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Neues Projekt in Worpswede
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Inklusive Galerie im Blauen Haus

Cornelia Hagenah 06.05.2019 0 Kommentare

Hanno aus Worpswede und Uschi Paatz stellen zusammen mit Flo Mega, dessen Bilder im Hintergrund zu sehen sind, aus.
Hanno aus Worpswede und Uschi Paatz stellen zusammen mit Flo Mega, dessen Bilder im Hintergrund zu sehen sind, aus. (Cornelia Hagenah)

Worpswede. Dicht gedrängt haben sich die Menschen zur Ausstellungseröffnung im Blauen Haus an der Findorffstraße versammelt. Nach langer Zeit ist die Galerie wieder mit Leben gefüllt, aber nun mit neuem Inhaber und neuer Ausrichtung. Und dies spiegelt sich auch in den Gesprächen und Menschen wider, die hier voller Erwartung erschienen sind. Die Stiftung Maribondo da Floresta, geleitet von Erwin Bienewald, hat das Haus mit einer Galeriefläche von 150 Quadratmetern jetzt als inklusive Galerie mit einem kleinen Cafè, als Begegnungsstätte für behinderte und nicht behinderte Künstler mit neuem Leben gefüllt. Werke von drei Künstlern, Uschi Paatz, Hanno aus Worpswede und Flo Mega füllen die Wände und bilden den Auftakt der Galerie Maribondo.

Schon beim Betreten der Galerie erblickt man freundliche und lachende Gesichter, comichaft dargestellt, die einen klassischen Telefonhörer in der Hand halten. Im quadratischen Format und in Sprühtechnik variiert Flo Mega, der als Soulsänger aus Bremen deutschlandweit bekannt ist, dieses Thema unter dem Titel „Menschliche Kommunikation und soziales Miteinander“. „Ausgestellt waren diese Werke noch nie“, sagt Judith Mathey, die die Ausstellung kuratiert hat. Und sie seien auch schon vor 18 Jahren entstanden, noch bevor der Sänger sein erstes Musikalbum herausbrachte. Thematisch passen sie aber in das Ausstellungskonzept, in dem es um ein Miteinander der Menschen geht.

Neben Flo Mega stellt Uschi Paatz ihre kolorierten Radierungen aus. Paatz engagiert sich seit Jahrzehnten neben ihrer therapeutischen Tätigkeit in einer Bremer Praxis für die Stiftung. Auf Reisen nach Brasilien, Kreta und Cornwall hat sie ihre Impulse für die kleinformatigen Radierungen gewonnen, die sie nachträglich kolorierte. Thematisch ist ihre Kunst größtenteils an der fremdländischen Pflanzenwelt orientiert.

Es geht um das Miteinander

Hanno aus Worpswede – so der Künstlername und mehr will er auch nicht verraten – ist mit seinen Lieblingsbildern vertreten. Farbkräftige kleinformatige Arbeiten zeigen Fantasiefiguren, Landschaften in leuchtenden Farben zusammen mit kleinen Gedichten. Fast jedes Bild ist durch ein paar Schriftzeilen im unteren Bereich ergänzt und versinnbildlicht die Gedanken des Künstlers. Für alle drei Künstler ist es eine Premiere, noch nie wurden ihre Arbeiten ausgestellt.

Etwas enttäuscht sind die Besucher als Sie hören, dass Flo Mega nicht zur Eröffnung erscheint, weil er gerade mit seinem neuen Album auf Deutschland-Tour ist. Paatz und Hanno aus Worpswede genießen allerdings die Eröffnung, und Hanno liest noch eines seiner Bildgedichte vor allen Gästen vor, auch wenn er eigentlich große Menschenansammlungen scheut.

Dagegen ist Erwin Bienewald, Vorsitzender der Stiftung Maribondo da Floresta, erfreut über die vielen Menschen, die Interesse an dem neuen Projekt haben. „Wir wollen eine Lobby für psychisch Kranke sein“, sagt er in seiner Eröffnungsrede und erläutert, dass gerade psychisch Kranke oft nicht so anerkannt seien wie Menschen mit Behinderung. Es geht um das Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung und dies scheint bei der Eröffnung wunderbar zu funktionieren.

Eigentlich war ursprünglich angedacht, nur ein Café zu eröffnen, um selbsthergestelltes Eis zu verkaufen, aber der Bebauungsplan habe das nicht zu gelassen. So sei die Idee der inklusiven Galerie mit angegliedertem Café entstanden. Und die drei Frauen, die hier jetzt den Kaffee und Kuchen verkaufen, haben mächtig zu tun. Sie freuen sich über ihre neue Beschäftigung. „Ich hatte eine psychische Krise und konnte meinen Beruf nicht weiter ausüben,“ sagt Nicole Saccaro vor den Gästen der Vernissage und findet es „total schön“ hier jetzt arbeiten zu können. Sie und ihre zwei Kolleginnen haben wirklich alle Hände voll zu tun, um die Wünsche der Besucher schnellstmöglich nach der offiziellen Eröffnung zu erfüllen. Während die einen Kaffee und Kuchen im abgetrennten Café drinnen und auch draußen auf der Terrasse genießen, lauschen die anderen Klängen des Jazz-Trios Velvet oder später den Los Maribondos vom Wohnheim Semkenhof und der Gruppe Stimaro vom Stiftungsdorf Wörpedahl.

Die Stiftung Maribondo da Floresta hat neben den Wohneinrichtungen auch zahlreiche Beschäftigungsmöglichkeiten für Menschen mit Beeinträchtigungen geschaffen. Neben dem Bowlingzentrum in Osterholz-Scharmbeck, dem Gasthaus Schamaika in Teufelsmoor und dem Bistro Julius in Bremen, haben sie eine Backstube und eine Apfelmosterei. Mit dem Blauen Haus schaffen sie nun im Zentrum Worpswedes eine Galerie und Begegnungsstätte.

Diese Idee kommt bei den Gästen gut an. „Ein schönes Projekt“, findet Mirko Schultz, der mit seiner Mutter aus Lilienthal zur Eröffnung gekommen ist und der es wichtig findet, behinderte und nicht behinderte Menschen zusammenzubringen. Während ein Anderer im Vorbeigehen sagt: „Kunst sollte jeder machen, da kommt man ganz schön runter“. Und die Werke der ausstellenden Künstler stehen auch so manch einem anderen Künstler in nichts nach.


Die Galerie Maribondo – Das Blaue Haus an der Findorffstraße 9 in Worpswede ist jeweils von Mittwoch bis Sonntag in der Zeit zwischen 14 und 18 Uhr geöffnet. Die derzeitige Ausstellung ist noch bis zum 30. September zu sehen.


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Leserkommentare
onkelhenry am 19.10.2019 18:12
74 Jahre SPD!

Nirgendwo ist die Kluft zwischen arm und reich größer.
Schlechte Wirtschaft, schlechte Bildung ... von vielen ...
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...