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Nachhaltigkeitstag in Tarmstedt
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Geht nicht gibt's nicht

Johannes Kessels 07.04.2019 0 Kommentare

Reinhard Hanke nimmt sich eine Küchenmaschine vor. Dass sie nicht funktioniert, bedeutet nicht, dass das so bleiben muss-
Reinhard Hanke nimmt sich eine Küchenmaschine vor. Dass sie nicht funktioniert, bedeutet nicht, dass das so bleiben muss- (Christian Kosak)

Tarmstedt. Der Ersatzschalter war schnell beschafft. Sein Einbau in die alte Kaffeemaschine brachte aber drei Elektriker fast zur Verzweiflung. Bei einer Kaffeemühle hatten sie mehr Erfolg. Im Forum der Kooperativen Gesamtschule in Tarmstedt hat am Sonnabend ein Nachhaltigkeitstag stattgefunden, zu dem auch ein Repair-Café gehörte.

Organisiert wurde der Nachhaltigkeitstag von der Bücherei und deren Förderverein, wie die Büchereileiterin Lore Holsten erklärt. Entstanden ist die Idee, weil gerade eine Ausstellung mit 170 Bilderbüchern einer Sammlerin läuft. Hier sehe man, was es für einen Wert haben könne, alte Sachen aufzubewahren, meinte Lore Holsten. Auch sei sie oft gefragt worden, ob es mal wieder eine Puzzle-Tauschbörse geben könne. „Da sind wir voll beim Thema Nachhaltigkeit.“

Natürlich gab es auch einen Bücherflohmarkt in der Bibliothek, und an einem Tisch waren die neuesten technischen Errungenschaften auf dem Gebiet der Kinderliteratur zu bewundern. Da gab es ein Tablet mit Apps für Bücher des Carlsen-Verlags, die zusätzliche Erklärungen zum Text geben und bei einem Buch über den Wald Vogelstimmen hören lassen. Svea, fünf Jahre alt, hatte es aber mehr die „Tonie-Box“ angetan, ein großer Würfel, der sprechen konnte und Bücher vorlas. Damit er wusste, welches Buch gewünscht war, musste man auf ihn eine kleine Figur stellen. Wenn diese Figur grüne Haut und drei Hörhörner unter ihrem Piratenhelm hatte, gab es eine Geschichte über die Olchies, die auf einer Müllkippe am Rand von Schmuddelfing leben. Stellte man das Sams auf den Würfel, begann er zu erzählen, wie Herr Taschenbier seine Woche verbracht hat – am Donnerstag donnerte es, am Freitag hatte er frei, und am Samstag kam wer? Genau.

Ernster, aber auch recht vergnügt ging es im Forum zu. Auf einer Schautafel der Tarmstedter Tafel war zu erfahren, dass in Deutschland jedes Jahr elf Millionen Tonnen Lebensmittel auf dem Müll landen, Günther Nase warb für das E-Car-Sharing der Samtgemeinde, Dorle Steinke zeigte, wie man Salatherzen oder Staudensellerie dazu bringt, Wurzeln zu schlagen und neu auszutreiben, indem man sie in ein Glas mit Wasser stellt. Nebenan wurden Plastikdeckel von Flaschen oder Milchtüten gesammelt, eine Aktion von Rotary zusammen mit dem Nabu: 500 dieser eigentlich wertlosen Dinger reichen, um für ein Kind eine Impfung gegen Kinderlähmung zu bezahlen. Auch ausgediente Handys konnten abgegeben werden, sie werden in ihre Einzelteile zerlegt.

Wer schulterzuckend an der nächsten Tafel vorbeiging und dachte, hier gehe es um Mülltrennung für Anfänger, musste sich schon mal von Helga Werner einige Fragen stellen lassen: „Wussten Sie, das Kassenbons nicht in das Altpapier gehören?“ Nein, wieso? Weil Kassenbons aus Thermopapier bestehen, die schädliche Chemikalien enthalten können. Sie müssen daher in die Restmülltonne. Und Trinkgläser sollte man nicht in Altglascontainer werfen, weil ihr Glas andere Bestandteile hat als das von Flaschen.

Die Schülermanufaktur für „Upcycling“ zeigte, wie aus Korken kleine Figuren oder Schlüsselanhänger entstehen können, Martina Grzybowski-Reinke stellte Seife her aus Kokos-, Oliven-, Rizinus- und Zitronenöl, gemischt mit Kakaobutter und Ätznatron, sowie Waschmittel aus Kernseife und Waschsoda. Bei Antje Hanke gab es selbstgemachte Bienenwachstücher, in denen Lebensmittel, besonders Obst, lange halten, und die Damenschneidermeisterin Änne Wiege hatte ihre Nähmaschine mitgebracht und machte gerade aus einem Kleid einen Rock.

Gleich drei Tische hatte das Repair-Café belegt, das aus Marco Reinke, Reinhard Schwolow, Günter Tetzlaff, Siegfried Neumann und Erhard Bäsler besteht, alle beruflich vorbelastet. „Wir sind die technische Abteilung“, sagte Siegfried Neumann, der eben mit zwei kleinen Schaltern einer Kaffeemaschine zur Tür hereingekommen war. „Baut mal eben ein, ich hab' Durst“, sagt er zu seinen Kollegen. Aber diese Kaffeemaschine wird so schnell nichts tun, um Durst zu löschen. Der Schalter war schnell angeschlossen, doch das Testgerät von Erhard Bäsler zeigte, dass der Strom nicht da ankommt, wo er soll. Zerlegen lässt sich die Maschine nicht, ein Problem, das es heute bei vielen Elektrogeräten gibt – die Hersteller hätten schließlich kein Interesse daran, dass sie repariert würden, sagen die Repair-Café-Techniker.

Deshalb haben sie auch nach einer halben Stunde Bastelei entschieden, dass eine Küchenmaschine nicht mehr zu retten war, aber eine Kaffeemühle, die nicht mehr drehte, brauchte nur einen Tropfen Öl unten auf die Welle. Kniffliger war da schon der Futterautomat für Kleintiere, den Reinhard Schwolow in Arbeit hatte, eine Art Garage für einen Futternapf, die computergesteuert geöffnet wird. Tina Höll besitzt drei Katzen, eine davon muss Diätfutter bekommen, und damit die anderen beiden es ihr nicht wegfressen, wird es in dem Futterautomaten gesichert. Weil die Katze einen Chip trägt, öffnet sich die Klappe nur für sie. Jetzt waren Tina Höll und ihre High-Tech-Katze aber ratlos, weil die Klappe sich gar nicht mehr öffnete. Reinhard Schwolow hat es zwar geschafft, dass wenigstens ein Lämpchen wieder vorschriftsmäßig blinkt, aber der Hebelmechanismus bewegte sich trotzdem nicht.

„Wir überlegen noch, ob wir das Repair-Café wiederholen“, sagte Günter Tetzlaff, und das gilt auch für den Nachhaltigkeitstag, wie Lore Holsten erklärt – aber das müssten andere entscheiden, da sie ja bekanntlich Ende September in Ruhestand gehe.             


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Leserkommentare
onkelhenry am 19.10.2019 17:00
Hallo @Suzi ....

Was Sie da immer so verstehen ;-)

Das erklärt auch, warum Sie so oft falsch liegen!

Ja zu ...
darkstarbremen am 19.10.2019 16:49
Was redet Frau Bogedan denn da? Weil die Schuler in der Grundschule oder in der 5. Klasee ein niedriges Bildungsniveau haben dürfe man nicht ...