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Klimaschutz-Aktionen in Worpswede, Borgfeld und Tarmstedt

André Fesser 20.09.2019 0 Kommentare

Klimastreik Worpswede
Der Biologe Hans-Gerhard Kulp rief beim Zwischenstopp in der Bergstraße zum Schutz der Moore auf. Hunderte hörten ihm zu. (André Fesser)

Ja, es könnte voll werden, das hatten sich die Organisatoren der Klimastreikdemonstration in Worpswede schon im Vorfeld gedacht. 150, vielleicht 200 Teilnehmer sollten es sein, mit Glück und gutem Wetter sogar ein paar mehr. Dass es dann aber mehr als selbstgezählte 700 wurden, hat die Veranstalter dann doch überrascht. Mehr noch: „Ich bin“, gab Jochen Semken später zu, „überwältigt!“

Anhand der Zahl und der Gesichter auf der Straße wurde deutlich, dass am Freitagnachmittag annähernd der halbe Ort auf den Beinen war. Die meisten waren zu Fuß unterwegs, einige schoben ihr Fahrrad über die Straße, auch Pferd Baronesse war mit am Start. „Mal sehen“, so Besitzerin Alke Zimmermann, „ob das was für sie ist.“ Die Aktiven wurden in ihrem Vorhaben, auf die Auswirkungen des Klimawandels hinzuweisen und eine Verhaltensänderung bei jedem Einzelnen zu bewirken, aber auch von Auswärtigen unterstützt. Grasberger waren da, ein paar Lilienthaler und sogar ein paar Gnarrenburger. Darunter befanden sich auch ein paar junge Leute, die schon am Vormittag an der größten Demo der Region in Bremen teilgenommen hatten. Dort sollen mehrere Zehntausend Menschen gewesen sein.

Dieser drei Meter hohe Fuß vor dem Alten Rathaus symbolisiert den CO2-Fußabdruck der Menschen.
Dieser drei Meter hohe Fuß vor dem Alten Rathaus symbolisiert den CO2-Fußabdruck der Menschen. (André Fesser)

Doch die Worpsweder wollten ihre eigenen Akzente setzen: Nach der Sammlung auf dem Edeka-Parktplatz setzte sich der Tross am Nachmittag zu Fuß auf der Osterweder Straße in Gang, um dann über Findorffstraße und Bergstraße bis zum Alten Rathaus zu laufen. Ein Trecker fuhr vorneweg und machte den Weg frei, alle paar Minuten hielten die Demonstranten an, um sich von Experten über ein Megaphon Informationen über Energiegewinnung, Verpackungsmüll, Landwirtschaft, Verkehr und die Lage der Moore vermitteln zu lassen. Wer wollte, konnte abschließend vor dem Alten Rathaus noch einen übergroßen Fuß bemalen. Der Künstler Christoph Fischer hatte ihn aus Pappmaché erstellt. Das Werk soll den CO2-Fußabdruck der Menschen symbolisieren. Natürlich ist er zu groß.

Ganz ohne Opfer blieb der Tag natürlich nicht. Der Verkehr wurde durch den Demonstrationszug erheblich behindert. Die Autofahrer – was blieb ihnen auch übrig? – nahmen es aber gelassen. „Vollkommen okay“ fand einer die Zwangspause am Straßenrand. Müsste er nicht zum Termin, würde er selbst im Demozug mitlaufen. „Das muss sein“, sagte er. Auch eine andere Frau im Stau fand es in Ordnung, dass sich die Leute auf die Straße begeben. Auch wenn sie etwas ungeduldig wurde: „Ich möchte einfach nur nach Hause.“

Mit einem Trecker voran ging es am Freitagnachmittag durch Worpswede.
Mit einem Trecker voran ging es am Freitagnachmittag durch Worpswede. (André Fesser)

Mit am Straßenrand stand auch Landwirt Dieter Helmke. Er war mit dem Fahrrad gekommen und wollte sich nach eigenem Bekunden mal ansehen, mit welchen Argumenten die Demonstranten auf die Straße gingen. Vielem könne er zustimmen, sagte er. Allerdings dürfe man als Verbraucher nicht nur Forderungen stellen, sondern müsse den Wandel auch leben. Er nannte als Beispiel den Konsum von Bio-Lebensmitteln. Alle forderten sie, im Handel, so Helmke, würden sie aber nicht ausreichend nachgefragt. Zudem sei der Preisdruck auch im Bio-Segment derart hoch, dass die Standards infrage gestellt würden.

