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Wolfssichtungen nehmen zu
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Für ein Nebeneinander von Mensch und Wolf

Von Irene Niehaus und Patricia Brandt 06.12.2018 0 Kommentare

Niedersachsen zählt inzwischen zu den Bundesländern mit der höchsten Wolfsdichte. Die Wolfssichtungen nehmen auch in den Landkreisen Osterholz und Rotenburg zu.
Niedersachsen zählt inzwischen zu den Bundesländern mit der höchsten Wolfsdichte. Die Wolfssichtungen nehmen auch in den Landkreisen Osterholz und Rotenburg zu. (Klaus-Dietmar Gabbert/dpa)

Steinfeld/Schwanewede. Für den vermuteten Angriff eines Wolfes auf einen 55-Jährigen in Steinfeld haben Wissenschaftler wie berichtet keinen Beleg gefunden. Das findet Jochen Albinger, Bürgermeister der Gemeinde Bülstedt, zu der Steinfeld gehört, beruhigend – zumindest die Tatsache, dass „die Untersuchung mehr Hund als Wolf herausgefunden hat.“ Festlegen wolle er sich selbst allerdings nicht, sondern objektiv bleiben: „In meinen Augen ist es ein nicht definiertes großes Tier gewesen.“ Sollte aber ein zudringlicher Hund für den Biss verantwortlich gewesen sein, sei es jetzt wichtig, nach einem solchen Ausschau zu halten. „In der ganzen Diskussion ist untergegangen, dass es sich vielleicht um einen ganz normalen Haushund handelt, der zuschnappen kann.“

Wölfe gehen grundsätzlich auf Distanz und haben eher Angst vor Menschen, sagt Jochen Albinger. „Wenn Jäger hier in der Gegend mal Wölfe gesehen haben, dann nur durch Zufall und weit draußen. Es sind sehr scheue Tiere.“ Den Menschen in Steinfeld sei klar, dass eine Begegnung mit einem Wolf unwahrscheinlich sei. Grundsätzlich steht Bülstedts Bürgermeister der Anwesenheit des Wolfes positiv gegenüber, nach dem er rund 150 Jahre in Deutschland als ausgestorben galt. Er hegt Sympathie für das Wildtier, es gehört für ihn ebenso zur Landschaft wie Füchse, Rehe oder Dachse. „Dachse können übrigens auch in die Wade beißen.“ Wenn sich der Wolf das große Moor bei Steinfeld ausgesucht habe, sei das absolut nachvollziehbar. Ein Wildtier suche sich ein Revier aus, das zu ihm passe, eine zufällige Beobachtung wäre da nicht ausgeschlossen. „Bei vier Jagden am Wochenende hier bei uns, mit Ansitzjagd, hat jedoch niemand weder einen Wolf noch einen verwilderten Hund entdeckt.“ Albinger bedauert, dass der Mensch es offenbar verlernt habe, im Einklang mit der Natur und mit Wildtieren zu leben, auch wenn diese wie nun die Wölfe aneckten. Er ist sich sicher: „Man kann zusammenleben, es gibt genug Futter und Platz für Mensch und Wildtier.“ Allerdings nur bis zu dem Punkt, an dem irgendwann die Population zu groß werde. „Dann knatscht es.“

In Schwanewede etwa breitet sich der Wolf aus. Das zunächst in Garlstedt gesichtete Rudel mit vier Jungtieren ist inzwischen im gesamten Waldgebiet Schmidts Kiefern zwischen Brundorf, Garlstedt, Meyenburg und Eggestedt heimisch geworden. „Da die Welpen nun inzwischen fast sieben Monate alt und somit auch körperlich ausgewachsen sind, werden sie ihren Aktionsradius in den kommenden Wochen und Monaten deutlich vergrößern und können dann sicherlich im gesamten Landkreis ihre Fährte ziehen“, sagt Heiko Ehing, ehrenamtlicher Wolfsberater im Landkreis Osterholz.

Erst vergangene Woche hat Jäger Linus Martin einen Wolf in der Nähe eines Hochsitzes bei Brundorf gesichtet, fotografiert und gefilmt. „Er hätte mich nicht bemerkt, wenn ich ihn nicht angepfiffen hätte“, berichtet er. Das gesamte Filmmaterial wurde bereits der Landesjägerschaft Niedersachsen zugeschickt, die vom Umweltministerium mit dem Wolfsmonitoring beauftragt worden ist. „Das Bild und auch der Film wurden als C1 bewertet“, sagt Wolfsberater Heiko Ehing. Damit ist klar, dass es sich bei dem Tier tatsächlich um einen Wolf handelt. Er soll aus dem Garlstedter Wolfsrudel stammen.

Diese Wölfe waren Anfang 2017 im Raum Garlstedt nachgewiesen worden. Nach kurzer Zeit lag dann durch eine Fotofalle auch der Nachweis vor, dass es sich um ein Wolfspaar handelte. Ein Jahr später folgte laut Ehing die Rudelbildung. Wie berichtet, hatte er auf Aufnahmen einer Wildkamera im Forstgebiet im Juli dieses Jahres zwei Welpen entdeckt. Die jungen Wölfe waren nach den damaligen Schätzungen etwa zwölf Wochen alt. Schon damals vermutete Ehing, dass es mehr Welpen geben könnte. Die Vermutung hat sich inzwischen bestätigt. „Von der Größe her sind die vier Welpen aber mittlerweile nicht mehr von den erwachsenen Tieren zu unterscheiden“, erläutert der ehrenamtliche Wolfsberater, der im Forstamt Harsefeld für Waldökologie und Waldnaturschutz verantwortlich ist.

Heiko Ehing hat selbst noch nie einen Wolf gesehen. Aber er verfolgt seit Monaten die Spuren, die der Wolf in Schwanewede hinterlässt. Auch vergangene Woche schickte er einmal mehr Wolfslosung aus dem Wald bei Brundorf an die Landesjägerschaft nach Hannover, wo die Fäden für das Monitoring der Wolfspopulation zusammenlaufen. Der Wolfsberater erhofft sich weitere Aufschlüsse über die Genetik. „Wir wissen, dass der Rüde aus Sachsen-Anhalt stammt, aber woher die Fähe kommt, wissen wir noch nicht.“

20 Rudel in Niedersachsen

Bei dem in der vergangenen Woche gefilmten Tier könnte es sich Ehing zufolge um eines der Jungtiere handeln. Niedersachsen gehört nach Angaben des Landesbauernverbands, Landvolk Niedersachsen, inzwischen neben Brandenburg und Sachsen zu den Bundesländern mit der höchsten Wolfsdichte. Die Zahl der Meldungen an Wolfbüros und weitere Monitoring-Projekte wie Wolfskarte.de steigt stetig: 20 Rudel oder bis zu 250 Wölfe sind demnach in Niedersachsen nachgewiesen.

Auch im Kreis Osterholz ist die Zahl der Wolfssichtungen gestiegen. Es gibt inzwischen 55 hieb- und stichfeste Nachweise für ein Wolfsvorkommen. Allein in Schwanewede konnte die Anwesenheit eines Wolfes in 15 Fällen eindeutig nachgewiesen werden. Die meisten Nachweise stammten laut Ehing aus dem Waldgebiet Schmidts Kiefern.


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FloM am 22.10.2019 18:24
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Falls das mein gesperrter Kommentar um 17:18 war, wäre ich über eine kurze Erläuterung Ihrerseits erfreut. ...
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