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VHS-Semestereröffnung mit Jazz
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Europäer an der Trompete

Undine Mader 28.08.2018 0 Kommentare

Manfred Schoof eröffnet mit seiner Musik das neue Semester.
Manfred Schoof eröffnet mit seiner Musik das neue Semester. (fr)

Lilienthal. Europa beginnt in der Schule. Sogar die ganze Welt beginnt in der Schule. Genauer im Musikunterricht. So sieht es der bei Köln lebende Jazz-Musiker und Musikprofessor Manfred Schoof. Er begreift „Musik als einen ganz wichtigen Teil der Kultur“, weltweit. Und er sagt, mit mehr musikalischer Bildung in der Schule gebe es weniger Kriege und Konflikte. Das eigene musikalische Wirken hat der Trompeter und Flügelhornspieler dem europäisch-emanzipierten Jazz gewidmet. „Europa und der Jazz“ heißt auch das Konzert, mit dem Schoof am Freitag, 31. August, zusammen mit dem Lübecker „trioPlus“ in Lilienthal das neue Semester der Volkshochschule (VHS) Lilienthal eröffnet. Dessen Schwerpunktthema lautet: „Europa“.

„Der Jazz kommt nun mal aus Amerika“, sagt Schoof. Das fließe natürlich auch in die Vorstellungen der europäischen Jazzmusiker ein. Trotzdem bestehe ein hörbarer Unterschied. In Amerika basiere der Jazz auf Blues und Country. Der europäische Jazz beziehe sich hingegen auf europäische Traditionen. Nun muss der Zuhörer aber nicht an Bach oder Mozart denken. Soweit greifen die Musiker nicht in der Zeit zurück. „Ich gehe von neuer Musik aus“, so Schoof, und es sind demzufolge die Klangfarben zeitgenössischer Musik, beispielsweise von Schönberg oder Strawinsky, die mitschwingen, wenn er und seine Kollegen jazzen. Das gebe es im amerikanischen Jazz eben nicht. Und Manfred Schoof geht noch einen Schritt weiter: „Die Klangfarbenmelodie, ich würde fast sagen, das haben die Amerikaner von uns gelernt.“

Manfred Schoof gibt sich selbstbewusst. Nicht ohne Grund. Er gilt als einer der Wegbereiter des europäisch-emanzipierten Jazz. Anfang der 1960er-Jahre erlebte er in London, wie er sich mit dänischen, italienischen, englischen oder holländischen Kollegen „sehr schnell miteinander verbunden“ fühlte. Und auch,  wenn er in Oslo mit dem Amerikaner George Russel ebenso harmonierte, sagt er über die europäischen Jazzmusiker: „Wir machen was eigenes.“

Ende der 1950er-Jahre entstand in Amerika der sogenannte Freejazz, das freie Improvisieren ohne ein Thema. Davon inspiriert begannen europäische Jazz-Musiker ab Anfang der 1960er einen eigenen Weg zu gehen. Sie improvisierten ebenfalls frei, oder wie Schoof beschreibt: „Es wurde einfach nach Gehör gespielt.“ Er nennt es „korrespondierend Musizieren“. Dieser Grundgedanke sei im Freejazz und im europäischen Jazz gleichermaßen enthalten. Trotzdem klingen sie verschieden, weil beide Richtungen die jeweiligen Erfahrungen der Vergangenheit in die gedankliche Welt von heute einbauen.

Dieses Improvisieren über die Harmonie, die einem Thema zugrunde liege, macht jeden Auftritt von Manfred Schoof zur Uraufführung einer „Spontan-Komposition“. Denn: „Ich improvisiere über die gleiche Harmonie, aber spiele heute etwas anderes, weil ich mich anders fühle und sie anders auslege.“ Was keiner Auslegung unterliegt, ist hingegen seine Meinung zum Schwerpunkt des beginnenden VHS-Semesters: „Europa ist für mich eine Errungenschaft, die leider von manchen Leuten in ihrer Tragweite nicht erkannt wird.“ Es sei ein Geschenk, eines, in dem es keine Kriege gibt. Für den gerne durch Europa reisenden Musiker ein paradiesischer Zustand: Trifft er seine Kollegen, fühlen sie sich wie eine Familie, verbunden durch die Musik.

„Europa und der Jazz“, Freitag, 31. August, 19 Uhr, Schroetersaal, Murkens Hof, Klosterstraße 25, Lilienthal. Eintritt 15 Euro.


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Leserkommentare
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