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Smartphone in der Schule
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Es klingelt

Nico Schnurr 09.08.2018 0 Kommentare

Frankreichs Schüler dürfen sich nicht mehr mit Handys erwischen lassen.
Frankreichs Schüler dürfen sich nicht mehr mit Handys erwischen lassen. (Sven Hoppe/dpa)

Lilienthal. Es gab eine Zeit, da wurden unter der Schulbank Schiffe versenkt und Botschaften an Mitschüler in gefalteten Zetteln übermittelt. Heute läuft hinter Notizblöcken Youtube, und die Nachrichten werden über Whatsapp verschickt. Ob die digitale Ablenkung größer ist als die analoge von früher? Fest steht: Das Smartphone ist längst im Unterricht angekommen.

Der französische Präsident Emmanuel Macron will diese Entwicklung zurückdrehen, ein Wahlversprechen, das er vor einigen Tagen eingelöst hat: Künftig werden Smartphones in Frankreichs Grundschulen und an der Sekundarstufe I, also für alle Schüler im Alter von bis zu 15 Jahren, verboten sein. Der Beschluss war kaum öffentlich, da wurde sich schon gefragt: Braucht Deutschland jetzt auch so ein Gesetz?

Tatsächlich gibt es eine ähnliche Regel in Deutschland schon seit 2006 – allerdings nur in Bayern. Dort sind Handys nur zu Unterrichtszwecken erlaubt und ansonsten strikt verboten. In allen anderen Bundesländern muss das jede Schule selbst entscheiden. Wo Smartphones während der Schulzeit hingehören, wird auch an Lilienthaler Schulen unterschiedlich gehandhabt.

Aufklärung statt Verbot

Wer in der Pause chatten und telefonieren will, muss am Gymnasium Lilienthal in die sogenannte Handyzone. Auf dem Pausenhof haben sie einen Bereich markiert, in dem es erlaubt ist, das Smartphone zu benutzen. Im Unterricht darf das Gerät nur dann rausgeholt werden, wenn die Lehrkraft das ausdrücklich fordert. Wer sich nicht daran hält, muss für ein paar Stunden ohne Smartphone auskommen. Erst nach Schulschluss gibt es das Gerät zurück.

„Natürlich können Smartphones im Unterricht stören“, sagt Dennis Ugurcu. „Sie klingeln, vibrieren, lenken ab – das nervt.“ Von einem generellen Handyverbot hält der Schulleiter des Gymnasiums Lilienthal trotzdem nichts. Lieber lässt er seine Schüler ab der fünften Klasse über Datenschutz aufklären, und manchmal bindet er Smartphones ein, wenn er Politik unterrichtet. Er will den Schülern dann vermitteln, „dass die zehn Toptreffer einer Google-Suche keine absoluten Gewissheiten sein müssen“. Eine weiterführende Schule ganz ohne Smartphones? Dennis Ugurcu sagt: „Das würde der Lebenswirklichkeit von Kindern und Jugendlichen vollkommen widersprechen.“

Laut der Kinder-Medien-Studie 2018 besitzt in Deutschland jedes zweite Kind im Alter von neun Jahren bereits ein Handy oder Smartphone. Mit 13 Jahren sind es bereits 92 Prozent. Aktuellen Zahlen des Branchenverbandes Bitkom zufolge haben 92 Prozent der 14- bis 19-Jährigen ihr Handy auch in der Schule dabei. Eine Studie der Londoner Ökonomen Louis-Philippe Beland und Richard Murphy zeigt, wie das die Schulleistungen verändert. Sie stützt Macrons Handyverbot, das Ergebnis legt nahe: Handys und Smartphones aus der Schule zu verbannen, scheint beim Lernerfolg zu helfen. Die Forscher hatten 16-jährige Schüler vor und nach der Einführung eines Handyverbots an der jeweiligen Schule verglichen und stellten fest, dass die Leistungen nach dem Verbot um 6,4 Prozent stiegen. Das sei vergleichbar mit einem Lernzuwachs, den man sonst mit fünf zusätzlichen Schultagen hätte erreichen können, so die Forscher. Anders formuliert: Die Smartphones stahlen fünf Tage Lernzeit, als sie noch erlaubt waren.

„Ein generelles Handyverbot kann nicht die Lösung sein“, sagt Mike Finke. „Man wird nichts verbannen können, was im Alltag so allgegenwärtig ist.“ Der Vorsitzende des Landeselternrats Niedersachsen hält nicht die Smartphones für das Problem, eher die Art, wie bislang mit ihnen in der Schule umgegangen wird. Finke sagt: „Smartphones sind kein Teufelswerkzeug. Sie müssen einfach nur sinnvoll und mit klaren Regeln in den Unterricht eingebunden werden.“

Bislang passiere das viel zu zögerlich. Smartphones könnten Mittel zur Recherche und Quellenkritik sein. Finke glaubt, man wird die Schulen nicht vor der Digitalisierung verschließen können. Stattdessen sollten schon Grundschüler über die Chancen und Risiken der neuen Medien informiert werden. Richtig eingesetzt, sagt der Landeselternrats-Vorsitzende, machten Smartphones schon in der dritten oder vierten Klasse Sinn.

Keine Handys in der Grundschule

Irmela Birck-Spreckels sieht das anders. Sie leitet die Grundschule Trupermoor, an der Handys ausnahmslos verboten sind. Ab der dritten Klasse sollen ihre Schüler am Computer üben, mit digitalen Medien umzugehen. „Smartphones sind in diesem Alter aber absolut verfrüht“, sagt sie. „Damit würden wir die Kinder massiv überfordern.“ Oft heißt es, Smartphones erhöhten die Sicherheit auf dem Schulweg. Im Notfall könnten sich die Kinder mit einem Anruf an ihre Eltern wenden. Einen Grund, Smartphones zur Schule mitzunehmen, sieht Birck-Spreckels darin dennoch nicht. „Uns geht es um die Sicherheit der Kinder, und das bedeutet auch, dass sie kein Gerät mit sensiblen Daten dabei haben sollten, das schnell gestohlen werden kann.“

Wie am Gymnasium sind Smartphones außerhalb des Unterrichts auch an der IGS in Lilienthal nur in einer Handyzone auf dem Schulhof erlaubt. Natürlich, sagt Schulleiterin Karina Kögel-Renken, wer das wollte, der hat sich auch früher im Unterricht ablenken können. Das Smartphone sei aber ein ganz neuer Stressfaktor für Jugendliche: immer neue Nachrichten, pausenloses Blinken, ständige Ablenkung. Ein grundsätzliches Handyverbot will sie trotzdem nicht aussprechen. „Das wäre einfach nicht zeitgemäß.“ Für sie geht es nicht darum, ob Smartphones in der Schule überhaupt einen Platz haben. Die Frage sei eher, wie genau der aussehen wird.


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Leserkommentare
suziwolf am 23.10.2019 17:47
Diese
,langsame und (auch) demonstrierende‘ Dame
war sich sicherlich darüber im Klaren,
dass 15km/h für einen 🚴🏿‍♀️ ganz schön ...
FloM am 23.10.2019 17:45
"Da sind wir wir letztlich recht nah beieinander"
Häufig ist das so, wenn man erst mal mehr als 140 Zeichen miteinander ausgetauscht hat ...