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Brandschützer sind frustriert
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Fehlalarme werden künftig teuer

Michael Wilke 17.02.2018 0 Kommentare

Feuerwehr rettet bei Brand 43 Bewohner aus Altenheim
Falscher Alarm: Feuerwehrleute verlassen ihre Arbeitsplätze Hals über Kopf, um so schnell wie möglich am Einsatzort zu sein – und dann zu erleben, dass es keinen Einsatz gibt. (dpa)

Wenn Brandmelder Alarm schlagen, rücken Lilienthals Feuerwehren mit drei Fahrzeugen an. 20 Mann springen aus den Wagen, hoch konzentriert, um schnell zu reagieren. Mitunter gibt es nichts zu tun. Fehlalarm. Der Stress, der ganze Aufwand: für die Katz. Es gab Jahre, da war jede dritte Brandmeldung in der Gemeinde ein Fehlalarm, in Lilienthal-Mitte jede zweite. Mal rauchte eine Brotscheibe im Toaster, mal tickte die Alarmanlage nicht richtig. Seit fünfeinhalb Jahren räumt das Brandschutzgesetz den Gemeinden die Möglichkeit ein, jeden Fehlalarm mit einer Rechnung zu quittieren. Ein Schritt in die richtige Richtung? Die Gemeindebrandmeister in Lilienthal und Grasberg winken ab.

In Brake sind Fehlalarme teuer für Firmen und andere Einrichtungen. Die Stadt an der Unterweser hat als eine der ersten Kommunen ihre Gebührensatzung geändert. Eine Hafenfirma hat eine Rechnung über 1194 Euro bekommen – und Klage eingereicht, um die Rechtmäßigkeit prüfen zu lassen. Die Entscheider im Rathaus verweisen auf die Novellierung des niedersächsischen Brandschutzgesetzes.

Die Feuerwehren sollen Gefahren abwehren, Brände bekämpfen und Leben retten. Das ist ihre Pflicht, die die Bürger und Betriebe nichts kostet. Doch das gilt nicht für jeden Einsatz. Wird dem Verursacher eines Feuers grobe Fahrlässigkeit oder Vorsatz nachgewiesen, dann bekommt er die Quittung dafür. Doch was ist bei einem Feueralarm ohne Feuer? Früher reichte es, wenn Betriebe und andere Einrichtungen die regelmäßige Wartung ihrer Brandmelder belegten. Heute räumt das Landesgesetz Kommunen das Recht ein, nach Feueralarmen ohne Feuer sofort Gebühren zu kassieren, wenn sie ihre Satzungen ändern.

Andreas Hensel, Lilienthals Gemeindebrandmeister, hält so eine Strategie für falsch. „Uns liegt nichts dran, den Betreibern Geld abzunehmen. Das sollten sie lieber in ihre Brandmeldeanlagen investieren“, findet Hensel. „Man will ja nicht sofort Stress erzeugen. Es geht nicht ums Geld, sondern in erster Linie darum, Mängel abzustellen.“ Das Landesgesetz räume den Gemeinden nur das Recht ein, Fehlalarm-Einsätze abzurechnen. „Sie sind nicht verpflichtet.“

Böller im Papierkorb

Gebührenbescheide verschickt die Gemeinde, wenn sich Fehlalarme häufen, aber nicht gleich beim ersten Mal. Da beraten Feuerwehrexperten die Betreiber der Warnanlagen und geben Tipps. Die Brandschützer bemühen sich nach Hensels Worten um Fingerspitzengefühl: „Das Schlechteste ist, wenn der Betreiber sagt: Ich will die Feuerwehr nicht alle zwei Wochen auf dem Hof haben und schaltet die Meldeanlage ab.“

Nervig sind Fehlalarme allemal. „Das ist ein Motivationskiller“, weiß der Gemeindebrandmeister. Anders als in Bremen gibt es im Umland keine Berufsfeuerwehr, also keine Brandschützer, die in voller Montur in den Feuerwachen sitzen. Die freiwilligen Feuerwehren stützen sich auf das Engagement von Ehrenamtlichen, die bei Alarmierungen Hals über Kopf ihre Arbeitsstellen verlassen und in aller Eile die Schutzkleidung anlegen. Wenn sie nach Fehlalarmen zurückkehren, fördert das nicht gerade das Verständnis ihrer Arbeitgeber.

In der Gemeinde Lilienthal rücken die Feuerwehren im Jahr über 200 Mal aus, in Spitzenzeiten bis zu 300 Mal. Meistens geht es um Ölspuren, Unfälle und Hilfeleistungen. Die Zahl der Feueralarme? „Keine hundert“, weiß Hensel. Die Zahl der Fehlarme schwankt nach seinen Angaben zwischen 15 und 35 pro Jahr. Die meisten gibt es im Kernort. In Lilienthal und Falkenberg kann sich schon mal jeder zweite Brandeinsatz als Fehlalarm entpuppen.

Technische Defekte sind nur eine Ursache. Wenn das Essen auf dem Herd anbrennt oder das Brot im Toaster, kann der Rauch den Brandmelder auslösen. Wenn Handwerker die Trennscheibe unter dem Melder an Fliesen oder Steinen ansetzen, könnte die Staubwolke Alarm auslösen. Nach Hensels Erfahrung kommen Fehlalarme in Privathäusern „so gut wie gar nicht“ vor. Wohl aber in Betrieben und in Einrichtungen, in denen Menschen betreut werden: „Oft handelt es sich um betreutes Wohnen.“

In Grasberg sind die Fehlalarme kein großes Problem mehr. „Vor fünf bis zehn Jahren hatten wir für unsere Verhältnisse recht hohe Zahlen“, berichtet der Gemeindebrandmeister Norbert Blanke. 10 bis 15 Fehlalarme waren es im Jahr. „Da haben wir mit den Meldeanlagen sehr viel Theater gehabt.“ In Altenheimen schrillte die Alarmglocke schon bei starkem Wasserdampf in der Dusche oder in der Küche. Alte Leute seien eben nicht so mobil und könnten nicht so schnell reagieren, sagt Blanke.

Auch Rauch von außen hat schon Fehlalarme ausgelöst. Einmal in einem Lilienthaler Altenheim und einmal im Grasberger Edeka-Markt, wo Unbekannte einen Silvesterböller in den Papierkorb geworfen hatten. In den vergangenen drei bis fünf Jahren sei es in Grasberg ruhiger geworden, sagt Blanke. „Wir hoffen, dass das so bleibt.“


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Leserkommentare
adagiobarber am 21.10.2019 18:36
viele kleine gelungene schritte ...

in eine verdiente, sichere zukunft.

glückwunsch.

manch' heimischer hat ...
bremenkenner am 21.10.2019 18:08
Leider sehen das hier sehr viele genau anders herum und sind im festen Glauben dass Afrika zig mal in Europa reinpasst. Und viele Afrikaner glauben ...