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Streit um Kinderbetreuung in Lilienthal
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Eltern sind mit der Geduld am Ende

Michael Wilke 10.02.2018 0 Kommentare

Volksinitiative für mehr Personal in Kitas
So weit wie bei dieser Aktion in Hamburg ist es in Lilienthal noch nicht. Aber auch dort formiert sich der Protest gegen den Kitaplatz-Mangel. (Daniel Bockwoldt, dpa)

Lilienthal. Es waren an die 20 Mütter und Väter, die im Rathaussaal auf den Zuhörerstühlen saßen. Einige hatten ihre Kinder dabei. Die Kleinen blieben ruhig, doch irgendwann hatte ihre Geduld ein Ende. Sie juchzten, krabbelten,  rannten hin und her. Eine Mutter nahm das jüngere Kind auf den Arm, das ältere bei der Hand und verließ den Sitzungssaal. Wohin mit den Kindern? Das war das Problem der Eltern. Darum saßen sie im Rathaus, gestresst vom Versuch, Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen. Mit der Geduld waren viele am Ende.

In der Sitzung des Ausschusses für Bildung und Kultur ging es am Donnerstagabend um die Kinderbetreuung in Lilienthal, ein Dauerbrenner. Dass beide Eltern arbeiten, war früher die Ausnahme, heute ist es die Regel. Vor allem Mütter spüren den Druck: Wenn sie den Job behalten wollen, müssen sie dafür sorgen, dass ihre Kleinen betreut werden. Das ist nicht einfach, denn es ziehen ständig junge Familien in die Gemeinde, die seit dreieinhalb Jahren einen Straßenbahnanschluss hat. Jahr für Jahr wird es eng, weil in den Kindertagesstätten (Kitas) Plätze fehlen. Besonders schwer ist es, Krippenplätze für die Ein- bis Dreijährigen zu finden. Für den Sommer hat Andreas Cordes, Fachbereichsleiter im Rathaus, schon 18 Kleinkinder auf der Warteliste. Bis März kommen neun dazu, Tendenz: weiter steigend.

„Was soll ich dem Arbeitgeber sagen?“

Wenn die Kinder in die Schule kommen, stehen ihre Eltern vor dem nächsten Problem. In den Ganztagsschulen konzentriert sich das Nachmittagsangebot auf drei Tage. In der Schroeterschule, der größten Grundschule in Lilienthal, ist schon um 13 Uhr Schluss. Eltern vom Förderverein betreuen einige Kinder danach noch eine Stunde, doch die Gruppe ist voll. Ansonsten gibt es zwei Hortgruppen für je 20 Kinder, eine in der Lebenshilfe-Kita an der Ostlandstraße und eine in der Grundschule Trupermoor.

„Was soll ich dem Arbeitgeber sagen?“, fragte eine junge Mutter. Ihre Tochter geht in die Grundschule Falkenberg. Weil die Ganztagsschule proppevoll ist, hat die Gemeinde die Schulbezirksgrenzen verschoben. So kommt der Sohn im Sommer in die Schroeterschule, wo mittags Schluss ist.

Wenn die Kinder in Krippen und Kindergärten bis 15 Uhr betreut würden, müsste das doch in der Schule oder im Hort auch gehen, meinte Christiane Durke, die sich in der Elterninitiative der Familienthaler engagiert. Den Antrag für den Hort musste sie bis Ende Dezember abgeben. Auf die Zusage oder Absage muss sie bis Ostern warten: „Das kann nicht angehen. Meinen Arbeitgeber interessiert das nicht. Dann bin ich bald bei Hartz vier.“ Cordes sieht keine andere Möglichkeit. Ständig kämen neu zugezogene Eltern mit ihren Wünschen. „Da kann ich nicht sagen: Sie haben die Frist versäumt, der Platz ist weg. Wir müssen jeden Einzelfall prüfen und eine Sozialauswahl treffen.“

Der Tenor der Elternkritik war gleich. Voller Vorfreude sind sie nach Lilienthal gezogen und dann mit unerwarteten Problemen konfrontiert worden. In Bremen seien Betreuungszeiten bis 16 Uhr die Regel, in den meisten Lilienthaler Kitas sei viel zu früh Schluss. Der Druck ist groß, auch auf Cordes und seine Mitarbeiter. Binnen Jahresfrist hat die hoch verschuldete Gemeinde nach seinen Worten acht neue Kita-Gruppen geschaffen. Inzwischen geht es nicht nur um geeignete Räume. „Es wird immer schwieriger, Fachpersonal zu bekommen.“

Auch Meike Artmann engagiert sich bei den Familienthalern. Sie sitzt für die Grünen im Rat und im Bildungsausschuss. Wenn sie nicht so einen kulanten Arbeitgeber hätte, wäre sie ihren Job los, sagte sie. Die Eltern hörten immer nur: „Das geht nicht und das geht nicht“, kritisierte Artmann. Eine „Ja-aber-Politik“ sei das. Dabei wäre es in ihren Augen durchaus möglich, eine Nachmittagsbetreuung in den Schulen zu organisieren. „Ob die dann Hort heißt oder Schulrandbetreuung, ist mir egal.“ Auch der Ausschussvorsitzende Oliver Blau (SPD) vermisste Ideen und Lösungsansätze. „Das Argument Abwarten und Geduld zieht nicht. Es geht schon. Man muss nur wollen.“

Cordes wehrte sich gegen die Kritik. „Es wird immer so getan, als ob nichts passiert. Ja, es geht, aber es geht nicht immer von jetzt auf gleich. Sie müssen das Personal haben, Sie müssen die Räume haben.“ Dazu seien Absprachen mit anderen Kita-Trägern wie Kirche, DRK und Lebenshilfe nötig.


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Samer Tannous ist Hochschullehrer aus Damaskus, lebt mit seiner Familie seit 2015 in Rotenburg und arbeitet dort als Französischlehrer. In der Wümme-Zeitung schreibt er wöchentlich über seine Erlebnisse.
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Leserkommentare
onkelhenry am 19.10.2019 18:12
74 Jahre SPD!

Nirgendwo ist die Kluft zwischen arm und reich größer.
Schlechte Wirtschaft, schlechte Bildung ... von vielen ...
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...