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Ende einer Ära
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Kaffee Worpswede schließt nach 20 Jahren

Lars Fischer 15.02.2019 0 Kommentare

Susanna und Jens Kommerau eröffneten am 1. März 1999 ihr Restaurant Kaffee Worpswede. An diesem Freitag werden in dem Haus, das zu den kulinarischen Topadressen in Norddeutschland gehörte, die letzten Essen serviert. Die Kommeraus wollen im Herbst
Susanna und Jens Kommerau eröffneten am 1. März 1999 ihr Restaurant Kaffee Worpswede. An diesem Freitag werden in dem Haus, das zu den kulinarischen Topadressen in Norddeutschland gehörte, die letzten Essen serviert. Die Kommeraus wollen im Herbst ein neues Restaurant in Bremen eröffnen, die Zukunft der sanierungsbedürftigen Worpsweder Immobilie ist offen. (von Lachner)

Zu sagen, man geht mit einem lachenden und einem weinenden Auge, ist ein Allgemeinplatz. Für Susanna und Jens Kommerau, die fast auf den Tag genau 20 Jahre das Kaffee Worpswede betrieben haben, trifft genau diese Ambivalenz zu. Im Moment sind es aber eher die Tränen, die fließen. Die Zeichen stehen auf Abschied: An diesem Freitag steht Küchenchef Jens Kommerau zum letzten Mal in seinem Restaurant am Herd. Alle Tische sind seit Wochen reserviert.

Am Sonnabend gibt es noch eine private Feier, ab Sonntag beginnt der Auszug. Damit endet nicht weniger als eine kulinarische Ära im Künstlerdorf. Und es beginnt eine Phase der Konsolidierung. Denn was mit dem bisherigen Spitzenrestaurant in eben solcher Lage zukünftig passieren soll, steht in den Sternen. Es wird keine schnelle Nachfolge geben, sondern zunächst einmal eine umfangreiche Sanierung des Gebäudes. Danach soll es wieder gastronomisch genutzt werden. Die Kulturstiftung Osterholz als Verpächterin geht davon aus, dass es bis zu einer Neueröffnung rund ein Jahr dauern werde, so die stellvertretende Geschäftsführerin, Patricia Nuske.

Da sind die Kommeraus mit ihren Zukunftsplänen weiter: Für das Ehepaar geht die Reise nach Bremen. Am 1. Oktober will es ein neues Restaurant an der Hollerallee 77, direkt neben dem Standesamt, eröffnen. Der Name steht noch nicht fest, das Konzept aber schon: Größe und Ausrichtung der Küche sollen in etwa so bleiben wie in Worpswede. Anders aber wird sein, dass die beiden nicht mehr alleinverantwortlich fürs Geschäft sein werden. Mit dem Bremer Johann Christoph Meier, ehemaliger Geschäftsführer des Weinhandels Eggers & Franke und französischer Honorarkonsul in der Hansestadt, gibt es einen Kompagnon. Der betreibt auch Ludwigs Weinbar und das Bobby Lane an der Wachmannstraße, wo es dann ab Herbst ebenfalls Kleinigkeiten von Kommerau zu essen geben soll.

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Jens Kommerau hat in zwei Jahrzehnten in seinem Geburtsort Worpswede kulinarische Standards gesetzt. Das Kaffee Worpswede galt neben Adressen wie Pades in Verden, das Sterneck in Cuxhaven oder Grashoffs Bistro in Bremen unter Feinschmeckern als die Topadresse in der Region. Und es war für manche Touristen der Grund, überhaupt nach Worpswede zu kommen. So spricht Hans von Helldorff, CDU-Ratsherr und Investor für den geplanten Neubau des Hotels Eichenhofs, von einem „Drama“ für den Ort. Gemeinsam mit dem Unternehmer Michael Milbradt hat er den Kommeraus am Donnerstag eine Nachbildung des „Bonzen des Humors“, der das Logo des Restaurants zierte, überreicht – als „Anerkennung für die Leistung des Ehepaars“.