Dass man sich als Aktivist ehrlich machen muss, sah auch Dieter Viefhues so. Der Worpsweder Grüne zählte zum Organisationsteam der Demo und räumte ein, dass ihn im Vorfeld des Tages die Frage geplagt habe, ob er denn den Kampf gegen den Klimawandel predigen, zur Demo aber mit dem Auto fahren dürfe. Immerhin komme man ins Grübeln, sagte er, und fand das schließlich gut. Denn nur so bewege sich was: „Auf dem Thema ist ordentlich Druck.“

Jochen Semken bläst zum Aufbruch im Kampf gegen den Klimawandel.
Jochen Semken bläst zum Aufbruch im Kampf gegen den Klimawandel. (André Fesser)

Und diesen Druck wollen die Aktiven nun auffangen. Denn die Demonstration am Freitag soll keineswegs nur eine einmalige Veranstaltung sein. Vielmehr soll der Schwung mitgenommen werden, um die Menschen zu regelmäßigen Aktivitäten einzuladen. „Wir haben ein Zeichen gesetzt. Dies ist aber nicht das Ende, sondern erst der Anfang“, sagte Jochen Semken. Daher hatten die Organisatoren zur Abschlussveranstaltung auf dem Parkplatz neben dem Alten Rathaus Listen ausgelegt, auf denen sich all diejenigen eintragen konnten, die Lust haben, sich weiter zu beteiligen.

Jede Menge unnötiger Abfall ließe sich vermeiden, haben die Tarmstedter Schüler gelernt.
Jede Menge unnötiger Abfall ließe sich vermeiden, haben die Tarmstedter Schüler gelernt. (Johannes Heeg)

Denn dass in Worpswede Potenzial herrscht, die Klimaschutzbewegung voranzubringen, hat sich am Freitag deutlich gezeigt. Während das Thema vielfach als Jugendprojekt begriffen wird, standen im Künstlerdorf auch viele Ältere auf der Straße. Zudem fiel die Teilnehmerzahl deutlich höher aus als in der deutlich größeren Kreisstadt. Von dort war Frederik Burdorf, einer der Aktivisten der Fridays-for-Future-Bewegung angereist. Rund 500 Menschen seien am Vormittag in Osterholz-Scharmbeck auf der Straße gewesen. Und glaubt man seinen Worten, dann wollen sie alle demnächst wiederkommen: „Wir bleiben so lange laut, bis wir es geschafft haben, unsere Ziele voranzutreiben.“

Mit dem schuleigenen Klimasong läuteten die Kinder den Tag der offenen Tür der Grundschule Tarmstedt ein.
Mit dem schuleigenen Klimasong läuteten die Kinder den Tag der offenen Tür der Grundschule Tarmstedt ein. (Johannes Heeg)

Tarmstedter Kinder tun was

Von Johannes Heeg

Alte Möbel mit frischer Farbe aufhübschen statt sie wegzuschmeißen, aus alten Klamotten langlebige Stoffbeutel machen, alte Handys einsammeln, um wertvolle Rohstoffe wiederzugewinnen – dass auch Kinder schon eine Menge tun können, um den Klimawandel zu stoppen, das zeigte die Grundschule Tarmstedt an ihrem Tag der offenen Tür. Bewusst hat die Schule die Präsentation der Arbeiten aus den vorangegangenen Projekttagen auf den weltweiten Klima-Aktionstag gelegt. Sogar selbst gemachtes Lippenbalsam ohne Palmöl gab es, und nicht zu vergessen: einen schuleigenen Klimasong. Fast 300 Kinder trugen das von der Lehrerin Tina Gerdes komponierte Lied zu Beginn und zum Ausklang des Nachmittags auf dem Schulhof vor, dazu spielte eine Begleitband aus Eltern und Lehrkräften.

