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Lilienthaler Landwirt
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Gerhard Dehlwes ist Bio-Bauer aus Überzeugung

Peter Hanuschke 09.06.2019 0 Kommentare

„Ich arbeite inzwischen mit zehn Biolandwirten zusammen, die nicht weiter als zehn Kilometer von unserem Standort entfernt sind“, sagt Gerhard Dehlwes.
„Ich arbeite inzwischen mit zehn Biolandwirten zusammen, die nicht weiter als zehn Kilometer von unserem Standort entfernt sind“, sagt Gerhard Dehlwes. (Maximilian von Lachner)

Eigentlich ist für Milchprodukte das ganze Jahr über Saison. Doch im historischen Lilienthaler Ortsteil Trupe werden in den kommenden Wochen wohl noch häufiger Molkereiprodukte verzehrt: Denn wie in vielen anderen Orten im Verbreitungsgebiet dieser Zeitung auch, ist dort seit Mai wieder das Melkhüs geöffnet – ein beliebtes Ziel besonders für Radausflügler. Dass dort alle Produkte bio-zertifiziert sind, dafür hat der Landwirt Gerhard Dehlwes gesorgt – und zwar schon Jahre bevor der Hype um Bio-Produkte losging und sie auch in Supermarkt- und Discounterregalen zu finden waren.

1999 stellte Dehlwes seinen Hof um. Seit Generationen betrieb die Familie Dehlwes bis dahin konventionelle Landwirtschaft in der Wümmeland-Region. Heute sagt der 52-Jährige, es sei gut gewesen, „dass ich so ein dickes Fell habe“. Denn es war kein einfacher Weg. Viele der anderen Landwirte hätten skeptisch auf den neuen Betrieb geschaut. „Und sie haben viel über uns geredet – meistens negativ.“ Sie waren überzeugt davon, dass er den falschen Weg eingeschlagen hatte  – „das war‘s dann mit dem Dehlwes“, hörte er häufiger. „Bauern sind wie Herdentiere – ich bin damals aus der Herde raus.“

Es war der richtige Weg, wie sich heute zeigt. Mit seinen Bio-Produkten beliefert die Hofmolkerei Dehlwes seit Jahren unter anderem mehrere Supermarktketten. Das Absatzgebiet umfasst die Region mit Bremen, Oldenburg, Hannover und Hamburg. Etwa 30.000 Liter Milch werden täglich verarbeitet, die nicht allein von seinen eigenen 260 Milchkühen kommt. „Ich arbeite inzwischen mit zehn Biolandwirten zusammen, die nicht weiter als zehn Kilometer von unserem Standort entfernt sind.“ Schon vor der Umstellung hatte Dehlwes Milch nach Bremen geliefert, bis 1996 die nahezu unbehandelte Vorzugsmilch. Doch mehr oder weniger von einem auf den anderen Tag war die Milch aus Trupe nur noch schwer absetzbar. Grund dafür war eine der vielen Lebensmittelkrisen, damals ausgelöst durch den sogenannten Ehec-Keim. „Ich musste reagieren, und von Gesprächen mit Kunden bei Verkostungen in Supermärkten wusste ich, dass immer mehr von ihnen wissen wollten, womit die Kühe gefüttert und wie sie gehalten werden.“ Für ihn und seine Frau stand dann nach reiflicher Überlegung fest, dass der Hof auf Bio-Produktion umgestellt werden muss.

„Wir haben es dann gemacht, obwohl es nicht einfach war.“ Es hätte nichts schief laufen dürfen. „Kein Banker hätte mich damals noch gegrüßt.“ Als Unternehmer müsse man manchmal ins Risiko gehen. „Entscheidend ist dann, voll dahinter zu stehen und das Ganze durchzuziehen.“

Mitte 
Alnatura, Faulenstr. 54-70, Telefon: 0421/1653954 
Mitte 
Bremer Feinkost GmbH (Bio-Teilsortiment), Schlachte 38, Telefon: 0421/1788850 
Neustadt
Aleco GmbH, Kirchweg 204, Telefon: 0421/55900327 
Ostertor 
Kraut und Rüben, Wulwesstr. 5, Telefon: 0421/73773
Fotostrecke: Diese Bio-Läden gibt es in Bremen und umzu

Was Bio-Produkte insgesamt angeht, hat Dehlwes eine klare Meinung. „Die Herstellung ist nachhaltig – ganz so, wie es gerade vielfach diskutiert und gefordert wird.“ Es sei beispielsweise vorgeschrieben, wie viele Kräuter und Gräser wie Klee auf den Wiesen ausgesät werden müssen. „Diese sogenannten Leguminosen sind nicht nur wertvolle Eiweißlieferanten als Futter, sondern sorgen auch für eine Insektenvielfalt. Wer also einen Liter Bio-Milch kauft, sorgt für mehr Insekten.“ Gleiches gelte natürlich für Bio-Fleisch.

Er will keine Leute bekehren, aber „letztlich hat es der Verbraucher in der Hand zu gestalten. Das kann wirksamer sein als Gesetze. Je mehr Kunden Bio-Produkte kaufen, desto mehr Landwirte werden entsprechend ihre Produktion ausrichten.“ Wenn Schulklassen seinen Hof besichtigen, erklärt Dehlwes den Schüler gerne, dass das Hähnchen für 4,50 Euro am Ende genauso viel koste wie das Bio-Hähnchen für 18 Euro. „Auf den ersten Blick ist das Bio-Hähnchen vielleicht teurer, durch die dreimal so lange Mastzeit und die Verwendung von Biofutter.“ Doch das relativiere sich. Denn für das Nitrat, das bei der Massentierhaltung ins Grundwasser gelange, müsse der Verbraucher am Ende auch bezahlen. „Noch überzeugender ist es, wenn ich sage, dass beim Verkauf von Hähnchen aus der Massentierhaltung eigentlich 20 Liter Gülle dazugeben werden müssten.“ Insofern ist für Dehlwes klar, dass er auch für sich selbst darauf achtet, dass er nur tierische Produkte aus Bio-Herstellung kauft. 

In seiner Freizeit beschäftigt Dehlwes sich meistens mit der Natur. „Ich gehe am liebsten mit meiner Frau und unserem Hund in den Wiesen spazieren.“ Vor kurzem war er an der Hamme bei Worpswede unterwegs.
„Da haben wir doch tatsächlich wieder Frösche quaken hören.“ Gleiches habe er in den Wümmewiesen feststellen können. Und auch die Insektenvielfalt habe dort zugenommen. Dehlwes führt das auf die dort überwiegend stattfindende Bio-Landwirtschaft zurück. „Da gibt es nun ja auch nachweislich einen Zusammenhang.“


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Leserkommentare
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