelände ein. Die Mehrheitsfraktion im Beirat bevorzugt eine andere Lösung.

Neben diesen alltäglichen Auseinandersetzungen über die besten Lösungen für den Ortsteil bleiben aber vor allem Neumann-Mahlkaus Anstrengungen in Erinnerung, die Menschen im sich stetig verändernden Borgfeld zusammenzuführen. Bremens Bürgermeister Carsten Sieling würdigt Neumann-Mahlkau am Mittwoch „als einen Ortsamtsleiter mit großer Lebenserfahrung, die er stets mit starkem Engagement in seine ehrenamtliche Tätigkeit eingebracht hat“. Davon hätten die Bürger profitiert, für die er unermüdlich im wachsenden Bremer Ortsteil Borgfeld eingetreten sei. Er sei zwar manchmal streitbar in der Sache, dabei aber immer fair im Umgang mit den Menschen gewesen. „Das verdient unsere Anerkennung", so Sieling.

Zielgerichtet und pragmatisch

Beiratssprecher Karl-Heinz Bramsiepe würdigt den Verstorbenen als jemanden, der im Ortsteil sehr präsent gewesen ist, der „umtriebig und unermüdlich im Einsatz“ war. In guter Erinnerung sei ihm die Organisation der 775-Jahr-Feier Borgfelds 2010 geblieben. „Gernot Neumann-Mahlkau hat“, so Bramsiepe, „das Ereignis zu einem Highlight werden lassen. Es war ein richtiges Fest.“

Heiko Wagener, Vorsitzender des Bürgervereins Borgfeld, lobt die integrative Arbeit Gernot Neumann-Mahlkaus. „Er hat überall positiv gewirkt. Er war zielgerichtet und pragmatisch.“ Einer, der vorwärts kommen wollte, ohne sich in Paragrafen zu verheddern. Wagener erinnert an Neumann-Mahlkaus Engagement für das Borgfelder Sommerfest in den vergangenen Jahren. Nachdem dieser Anfang des Jahres überraschend die Organisation abgegeben hatte, habe man Mühe gehabt, das Fest nicht ausfallen zu lassen. Neumann-Mahlkau habe das früher alles allein gemacht, sagt Wagener und vergleicht: „Wir sitzen jetzt mit dem ganzen Verein daran.“

Federführend um das Fest kümmert sich nun Gabriela Piontkowski. Laut der CDU-Ortsverbandsvorsitzenden entstehe durch Neumann-Mahlkaus Tod in Borgfeld „eine Riesenlücke“. Er sei ein Macher gewesen, „er hat die Dinge angepackt und umgesetzt. Er hat sich um seinen Ortsteil gekümmert, und wenn es nottat, dann hat er nach dem Sommerfest auch die Straße gefegt.“

In vier Wochen wollte sich Gernot Neumann-Mahlkau mit einem Empfang als Ortsamtsleiter von den Menschen in Borgfeld verabschieden. Die Einladungen waren bereits versandt. Die Krankheit ließ das nicht zu. Erstmals wird er nicht mehr für Borgfeld da sein.


Meine Wümme-Region
Ihr Portal für die Wümme-Region

Herzlich willkommen in Ihrem Portal für die Wümme-Region. In diesem Portal informieren wir Sie über wichtige Nachrichten und Veranstaltungen aus Ihrer Region.

Ein Artikel von
Ein Syrer und sein neues Leben in Rotenburg
Samer Tannous ist Hochschullehrer aus Damaskus, lebt mit seiner Familie seit 2015 in Rotenburg und arbeitet dort als Französischlehrer. In der Wümme-Zeitung schreibt er wöchentlich über seine Erlebnisse.
Ihr Wetter in Bremen
Temperatur: 16 °C / 11 °C
Vormittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/Nebel.png
Nachmittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/bedeckt.png
  Regenwahrscheinlichkeit: 40 %
Die Sportmeldungen aus der Region
Veranstaltung für Ihre Region
Sonderthemen aus der Region
Sonderthemen aus der Region
Traueranzeigen
WESER-KURIER Kundenservice
Leserkommentare
peteris am 23.10.2019 11:44
Bremerhaven
Stiftungsrat entscheidet über Zukunft der maroden „Seute Deern“

Gutachter haben nach den gründlichen Untersuchungen ...
suziwolf am 23.10.2019 11:40
Welche Antwort wird erwartet
... @hwkrause?

Nur, wenn es sich um Langhaarige und Hundebesitzer handelt, die im Freudentaumel ihre ...