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Wilstedt: Ausschuss gegen Pfarrhaus-Kauf
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Keine Investition in Nostalgie

Johannes Heeg 12.02.2019 0 Kommentare

Geht es nach dem Dorfentwicklungsausschuss, wird die Gemeinde Wilstedt das alte Pastorenhaus nicht kaufen.
Geht es nach dem Dorfentwicklungsausschuss, wird die Gemeinde Wilstedt das alte Pastorenhaus nicht kaufen. (Heeg)

Wilstedt. Kauft die Gemeinde Wilstedt das alte Pastorenhaus? Wenn es nach dem Dorfentwicklungsausschuss geht: Nein. Mit drei Nein-Stimmen lehnte das Gremium am Montag den Antrag der Fraktion Natürlich Wilstedt und des Ratsherrn Gerhard Heins ab, das stark sanierungsbedürftige Fachwerkhaus von 1771 „vorsorglich“ zu erwerben, zu sichern und vor unerwünschter Bebauung und Nutzung zu schützen. Lediglich Hanna Schulz von Natürlich Wilstedt stimmte für ihren Vorschlag.

Zuvor hatte die Ratsfrau den Antrag damit begründet, dass sich die Gemeinde mit dem Kauf des Anwesens die Planungshoheit über die städtebaulich bedeutsame Fläche in der Ortsmitte bewahren könne. Es gebe eine hohe Zustimmung in der Bevölkerung zum Erhalt des Pfarrhauses und des Baumbestands. „Viele Wilstedter haben ein großes Interesse daran, dass dort nicht irgendwas hinkommt“, so Schulz. Sei das Grundstück erst einmal an einen Investor verkauft, habe die Gemeinde kaum noch Einfluss auf die künftige Gestaltung.

Ratsherr Heins gab zu bedenken: „Das ist eines der schönsten Grundstücke in Wilstedt, und es ist unsere Aufgabe, es zu erhalten.“ Es müsse verhindert werden, dass ein Investor das Pfarrhaus abreiße und die alten Bäume fälle, um das Grundstück mit „ganz vielen Einfamilienhäusern zu bebauen“. Da wisse er „80 Prozent der Wilstedter“ hinter sich. Diese Aussage trug ihm einen Rüffel von Bürgermeister Traugott Riedesel ein, denn sie sei unredlich, da Heins keine Umfrage im Dorf gemacht habe und er sich vielmehr wohl in seiner eigenen „Informationsblase“ bewege. Man höre nur die Stimmen, die man hören wolle. Zum beantragten Kauf sagte Riedesel, dass die Gemeinde unabsehbare, nicht zu kalkulierende finanzielle Risiken einginge, wenn sie das Pfarrhaus kaufen würde. Er könne es als Bürgermeister nicht vertreten, dass dafür die knappen liquiden Mittel der Gemeinde verwendet würden, die zum Teil sogar aus einem Darlehen bestehen. Und der eng gestrickte Gemeindehaushalt würde in Zukunft noch weit höher belastet, weil mit dem Kauf des Pfarrhauses auch die Erwartung verbunden wäre, das Gebäude um jeden Preis, also mit einem Millionenaufwand, zu sanieren. „Das können wir als Gemeinde einfach nicht tragen“, so Riedesel. „Das Schlimmste überhaupt wäre, wenn wir als Gemeinde für einen Ruinenkomplex verantwortlich wären“, schob er hinterher.

Abwegig sei der Vorschlag von Natürlich Wilstedt, die Gemeinde solle das Kirchengrundstück außerhalb des von der Kirchengemeinde geplanten öffentlichen Bieterverfahrens kaufen. „Die Gemeinde hat kein Vorkaufsrecht“, stellte Riedesel klar, zumal sie auch keinerlei Planungen für die Fläche in der Schublade habe, die ein solches begründen könnten. Es sei nicht zu erwarten, dass die Kirche das Gelände für weniger Geld hergäbe, als sie mit dem Bieterverfahren erzielen könnte, das sie Ende März starten wolle. Die Einnahmen aus dem Verkauf würden schließlich für den Bau des neuen Pfarrhauses benötigt. Während die Kirchengemeinde beim Verkauf des Pfarrhauses Herrin des Verfahrens sei, habe die politische Gemeinde eine maßgebliche Rolle, wenn es um die Zukunft des Grundstücks gehe. „Ohne die Gemeinde wird hier kein Bebauungsplan aufgestellt“, machte Riedesel klar. Zuvor müsse auch noch der Flächennutzungsplan geändert werden, was wiederum Sache der Samtgemeinde sei. Ein Investor, der an den Interessen der Gemeinde vorbei schnelles Geld machen wolle, habe keine Chance. Der CDU-Ratsherr Stephan Kück-Lüers sprach sich ebenfalls gegen einen Kauf durch die Gemeinde aus. „Die Kirche hat die Vorgabe, das Pfarrhaus meistbietend zu verkaufen. Wo wäre denn für uns die Grenze?“, fragte er. Auch er sei dafür, das zum historischen Ortsbild gehörende Pastorenhaus zu „erhalten, aber nicht um jeden Preis“. Allein der Erhalt würde einen siebenstelligen Betrag kosten.

Weitere Fragezeichen seien mit den Emissionen der benachbarten Landwirtschaft verbunden, die Einfluss auf die Bebaubarkeit hätten. „Wir wissen nicht, wie der Landkreis damit umgeht“, so Kück-Lüers. Er vertraue darauf, dass sich Käufer finden, „die wissen, wie wichtig dieser Standort ist“. Entscheidend sei, dass die Nachnutzung des Kirchengrundstücks gut fürs Dorf sei. „Wir brauchen eine nachhaltige Nutzung für das alte Grundstück, damit der neue Standort fürs Gemeindehaus akzeptiert wird.“

Bürgermeister Riedesel versicherte, dass die Gemeinde keinen Bebauungsplan für Einfamilienhäuser aufstellen werde. Vielmehr müssten Miet- und Eigentumswohnungen in einer Form realisiert werden, wie sie in Wilstedt nachgefragt würden. So manch alter Mensch wäre froh, wenn er sein zu groß gewordenes Haus an eine junge Familie abgeben und im Gegenzug eine angemessene Wohnung in Wilstedt beziehen könnte. „So ein Modell wollen wir hier“, betonte Riedesel. Dem Käufer müsse klar sein, dass auf dem Grundstück „die Zukunft fürs Dorf passiert“. Der Erwerb des Pfarrhauses durch die Gemeinde wäre hingegen „eine Investition in Nostalgie“.

Erneut besprochen wird der beantragte Kauf des Pastorenhauses im Finanzausschuss, der am Montag, 25. Februar, 20 Uhr, im Gemeindehaus Am Brink zusammenkommt, und im Gemeinderat am Montag, 25. März, 20 Uhr, im Sparkassengebäude.


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Leserkommentare
alanya_fuchs am 23.10.2019 07:35
Raten Sie mal, wieviele Geschäftspartner, Ein- und Verkäufer sich beim 6-Tagerennen treffen.
suziwolf am 23.10.2019 07:11
„Heiopei“ 😃und
„Zwangsmassnahmen“ ... 😒

Hallo, @rakase, Sie haben eine gute und widersprüchliche Zusammenfassung geliefert ...