Wetter: Regen, 11 bis 14 °C
Rettungseinsätze
Der Artikel wurde zur Merkliste hinzugefügt.
Die Merkliste finden Sie oben links auf der Seite.

Irrfahrt durchs Baugebiet

Irene Niehaus 14.02.2019 1 Kommentar

In Neubaugebieten müssen die Rettungskräfte gelegentlich etwas länger nach dem Einsatzort suchen, weil sie sich noch nicht so gut auskennen oder Hausnummern noch fehlen.
In Neubaugebieten müssen die Rettungskräfte gelegentlich etwas länger nach dem Einsatzort suchen, weil sie sich noch nicht so gut auskennen oder Hausnummern noch fehlen. (Fotos: Irene Niehaus)

Lilienthal. Schlaganfall, Herzinfarkt, schwere Unfälle: In lebensbedrohlichen Situationen zählt jede Minute. Bei einem Notruf werden die Einsatzkräfte mit ihren Rettungsfahrzeugen durch ihre Heimatgemeinde geschickt, oft aber auch in Nachbarorte. Dabei sind neben aktuellen Daten des Navigationsgeräts und lesbaren Hausnummern auch gute Ortskenntnisse der Rettungskräfte unerlässlich. Vor allem Neubaugebiete stellen eine Herausforderung dar.

Manchmal läuft es wie in diesem Fall: Erst nach einer gefühlten Ewigkeit kommen Einsatzkräfte bei einem Patienten an. Sie haben Probleme, den Einsatzort in Lilienthal zu finden. Eine Anwohnerin beobachtet, wie der Fahrer des Rettungswagens zunächst den Hauptweg entlangfährt, die Sackgasse auf der linken Seite übersieht, geradeaus weiterfährt und erst nach einer Runde über eine andere Straße zum Ziel gelangt. Die Anwohnerin führt die Irrfahrt auf das fehlende Straßenschild an der Einfahrt der Sackgasse zurück.

Bei einem ähnlich dramatischen Fall kurze Zeit später am selben Ort postieren sich Nachbarn dann vorsorglich an der Straßenecke, um den Rettungskräften den Weg zu zeigen. Die beiden Vorfälle liegen schon eine ganze Weile zurück. Jetzt soll ein Schild her, verspricht die Gemeinde Lilienthal. Unbedingt notwendig sei es allerdings nicht, erklärt Stephan Riemenschneider von der Gemeindeverwaltung. „Sackgassen müssen nicht unbedingt ein Schild haben, wenn sie eindeutig einem Hauptweg zuzuordnen sind.“

Wenn Straßenschilder fehlen, können Rettungskräfte ein Problem bekommen – in alten Siedlungen wie in Neubaugebieten. „Neubaugebiete sind besonders schwierig für uns, weil man sich da noch nicht auskennt und die Straßen häufig noch nicht im Navi sind“, erzählt die Lilienthaler DRK-Rettungsassistentin Charline Ulbrich. Werden Neubaugebiete ausgewiesen oder Hausnummern geändert, geben die Gemeinden diese Infos an die Leitstelle in Bremerhaven weiter, berichtet Jana Lindemann, Sprecherin des Landkreises Osterholz. Bei der Leitstelle gehen die 112-Notrufe ein. Dort würden die neuen Daten im Einsatzleitsystem eingepflegt. Nicht immer jedoch seien neue Straßen schon im Kartenmaterial enthalten, räumt Lindemann ein. Die Digital-Karten bezieht der Landkreis über das Landesamt für Geoinformation und Landesvermessung Niedersachsen. Es wird laut Lindemann etwa halbjährlich aktualisiert.

Damit bis dahin Rettungskräfte Einsatzorte in Neubaugebieten finden, übermittelt ihnen das Navi zunächst das nächstgelegene Grundstück im Bereich der Zufahrt zu diesem Gebiet. Damit sei sichergestellt, dass der Einsatzleitrechner den schnellsten Weg zum Neubaugebiet ermitteln könne, so Lindemann. Die exakten Daten zum Einsatzort erhalten die Sanitäter in solchen Fällen dann per Funk von einem Kollegen in Bremerhaven. Das ermögliche, so Lindemann, dass die Sanitäter die letzten Meter ab der Zufahrt bis zum Einsatzort ohne eine über ein Navigationsgerät vorgegebene Route zurücklegen könnten.

Die Rettungskräfte profitieren in Lilienthal davon, dass die Gemeinde in neuen Baugebieten frühzeitig die Straßenschilder aufstellt. Das geschieht, lange bevor die ersten Häuser errichtet werden, bereits dann, wenn Wege angelegt und Versorgungsleitungen verlegt werden, berichtet Gemeindebrandmeister Andreas Hensel. Frühzeitig bekommt er auch die Hausnummer neuer Gebäude, meist zeitgleich mit oder kurz nach der Baugenehmigung, sagt Hensel. Hat etwa ein Handwerker während der Bauphase einen Unfall, muss die Feuerwehr dank der Infos somit nicht lange nach dem Haus suchen. Die Daten samt Kartenauszug leitet Hensel an die Ortsfeuerwehren weiter.