Und ein Baum soll auch gepflanzt werden: Die ehemalige Schulleiterin Sabine Grimmelijkhuizen, die beim Schulfest verabschiedet wurde, erhielt vom Elternrat ein Mirabellenbäumchen. Die Wilstedterin versprach, es umgehend in die Erde zu bringen. 

Auch der Borgfelder Kindergarten hat sich am Weltklimatag beteiligt.
Auch der Borgfelder Kindergarten hat sich am Weltklimatag beteiligt. (Petra Scheller)

Die Welt verändern

Von Petra Scheller

Werden Krippen- und Kindergartenkinder von Erwachsenen instrumentalisiert, wenn sie am Welt-Klima-Streiktag teilnehmen? Nein, sagen die Pädagogischen Leiterinnen der Evangelischen Kindergärten in Borgfeld. Und erhalten dabei die Zustimmung der Eltern. Mit bunten, selbstgemalten Schildern in den Händen versammelten sich Krippen- und Kindergartenkinder der Evangelischen Gemeinde in Borgfeld gestern auf dem Platz unter der Linde zum Welt-Klima-Streiktag. "Eine Welt ohne Abgase“, das Meer, die Berge und Blumen haben sie auf Pappen getuscht, erklären die Drei- bis Sechsjährigen während einer Open-Air-Andacht auf dem Borgfelder Marktplatz. „Klimaschutz ist bei uns in der Kita schon lange ein Thema“, berichtet Elke Meiners, Leiterin der Kita am Krögersweg am Rande der Versammlung. Ziel der Aktion sei es, den Kindern zu zeigen, dass man etwas erreichen könne, wenn man sich zusammentue. Partizipation bedeute nicht nur, Kindern an Entscheidungen, die sie betreffen, teilhaben zu lassen, sondern auch, ihnen Möglichkeiten aufzuzeigen, wie sie sich für etwas einsetzen können. Die Versammlungsfreiheit biete dazu die Möglichkeit. Die Teilnahme am Klima-Streik-Tag sei für sie ein Spagat, sagt Meiners: Viele Kinder seien an dem Thema interessiert, andere aber aufgrund ihres Alters und ihrer Entwicklung noch nicht in der Lage, die Zusammenhänge zu verstehen. Sie sähe die Gefahr, bei Klima-Protest-Aktionen generell, Kinder zu instrumentalisieren. „Um dies nicht zu tun, machen wir keine Demo, sondern eine öffentliche Andacht“, berichtet die Pädagogin. Die Aktion kam bei Passanten auf dem Borgfelder Marktplatz gut an. Ein Vater sagt anschließend, er fände die Aktion wichtig und richtig. „Es ist gut, schon die Kleinsten aufmerksam zu machen.“ Das fördere das Bewusstsein und helfe dabei, „eine eigene Stimme zu bilden“.

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Ein Syrer und sein neues Leben in Rotenburg
Samer Tannous ist Hochschullehrer aus Damaskus, lebt mit seiner Familie seit 2015 in Rotenburg und arbeitet dort als Französischlehrer. In der Wümme-Zeitung schreibt er wöchentlich über seine Erlebnisse.
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Leserkommentare
Bunker-F76 am 20.10.2019 11:04
Ich habe in diesem Artikel ganze achtmal des Wort Rechtsextrem(ismus) registriert.
Linksextrem(ismus) kein einziges mal.
Dabei sollte ...
Opferanode am 20.10.2019 10:48
"Endlich mal ein Angebot, wo Bremen offenbar einen Spitzenplatz hält, und interessierte Menschen die Qual der Wahl haben."
Das kann ja wohl ...