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Theater am Deich in Borgfeld
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Erstmals was von Meister William

Ulrike Schumacher 09.04.2018 0 Kommentare

Kammerzofe Maria (Elzbieta Ackermann) treibt mit Malvolio (Tom Vollbrecht) ihren Schabernack.
Kammerzofe Maria (Elzbieta Ackermann) treibt mit Malvolio (Tom Vollbrecht) ihren Schabernack. (Maximilian von lachner)

Borgfeld. Das Theater am Deich traut sich was. Dort gab es nun mit der neuesten Inszenierung gleich eine dreifache Premiere. Zum ersten Mal steht im Theaterhaus am Lehester Deich ein Stück von William Shakespeare auf dem Spielplan. "Shakespeare wollte ich schon lange inszenieren wegen seiner wunderbaren Sprache und wegen seines Sinns für Humor und für große Gefühle", sagt Regisseurin Mary Janz. Zum ersten Mal geht dort keine Komödie, kein Krimi in gewohnter Weise über die Bühne – mit Dialogen, die durchs Ohr direkt in Herz und Hirn treffen. Das ist diesmal anders. "Wir müssen uns an die Sprechweise gewöhnen", sagen zwei treue Zuschauerinnen in der Pause. Shakespeares Sprache erscheint – auch nach der Bearbeitung des Schweizer Regisseurs und Schauspieler Beat Fäh – zunächst ein wenig fremd. Doch das ist bald vergessen.

Dafür sorgt ein durch und durch bestens vorbereitetes Bühnen-Team. Die neun Schauspielerinnen und Schauspieler treiben die Geschichte um Verwechslungen, Illusionen und die Kraft der Liebe mit so großer Spielfreude und ausdrucksstark voran, dass das Publikum binnen Kürze gebannt ist. Eine der Schauspielerinnen, Rebecca Winkler, schlüpft dabei gleich in drei Rollen, wie sie zu Beginn des Stücks verrät. Regisseurin Mary Janz hat Shakespeares Komödie eine kurze Vorstellungsrunde vorangestellt und lässt den Hofnarren (Linda Peetz) bei jedem Szenenwechsel für eine kurze Erklärung auftreten. Kaum hat sich der Vorhang geöffnet, tritt der Narr auch schon aus der sehr reduziert gestalteten, aber dennoch prächtigen Brokat-Kulisse hervor, um sich das Leben zu nehmen. Was nicht gelingt und sich im Verlauf des Stücks zu einem Running Gag auswächst. Dann kommen nach und nach die anderen Figuren an den Bühnenrand, stellen sich vor und berichten, in wen sie verliebt sind – die meisten tragischerweise in Lady Olivia, die Gräfin (Angela Marks). Aber die hat nur Sinn für die Trauer um ihren verstorbenen Bruder. Sieben Jahre lang wird die Gräfin deshalb ihr schönes Antlitz unter einem schwarzen Schleier verbergen. Sehr zum Verdruss des jungen Orsino (Jonathan Bothe). Der Herzog von Illyrien wirbt vergeblich um die Gunst der Lady Olivia.

Deshalb schickt er in seiner Verzweiflung den Diener Cesario (Rebecca Winkler) an ihren Hof. Der aber ist eigentlich die junge Viola, die ihrerseits in den Herzog verliebt ist und sich deshalb in Männerkleidung an seinen Stammsitz begibt. Als der Diener sich der Gräfin präsentiert, um die Liebesbotschaft des Herzogs zu überbringen, ist es um die Lady geschehen. Der vermeintliche Jüngling ist der erste, der sie aus der Trauer hinausführen und ihr Herz gewinnen könnte. An Olivias Hof gibt es noch weitere Verliebte. Der arrogante Haushofmeister Malvolio (Tom Vollbrecht) ist so von Sinnen, dass er sich von Olivias Zofe Maria (Elzbieta Ackermann) bis zur Lächerlichkeit aufs Glatteis führen lässt. Die Zofe treibt ihren Schabernack nicht allein mit ihm. Am Hof liegen auch Olivias trinkfester Onkel Sir Toby von Rülps (Thomas Bothe) und dessen Zechkumpan Sir Andrew von Bleichenwang (Jörg Herrmann) mit Malvolio im Dauerstreit.

Und um es noch ein bisschen verwirrender zu machen, erscheint nun auch noch Violas tot geglaubter Zwillingsbruder Sebastian vor Ort. Er war bei einem Schiffbruch vom Kapitän Antonio (Gerd-Lüder Knief) vor dem Ertrinken gerettet worden und sieht sich jetzt in einen Schwertkampf mit dem wenig ritterlichen Ritter von Bleichenwang hineingezogen. Und all das nur, weil zuvor die Eifersucht erbarmungslos zugeschlagen hat. Auch Bleichenwang – man ahnt es schon – ist der schönen Olivia verfallen.

Die Irrungen und Wirrungen der Liebe sorgen im Theater am Deich für amüsante Szenen, die die Akteure der Amateurtheatergruppe pointenreich darbieten. Wie ihnen überhaupt großes Lob gebührt angesichts des Pensums an zuweilen sperrigen Textpassagen.

Die hat das Ensemble meisterhaft durchdrungen, weshalb "Was ihr wollt" von den Schauspielern auch gleichsam mitfühlend und mitreißend auf die Bühne gebracht wird, Gesang inklusive. Dass sich das Theater am Deich was traut, honoriert das Publikum am Ende mit begeistertem Applaus und Bravo-Rufen. Am Rande gibt es sogar noch einen Vergleich, der den Akteuren gefallen wird: "In der vergangenen Woche waren wir in der Met in New York", erzählt eine aus Bruchhausen-Vilsen angereiste Familie in der Pause. "Dort bin ich während der Vorstellung eingeschlafen", verrät die Mutter. "Hier nicht." 

Weitere Abendvorstellungen ab 19.30 Uhr zeigt das Theater am Deich am 13., 20., 24. und 27. April sowie am 4., 15., 22., 25. und 29. Mai und am 1. Juni. Nachmittagsvorstellungen ab 17 Uhr gibt es am 14., 15., 21., 22., 28. und 29. April sowie am 5. und 6. Mai sowie am 2. Juni. Eintrittskarten für das Stück können dienstags von 18 bis 20 Uhr, sonnabends von 9 bis 11 und sonntags von 10 bis 12 Uhr unter Telefon 0421/ 27 12 34 oder per E-Mail an die Adresse karten-theateramdeich@gmx.de vorbestellt werden.


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Leserkommentare
erschreckerbaer am 22.10.2019 21:34
Ist doch in Ordnung.
Bis jetzt habe ich 48 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt.
Habe dafür Steuern bezahlt.
Würde ich mit 67 in ...
flutlicht am 22.10.2019 20:43
Lieber @Wk, wann hat Höffner denn nun die Fläche erworben? Mal schreiben Sie von 14 Jahren im Text und in der Einleitung von 11 Jahren. Was stimmt?