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Studie zum Windpark Wilstedt
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Forschungsbedarf beim Infraschall

Johannes Heeg 09.10.2019 0 Kommentare

Die Ergebnisse einer neuen Studie zur Geräuschentwicklung des Wilstedter  Windparks haben Wissenschaftler jetzt in einer Bürgerversammlung vorgestellt. Mitgewirkt haben Techniker, Physiker sowie Umweltmediziner und Psychologen.
Die Ergebnisse einer neuen Studie zur Geräuschentwicklung des Wilstedter  Windparks haben Wissenschaftler jetzt in einer Bürgerversammlung vorgestellt. Mitgewirkt haben Techniker, Physiker sowie Umweltmediziner und Psychologen. (Undine Zeidler)

Wilstedt. Die Haltung der Wilstedter zum benachbarten Windpark hat sich ins Positive verändert. So lautet ein Teilergebnis einer umfangreichen Studie, die mehrere Wissenschaftler am Dienstag in einer Bürgerversammlung in Wilstedt präsentiert haben. Von 130 ausgegebenen Fragebögen sind knapp 60 zurückgekommen und seien ausgewertet worden, sagte der für den subjektiven Bereich der Studie zuständige Johannes Pohl, Diplom-Psychologe am Institut für Psychologie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Demnach habe sich Anzahl derjenigen, die sich von den Geräuschen der Windräder belästigt fühlen, im Vergleich zu 2014 halbiert, während die „Lästigkeit“ des Straßenverkehrs in etwa als gleich hoch angesehen werde. Auch die Zahl der Menschen, die sich vordem stark belästigt von den Windrädern gefühlt hätten, habe sich halbiert.

Insgesamt hätten negative Gefühle wie Ärger und Misstrauen abgenommen, während das Vertrauen in die Akteure zugenommen habe. Pohl führte das einerseits auf die nach den ersten Befragungen vorgenommenen Verbesserungen an den Rotorblättern zurück, anderseits vermutete er: „Einige haben wohl ihren Frieden mit dem Windpark gemacht.“ Rolf Struckmeyer, der vor dem Bau des 2009 ans Netz gegangenen Windparks zu dessen Gegnern gehörte, hatte für die aus seiner Sicht schwache Beteiligung an der Befragung zwei Erklärungen: „Es gab schon zwei Befragungen in Wilstedt. Und die Nachrüstung der Rotorblätter hat wirklich viel gebracht.“ Pohls Untersuchung lief im Rahmen eines vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderten großen Projektverbunds, an dem neun Institute und Organisationen beteiligt sind. Der Bund fördert das „TremAc“ genannte Projekt mit 1,85 Millionen Euro.

Aus umweltmedizinischer Sicht stellte Michaela Liebig-Gonglach ein weiteres Teilergebnis vor. Sie wollte wissen: Besteht ein Zusammenhang zwischen dem tieffrequenten Schall der Windräder, den Infraschall eingeschlossen, mit negativen Gesundheitseffekten? Aus 58 ausgewerteten Fragebögen ging hervor, dass zwei Männer und zwei Frauen im Alter zwischen 58 und 78 Jahren ihre gesundheitlichen Beschwerden auf die Windanlagen zurückführen – Schlafstörungen (2), innere Unruhe (2), Ohrgeräusche (1). Eine Person gab Herzrasen und -Herzrhythmusstörungen an, war sich über die Ursache aber nicht sicher. Das Ergebnis fasste die Wissenschaftlerin so zusammen: Die ermittelten Werte liegen im Durchschnitt der Bevölkerung, und ein Zusammenhang mit den Schallwellen aus den Windtürmen habe nicht belegt werden können. Möglicherweise seien beispielsweise im Haus installierte Wärmepumpen die Ursache fürs gestörte Wohlbefinden. Allerdings sei die Datenbasis sehr klein gewesen und Kernfrage weiterhin offen, ob manche Menschen vielleicht besonders sensibel auf tieffrequenten Schall reagieren. Hier müsse weiter geforscht werden, so Liebig-Gonglach.

