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Geplante Erdgasmessungen
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Hunderte Besucher bei Infoabend in Grasberg

André Fesser 29.10.2018 0 Kommentare

Kein Platz blieb unbesetzt. Viele Besucher des Grasberger Hofs mussten sogar stehen.
Kein Platz blieb unbesetzt. Viele Besucher des Grasberger Hofs mussten sogar stehen. (André Fesser)

Die Menschen aus Grasberg und Umgebung rücken zusammen. Die Sorge um die Folgen geplanter seismologischer Untersuchungen und eine mögliche Erdgas-Förderung in der Region hat am Montagabend mehrere hundert Menschen dazu gebracht, in den Grasberger Hof zu kommen. Eingeladen hatte eine Gruppe engagierter Bürger um den Grasberger Oliver Heyne. Ihr Ziel: Sie wollen die Menschen auf die Unwägbarkeiten der Erdgasförderung aufmerksam machen und sie mobilisieren, sich gegen die Pläne der Deutschen Erdöl AG (Dea) zu wehren.

Wie berichtet, plant das Unternehmen Anfang kommenden Jahres in den Landkreisen Osterholz und Rotenburg Messungen mit sogenannten Vibro-Trucks. Die tonnenschweren Geräte fahren über Straßen und Grundstücke und senden dabei Schallwellen in den Untergrund. Das Echo dieser Schallwellen wird an der Oberfläche mit Messgeräten, sogenannten Geophonen, aufgefangen. Die Daten werden daraufhin in eine unterirdische Landkarte übersetzt. Auf diese Weise kann das Unternehmen sehen, wo es Gasvorkommen gibt.

Die Sorge, dass die Messungen selbst schon Schäden an den Immobilien anrichten können oder gar der Einstieg in die Gasförderung mit all ihren für Laien schwer abschätzbaren Folgen sein können, hat in den vergangenen Wochen die Menschen der Region in Alarmstimmung versetzt.  Das Ausmaß der Verunsicherung zeigte sich am Montag schon in der Zahl der Teilnehmer der Infoveranstaltung. Der Wirt des Grasberger Hofs hatte dafür ausnahmsweise den Ruhetag gestrichen und den Saal geöffnet. Die etwa 200 bereitgestellten Sitzplätze reichten aber bei Weitem nicht aus, die Menschen aufzunehmen. Mindestens doppelt so viele drängten in den Hof, sie saßen auf der Heizung und der Fensterbank, auf Tischen, der Bühne und dem Fußboden. Viele blieben auch einfach stehen.

Auf dem Podium saßen neben den Organisatoren, die beabsichtigen, in den kommenden Wochen eine Bürgerinitiative (BI) zu gründen, auch mehrere Vertreter bereits bestehender Initiativen, die von ihren Erfahrungen beim Einsatz gegen die Gasförderung in ihrer Region berichten konnten. So erzählte Gero Landzettel von der BI in Langwedel von negativen Erlebnissen mit schwermetallbelasteten Lagerstättenwasser, das bei der Gasgewinnung mit zutage gefördert wird, und leichteren Erdbeben, die infolge der Förderung entstanden seien und Gebäudeschäden nach sich gezogen hätten. Landzettel machte den Anwesenden aber Mut: Im Landkreis Osterholz gehe es zunächst um einmal um Messungen. „Es soll geguckt werden, ob sich eine Förderung lohnt. Wenn Sie das schon verhindern können, haben sie einiges geschafft, und Lagerstättenwasser und Erdbeben sind hier kein Thema.“

Martin Busch von der BI Verden-Walle warnte dennoch davor, auf etwaige Angebote der Erdgasförderer einzugehen, weil man als Grundbesitzer oder Eigentümer am Ende auf dem Schaden sitzen bleiben könnte. Das Risiko lasse sich nicht bezahlen, sagte er an die Adresse derer, die mit dem Gedanken spielen könnten, mit der Dea ins Geschäft zu kommen.

Doch an dieser Stelle sei man ja auch noch gar nicht, mahnten andere. Zunächst gehe es um die Frage, wie man mit dem Messvorhaben umgehen sollte. Für Andreas Rathjens, der sich von Groß Meckelsen aus seit Jahren gegen die Gasförderung und für sauberes Trinkwasser einsetzt, ist der Fall klar: Man müsste der Dea einfach das Betreten des eigenen Grundstücks verbieten. Wie das aussehen kann, demonstrierte er eindrucksvoll mit einem großen Pfosten, den man in die Erde schlagen und mit einem Schild versehen kann: Privatgrundstück – Seismologische Untersuchungen untersagt.

Der Vorschlag kam gut an, viele Besucher der Veranstaltung hatten sich aber noch ein paar mehr Vorschläge erhofft, zumal der Langwedeler BI-Vertreter Langzettel deutlich machte, dass es schlimmstenfalls sogar passieren könnte, dass die Dea einen Pachtvertrag zur Fördernutzung erzwingen könnte, wenn sie Politik und Gerichte von ihren Argumenten überzeugte. Er betonte aber, dass man hiervon noch weit entfernt ist, und zunächst versuchen sollte, die Messungen zu verhindern.

Die allgemeine Verunsicherung mündete schließlich in den Ruf nach einer Positionierung der Politiker, die an diesem Abend nach Vorstellung der Veranstalter eigentlich hinter den BI-Vertretern zurücktreten sollten. Dazu aufgerufen, machte die Grasberger Bürgermeisterin Marion Schorfmann  (CDU) deutlich, dass das Thema am Donnerstag vom Gemeinderat behandelt wird. Die Verwaltung empfiehlt dem Rat in einer Beschlussvorlage, die Sondernutzung Grasberger Straßen für die Nutzung mit Vibro-Trucks abzulehnen (wir berichteten).

Die Frage, wie sich die Lage denn in Lilienthal darstelle, beantwortete Ratsmitglied Meike Artmann von den Grünen mit dem Verweis auf die Ratssitzung am 11. Dezember. „Hoffentlich ist es dann nicht zu spät“, sagte Artmann. Und der CDU-Landtagsabgeordnete Axel Miesner, wie Schorfmann und Artmann war er im Publikum untergekommen, betonte, dass das Thema auch auf Kreisebene behandelt werde. Er stellte sich auf die Seite der Messgegner und empfahl den Bürgern, mit ihrem Protest weiterzumachen.

Geht es nach Oliver Heyne und seinen Mitstreitern, soll auch noch lange nicht Schluss sein. Nach der ersten Infoveranstaltung vor zwei Wochen und dieser zweiten am Montag, ist nun eine dritte geplant, die die wirtschaftlichen und gesundheitlichen Folgen der Erdgasförderung thematisieren soll. Sie soll in zwei bis drei Wochen stattfinden. Heyne betonte, dass dieser Abend dann auch woanders stattfinden könnte als in Grasberg. Denn dieses Thema sei nicht auf diese Gemeinde beschränkt: „Es geht auch Fischerhude und Quelkhorn, Seebergen, Lilienthal und Worpswede etwas an.“


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Leserkommentare
Majajanosch am 23.10.2019 17:07
Geschenke? Da sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Beiträge teilen kommen beispielsweise bei mir knapp 500€ runter vom Bruttoverdienst. Im jetzigen ...
suziwolf am 23.10.2019 17:03
Womit Sie den Punkt getroffen haben
@Kretschmar 🎯 ...

Nur, der ,schwarz arbeitende‘ 🎅🏿
(🙊🙈🙉)
hätte nichts davon.