Bei Alarm bekommen die Feuerwehrleute von der Leitstelle das Einsatzstichwort plus Ort auf die Pieper gesendet. Diese Daten und ein Anfahrtsweg über Google Maps schickt die Leitstelle auch ins Feuerwehrhaus, wo sie auf einem Monitor erscheinen. Gleichzeitig druckt der Drucker das Alarmfax und den Anfahrtsweg aus. „Wichtig ist, dass die Karten immer aktualisiert werden“, sagt Lilienthals Ortsbrandmeister Lars van den Hoogen. Im Großen und Ganzen klappe es gut, die Einsatzorte zu finden. Das bestätigt Andreas Hensel, der sich in Lilienthal auf seine Ortskenntnisse und die seiner Kameraden verlassen könne. „Wir haben eigentlich immer jemanden, der den Weg kennt.“ Sind die Lilienthaler in anderen Gemeinden unterwegs, erfahren sie über Funk den Anfahrtsweg und erbitten die Einweisung. Ganz selten sei es erforderlich, so Hensel, dass ein Lotse vor Ort den Weg weisen müsse. Über ein Navigationsgerät, auf das automatisch die Einsatzdaten übermittelt werden, verfügen die wenigsten Lilienthaler Feuerwehrfahrzeuge.

Das ist beim DRK-Rettungsdienst anders. Der erhält die Informationen zum Einsatzort als GPS-Daten direkt ins Auto gemeldet. Die Leitstelle setzt dabei nach Angaben der Landkreissprecherin Jana Lindemann jeweils den Wagen aus dem Landkreis Osterholz ein, der den kürzesten Weg zum Einsatzort hat und verfügbar ist. Die Routen berechnet die Software des eingebauten Navigationsgerätes, eine Software, die laut Lindemann häufiger als die Software gängiger Anbieter aktualisiert wird und auch mehr Informationen in der Karte abbildet. „Die Aktualisierung findet etwa drei Mal jährlich statt“, sagt Lindemann.

Zur Sache

Hausnummer muss lesbar sein

Moderne Technik und gute Ortskenntnisse – darauf können die Rettungskräfte in der Regel vertrauen. Doch je näher man zu dem Einsatzort kommt, umso wichtiger werden andere Faktoren, wissen die Sanitäter Harm Behrens und Andre Cordes. Ein entscheidender Punkt ist, dass jedes Haus deutlich mit einer Hausnummer gekennzeichnet ist. „An manchem Neubau klebt am Rollladen ein Zettel mit der Hausnummer, die übersieht man so leicht“, erzählt Behrens. Dabei zähle bei manchem Einsatz, bei plötzlichem Herztod oder einem Atemstillstand, jede Minute. „Es gibt immer wieder Situationen, in denen es eng wird“, sagt der 38-Jährige. Da kann schnelle Hilfe an so kleinen Dingen scheitern, die einem im Normalfall gar nicht auffallen. So sind dunkle Hausnummern auf dunklem Grund im Notfall wenig nützlich, besonders abends. Manche Hausnummern sind auch so angebracht, dass sie von der Straßenseite aus nicht direkt sichtbar sind. Zudem kommt es vor, dass in Stichstraßen die Hausnummern fehlen. „Schwierig kann es auch werden“, sagt der 33-jährige Cordes, „wenn in Mehrfamilienhäusern das Namensschild an der Klingel fehlt oder es verblichen ist.“ Sinnvoll ist es, jemanden abzustellen, der den Einsatzkräften an Ort und Stelle zeigen kann, wo genau sie hinmüssen, nachts am besten mit einer Lampe. „Das hilft ungemein“, betont Behrens.


Meine Wümme-Region
Ihr Portal für die Wümme-Region

Herzlich willkommen in Ihrem Portal für die Wümme-Region. In diesem Portal informieren wir Sie über wichtige Nachrichten und Veranstaltungen aus Ihrer Region.

Ein Artikel von
Ein Syrer und sein neues Leben in Rotenburg
Samer Tannous ist Hochschullehrer aus Damaskus, lebt mit seiner Familie seit 2015 in Rotenburg und arbeitet dort als Französischlehrer. In der Wümme-Zeitung schreibt er wöchentlich über seine Erlebnisse.
Ihr Wetter in Bremen
Temperatur: 14 °C / 11 °C
Vormittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/Regen.png
Nachmittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/Regen.png
  Regenwahrscheinlichkeit: 90 %
Die Sportmeldungen aus der Region
Veranstaltung für Ihre Region
Sonderthemen aus der Region
Sonderthemen aus der Region
Traueranzeigen
WESER-KURIER Kundenservice
Leserkommentare
peteris am 20.10.2019 10:00
Premier Johnson ist "persönlich dagegen"
Brexit-Verschiebung: EU-Ratschef Tusk erreichen drei Briefe

Drei Briefe? Haben die ...
elfotografo am 20.10.2019 09:56
Was bezeichnet es denn, wenn der Kultursenator auf eine ihm gestellte Frage antwortet?