Auch in Häusern gemessen

Ganz auf die Erfassung objektiv messbarer Daten spezialisiert sind andere an dem Projekt beteiligte Forscher, die seismischen Wellen analysiert haben, um mögliche Bodenübertragungen zu erfassen. Um es ganz genau zu wissen, haben sie auch Messungen in mehreren Gebäuden vorgenommen. Das Ergebnis der mit Spezialmikrofonen und Seismometern vorgenommenen Untersuchungen fasste Ivo Kimmig vom Karlsruher Institut für Technologie so zusammen: Erschütterungen infolge des Betriebs der Windtürme seien an und in den Häusern nicht messbar gewesen. Zwar könnten verschiedene tieffrequente Schallanteile klar den Windrädern zugeordnet werden, doch seien die Schallpegel so gering, dass nicht von einer Belästigung auszugehen sei.

Peter Kudella, ebenfalls Karlsruhe, erklärte, dass auch Biogasanlagen Vibrationen aussenden, die in den Häusern messbar seien. Auch Bäume, durch die der Wind fahre, erzeugten nachweisbare Schwingungen. Zu einem „Grundpegel“ an tieffrequentem Schall trügen auch weiter entfernte Windräder bei. Das habe man festgestellt, weil die Wilstedter Anlagen regelmäßig abgeschaltet worden seien. Allerdings seien auch sie für den Menschen nicht spürbar. Kudella: „Sie liegen um den Faktor hundert unter der Spürbarkeitsgrenze.“ Eine Frau aus Wilstedt machte geltend, dass nicht klar sei, ob auch der nicht spürbare Schall schädlich sein könne. Kudella merkte an, dass die Menschen auf dem Land womöglich lärmempfindlicher seien.

Bürgermeister Traugott Riedesel sagte zum Abschluss der zweieinhalbstündigen Veranstaltung: „In Wilstedt spiegelt sich alles, was in der Welt wichtig ist.“ Wenn eine neue Technologie eingeführt werde, müsse man auch die ernst nehmen, die Angst vor Verlusten und Veränderungen hätten, sich beschränkt und bedroht fühlten. Das habe in Wilstedt dazu geführt, dass die Technik der Windräder im Sinne der Betroffenen wesentlich verbessert worden sei. So hätten die Betreiber viele der einstigen Skeptiker und Zweifler überzeugen können.

Zur Sache

1994 ganz klein angefangen

79 Windräder erzeugen derzeit im Landkreis Osterholz Strom, sieben weitere sind genehmigt, aber noch nicht in Betrieb. Zu den ältesten Anlagen gehört ein 30 Meter hoher Windturm in Wörpedorf, der 1994 aufgestellt wurde, seine Leistung beträgt 150 Kilowatt. In Lilienthal wird die Windkraft ebenfalls seit 1994 genutzt. Eine 250-Kilowatt-Anlage steht in Worphausen. Deutlich größer sind die fünf Windspargel im Windpark Oberende in St. Jürgen mit jeweils 71 Metern Nabenhöhe und 850 Kilowatt Leistung, die von der Ikea Deutschland Windfarm GmbH in München betrieben werden. Die mit 149 Meter höchsten Masten stehen in Vollersode, sie tragen Generatoren mit einer Leistung von drei Megawatt. Ihre Gesamtlänge von 199,5 Metern wird nur übertroffen von 200-Meter-Anlagen in Schwanewede, deren Leistung 3,2 Megawatt beträgt. Die meisten Rotoren drehen sich in Schwanewede, nämlich 23, fünf weitere sind in Planung. 16 Anlagen stehen in Osterholz-Scharmbeck, eine davon ist noch nicht in Betrieb. Sechs Windräder arbeiten in Lilienthal, drei auf Grasberger Gebiet.

Im Landkreis Rotenburg können, so das neue Raumordnungsprogramm genehmigt wird, auf 16 neuen Vorrangflächen 120 weitere Windräder  aufgestellt werden. Die Gesamtgröße aller Windparks beträgt dann 2027 Hektar, was 0,98 Prozent des Kreisgebietes entspricht.


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Leserkommentare
Gissmo am 23.10.2019 09:36
Danke für die konstruktive Antwort, man kann sich scheinbar ja doch noch ohne Beleidigungen hier im Kommentarbereich austoben, so machts doch allen ...
RalfBlumenthal am 23.10.2019 09:28
Was macht ein Ortsamtsleiter, der seinen Willen nicht bekommt ?
Er macht nichtöffentlich, was öffentlich gehört !
So geht das nicht, Herr ...