Von Helldorff nutzte die Gelegenheit aber auch, um deutliche Vorwürfe zu erheben: „Ignoranz, Unfähigkeit und mangelnde Weitsicht der Verantwortlichen aus Politik und Inhaberschaft der Immobilie geben sich jetzt, wo das Kind in den Brunnen gefallen ist, betroffen und ratlos“, sagte er. Susanna und Jens Kommerau schlagen da deutlich moderate Töne an, aber auch bei ihnen ist Enttäuschung spürbar. Die äußerst schwierige Situation in dem historischen Hoetger-Bau ist dabei ein zentraler Aspekt. Noch im vergangenen Jahr hatten sie eine neue Küche einbauen lassen, aber andere, nötige Renovierungen in dem eigenwilligen Gebäude, das zudem unter Denkmalschutz steht, blieben aus. Die Sanitäranlagen sind stark sanierungsbedürftig, es bröselt und bröckelt, und auch der Holzwurm steckt hier und da im Gebälk. Der Segen des besonderen Ambientes, das der einzigartige Bau ausstrahlt, wurde zum Fluch, wenn es um Modernisierungen ging.

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Aber allein damit wollen die Geschäftsleute ihren Weggang nicht begründen. „Wenn ich noch mal einen Neustart wagen will, dann jetzt“, sagt der 55-jährige Chef de Cuisine. Neben den räumlichen Bedingungen sei auch die Personallage ein Grund gewesen, dem Dorf, aus dem er stammt und in dem er weiter wohnt, beruflich den Rücken zu kehren und in die Stadt zu gehen. „Der Betrieb steht und fällt mit dem gesamten Team“, so Susanne Kommerau, die sich um Marketing, Büro und Organisation kümmerte. Probleme, die die Gastronomie sowieso landauf, landab hat, potenzierten sich an diesem Standort, denn für junge Leute sei Worpswede als Arbeitsplatz offenbar nicht attraktiv. „Gerade für Teilschichten fährt hier niemand raus, die vergangenen zwei Jahre waren extrem schwierig“, sagt Jens Kommerau. Für ihn war der Flüchtlingsstrom ab 2015, den manche als Krise bezeichnen, die Rettung. Mit ihm kam immerhin Personal, zwar nicht ausgebildet, aber lernwillig. „Es hat sich gelohnt, sich um diese Menschen zu bemühen, auch wenn es schon rein sprachlich nicht immer einfach war.“ In Kommeraus Küche fand gelebte Integration statt, Multikulti am Herd, und das nachhaltig. Gerne hätte der Chefkoch seine Angestellten auch mit nach Bremen genommen. Aber ein halbes Jahr Pause bis zum Neustart kann sich keiner leisten. Und die Kräfte sind heiß begehrt und haben längst andere Jobs.

Was mittelfristig mit dem Kaffee Worpswede passiert, ist noch offen. Für Nuske ist das ungewollte Ende auch eine Chance, denn die nötigen Arbeiten am Gebäude seien während eines laufenden Betriebes nicht möglich. Man werde das Ausmaß auch erst beurteilen können, wenn die Inneneinrichtung entfernt ist. Klar ist aber, bis zur Sommersaison ist das nicht zu schaffen und eine Neueröffnung im besucherschwachen Winter sei wenig sinnvoll. So wird frühestens Anfang 2020 neues Leben in das alte Haus kommen.


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Leserkommentare
erschreckerbaer am 22.10.2019 21:34
Ist doch in Ordnung.
Bis jetzt habe ich 48 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt.
Habe dafür Steuern bezahlt.
Würde ich mit 67 in ...
flutlicht am 22.10.2019 20:43
Lieber @Wk, wann hat Höffner denn nun die Fläche erworben? Mal schreiben Sie von 14 Jahren im Text und in der Einleitung von 11 Jahren. Was stimmt?